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Weltgeschichten
Verheddert im Trinkgeld-Dschungel

Tipping in den USA ist nicht nur für Touristen eine schwierige Übung. Auch Einheimische tun sich schwer damit, wie viel Trinkgeld sie geben wollen und wo es unangebracht ist. Diese Weltgeschichte bietet Orientierung.
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San FranciscoEin Dollar hier, fünf Dollar da, 50 Dollar noch mal obendrauf. Da läppert sich was zusammen. Schätzungsweise um die 40 Milliarden Dollar tippen US-Konsument pro Jahr für Dienstleistungen oder Produktelieferungen. Niemand ist gezwungen, aber es hat sich nun mal eingebürgert. Das war nicht immer so. 1910 gründeten verärgerte Handelsreisende die „National Anti-Tipping League“, die das weit verbreitete „Unwesen“ des Handaufhaltens beenden sollte. In manchen Bundesstaaten war das Tippen Anfang des 19. Jahrhunderts sogar gesetzlich verboten.

Doch das ist vorbei. Die Liga ist längst aufgelöst und der kleine Obolus zur alltäglichen Routine geworden. Wobei klein eher relativ zu sehen ist. Die Erwartungshaltung beim Personal liegt schon bei 15 bis 25 Prozent auf den Ausgangspreis. Auf einigen Rechnungen wird schon die „Empfehlung“ 30 Prozent Trinkgeld mit ausgedruckt. Wenn das Steak mit 50 Dollar auf der Speisekarte ausgelobt wird, kommen je nach Bundesstaat 10 bis 15 Steuern drauf und dann noch mal Tip. Zwischen 63 und über 70 Dollar zieht das Stück Edelfleisch am Ende aus der Brieftasche.

Goldene Regel: „Don’t tip the tax“. Also die Prozente immer vom Nettopreis rechnen. Wer etwas üppiger geben will, gibt einfach 15 Prozent auf den Nachsteuerbetrag auf der Rechnung. Aber das ist noch nicht alles. Der Valet-Chauffeur, der das Auto in Parkhaus fährt und wieder herausholt, erwartet fünf Dollar auf die Hand. Für den Kofferträger im Hotel sind zwei Dollar für den ersten Koffer und je einer für jeden weiteren üblich. Aber nicht für jeden, der die Koffer einmal anfasst. Das Trinkgeld sollte dann überreicht werden, wenn das Gepäck im Zimmer ankommt.

In Oberklassehotels ist auch ein Trinkgeld für das Zimmermädchen noch üblich (2 Dollar pro Tag). Der Zimmerservice rechnet eine Service-Pauschale in die Bestellung direkt mit ein. Kein Tip. Knausrig sollte man nicht sein, wenn der Concierge die begehrten Karten für das ausverkaufte Broadway-Musical doch noch auftreibt. Ein dezent überreichter Zehn-Dollar-Schein ist das Mindeste. Und die Empfangsdame, die im prall gefüllten Nobelrestaurant dann doch noch den Tisch am Fenster mit Blick auf die Golden Gate-Bridge auftreibt, sollte auch nicht leer ausgehen. Der Betrag richtet sich nach dem Glänzen in den Augen des Partners, wenn der Tisch erreicht wird.

Bei Friseuren oder Masseuren sind 15 bis 20 Prozent üblich. Wer natürlich nur einmal dahingeht und dann wieder zurückfliegt, der muss das nicht machen. Für Expats sichert dieses Trinkgeld aber einen Wiedererkennungseffekt mit vorbildlichem Service.

Kommentare zu " Weltgeschichten: Verheddert im Trinkgeld-Dschungel"

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  • in Bezug auf das leidige Thema Trinkgeld haben die USA sich in den letzten 50 Jahren immer zu einer Bananenrepublik entwickelt. Wenn früher über das Trinkgeld in Europa gelästert wurde. so sind sie heute Spitzenreiter im Ablocken .
    Ich sage nur: sollen die Arbeitgeber vernünftige Löhne zahlen, braucht man keine Trinkgeld geben. Hinter diesem Unwesen stecken wohl die Arbeitgeber.
    Viele andere Berufe im Servicebereich bekommen auch keine Trinkgelder, oder was zahlen Sie der Krankenschwester oder dem Polizisten?

  • Nach meiner Meinung ist Trinkgeld meist nur da um weiter menschenunwürdige Löhne zahlen zu können. Nur mit Trinkgelder können einige Familien überleben. Warum weigern sich die Politiker dies zu ändern? Muß ein Managerlohn von 20 Mill im Jahr sein? Muß ein Manger 3100 Euro Rente im Monat erhalten bei Verlusten, Schädigungen der Kunden?

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