Weltgeschichten unserer Korrespondenten

World Pride in Madrid
Schwuler Stolz

Madrid bereitet sich auf das LGBT-Fest World Pride vor und feiert damit auch 40 Jahre Freiheit im eigenen Land. Ein Marsch soll daran erinnern, dass Homo- und Transsexuelle vielerorts immer noch diskriminiert werden.
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MadridMadrid steht vor einem der größten Events des Jahres: Ab diesem Freitag findet in der spanischen Hauptstad der World Pride statt, das weltweit größte Treffen von Lesben, Schwulen Bisexuellen und Transgendern (LGBT). Erwartet werden zwei Millionen Besucher. Die linke Stadtmutter Manuela Carmena bereitet Madrid seit Wochen für ein harmonisches Fest und eine Zelebration der Freiheit vor.

Sie hat unter anderem Ampeln mit schwulen und lesbischen Paaren in der Stadt installieren lassen. „Madrid braucht dieses Bekenntnis in seinen Straßen“, erklärt Carmena. „Die Aufgabe von Ampeln ist es, die Bürger zu schützen und sie sollten die Vielfalt der Stadt repräsentieren.“ Auf 288 Fußgängerampeln sind nun händchenhaltende Frauen oder Männer zu sehen, aber auch heterosexuelle Paare. Madrid ist nicht die erste Stadt, die die Ampeln zu politischen Aussagen nutzt: Wien führte sie im Jahr 2015 ein, als der Eurovision Songcontest dort stattfand. Andere Städte in Österreich, aber auch München und London folgten dem Beispiel.

Carmena hat darüber hinaus von Madrilenen und Besuchern aus kleinen Stoffstreifen eine riesige Regenbogenfahne knüpfen lassen, die während des Festivals die Fassade des Madrider Rathauses schmückt. Der Prado zeigt eine Ausstellung zur sexuellen Vielfalt, zahlreiche andere Museen, Theater und Galerien der Stadt greifen das Thema ebenfalls auf. Der lokale Handel rechnet mit 300 Millionen Euro Mehreinnahmen, die Hoteliers haben alle Betten vermietet.

Für Madrid ist das Jahr des World Pride symbolisch gewählt: Vor genau 40 Jahren fanden in Spanien die ersten Demonstrationen für die Rechte von Schwulen und Lesben statt. Es war die Zeit nach der Diktatur von Francisco Franco, unter dessen Ägide Schwulen noch eine Gefängnisstrafe drohte. Dennoch war in den 60er Jahren vor allem in den touristischen und moderneren Gegenden wie Barcelona, Sitges oder Ibiza eine Untergrundkultur der Schwulenbewegung entstanden.

1977 trauten sich dann die ersten Kämpfer für die Anerkennung auf die Straße. Seitdem hat sich viel getan: Der Madrider Stadtteil Chueca, der bis in die 90er ein gefährliches Pflaster mit Drogendealern und Kleinkriminellen war, ist heute Zentrum einer lebhaften Schwulenszene mit Galerien, Bars und Clubs in der einst sehr konservativen Hauptstadt.

Spanien hat 2005 als drittes Land der Welt die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt, nach den Niederlanden und Belgien. In Deutschland wartet die LGBT-Gemeinschaft dagegen bis heute darauf.

Und so wird Madrid ab diesem Freitag zehn Tage lang (23.6.-2.7.) das Erreichte mit Konzerten, Diskussionen und Partys zu feiern, aber auch mit einem Marsch durch das Zentrum daran erinnern, dass Homo- und Transsexuelle vielerorts immer noch diskriminiert werden.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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