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Weltgeschichte Das Wunder von Mailand

In Mailand wird schon gebaut: Starbucks kommt 2018 nach Italien, ins Mutterland des Espressos. Doch der Kulturkampf bleibt aus, dafür sind die Italiener viel zu raffiniert. Sie setzen Made in Italy gegen „italian sounding“.
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Ende September hat an einem zentralen Platz in Mailand, an der Piazza San Fedele nahe der Scala, der „Lavazza Flagship Store“ eröffnet. Ein 200 Quadratmeter großer Kaffeetempel zum Staunen. Quelle: Reuters
Espresso

Ende September hat an einem zentralen Platz in Mailand, an der Piazza San Fedele nahe der Scala, der „Lavazza Flagship Store“ eröffnet. Ein 200 Quadratmeter großer Kaffeetempel zum Staunen.

(Foto: Reuters)

RomBei Signor Angelo in der „Bar Farnese“ nahe dem Campo de‘ Fiori ist Italien noch so wie früher. Im grünen Kellner-Jackett steht der Römer hinter dem Tresen in seiner winzigen Bar und bereitet jedem seinen Kaffee zu. 80 Cent kostet der Espresso bei ihm, egal ob „macchiato freddo“, „in vetro“ oder „in tazza riscaldata“. Denn in Italien ist der „caffè“ nicht bloß Koffein-Zufuhr, sondern Sache für Individualisten: Der eine will einen Schuss kalte Milch, der andere den Kaffee im Glas und der dritte in einer angewärmten Tasse. Der Cappuccino kostet bei Signor Angelo einen Euro, selbst wenn man sich damit nach draußen setzt.

Solche Bars sind heute rar in Rom oder Mailand und meist nur noch in der Provinz zu finden. Fast überall kostet der Kaffee mehr, vor allem wenn man nicht am Tresen steht, sondern sich hinsetzt. Doch da verpasst man natürlich den neuesten Klatsch über Nachbarn und Politik. Aber das Land geht auch mit der Zeit:  Firmen wie Illy haben in Rom direkt bei der Abgeordnetenkammer und in Mailand neben der Unicredit-Zentrale hochmoderne und betörend designte Kaffee-Tempel eröffnet, in denen man sich wie in einer hippen Cocktailbar fühlt. 

Italien ist Kaffeeland. Der erste Espresso wurde um 1900 in Mailand gebraut, von Hand, mit Dampf. Die erste Kaffeemaschine, die legendäre Cuccuma, die man auf dem Herd drehen musste, wurde in Neapel erfunden bis Herr Bialetti dann 1933 mit seiner achteckigen Aluminium-Moka ein für alle Mal den Standard setzte. Viel später erst kamen George Clooney und die Nespresso-Kapseln, die sich auf der Welt verbreiteten. Aber Espresso und Italien, das gehört zusammen. Landesweit gibt es mehr als 800 Röstereien.

„Ein perfekter Espresso ist ein kleines Wunder“, schreibt Andrea Illy in seinem 224-Seiten-Buch „Der Traum vom Kaffee“. Ein Wunder, das anderswo viel kostet. Nur in Portugal und Griechenland sind nach einer Untersuchung des italienischen Verbraucherverbands Federconsumatori die Preise für den Espresso ähnlich, zwischen  80 Cent und einem Euro. In London zahlt man durchschnittlich 1,70 Euro, in Paris 1,89,  in Berlin und Amsterdam 2,34 und Spitzenreiter ist Norwegen mit 4,50 Euro pro Tässchen. Dann lieber bei Signor Angelo vorbeigehen.

Und jetzt Starbucks im Kaffeeland Italien. Das Entsetzen war groß, als der globale Leader im vergangenen Jahr ankündigte, in Mailand einen Flagship-Store zu eröffnen. An der zentralen Piazza Cordusio nahe beim Dom wird schon gebaut. Starbucks-Chef Howard Schultz lässt für 20 Millionen Euro auf 2.500 Quadratmetern das alte Postgebäude umbauen. Eröffnung ist in der zweiten Hälfte 2018.  

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