Jolie und Pitt waren gestern – hier kommt der Scheidungskrieg auf chinesisch

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Scheidungskrieg von Schauspieler Wang
„Brangelina“ auf chinesisch

Angelina Jolie und Brad Pitt lassen sich scheiden? Uninteressant! China trauert um die gescheiterte Ehe von Schauspieler Wang Baoqiang und dessen Frau. In die aufgeheizte Debatte mischen sich neue Stimmen.
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PekingSie sind ein Traumpaar. Die chinesischen Fotografen rangeln sich um Fotos von ihnen, wenn sie über die roten Teppiche dieser Welt schreiten. Doch jetzt ist ihre Ehe vorbei. Die Rede ist nicht von Angelina Jolie und Brad Pitt. Es geht um den chinesischen Schauspieler Wang Baoqiang und dessen Frau Ma Rong. Seit Wochen dominiert der Scheidungskrieg der beiden Chinas soziale Netzwerke.

Wang hatte die Scheidung im Internet angekündigt, noch bevor er die nötigen Papiere vor Gericht eingereicht hatte. Seit der Heirat im Jahr 2009 sei er ein loyaler Ehemann, ein guter Vater sowie ein achtungsvoller Sohn gegenüber seinen Eltern sowie den Schwiegereltern gewesen. Doch seine Frau habe heimlich eine Affäre mit Wangs Agenten begonnen.

Scheidungen sind auch in China an der Tagesordnung. Doch dieser Fall ist anders. Denn Wang Baoqiang ist mehr als ein erfolgreicher Schauspieler. Der Sohn einer Bauernfamilie aus der armen Provinz Hebei steht für einen gewaltigen sozialen Aufstieg. Als Grundschüler sah er einen Kung-Fu-Film und setze sich das Ziel, selbst zum Meister zu werden. Er schrieb sich im renommierten Shaolin-Kloster ein und wurde in sechs Jahren zum Kämpfer ausgebildet. In Filmen spielte er stets den etwas tölpelhaften Bauernsohn, in dem jedoch ein begnadeter Kung-Fu-Meister schlummert.

Im Internet erntete Wang fast alle Sympathien. Nutzer sichten Ma Rong kurze Zeit später zusammen mit Wangs ehemaligem Agenten in New York. Es entsteht eine Hetzjagd nach den beiden durch die US-amerikanische Metropolen, bei der chinesische Touristen sie auf Schritt und Tritt verfolgen, und jede Bewegung mit Fotos im Internet dokumentieren. Die Darstellung folgt einem Muster: Wang ist eben doch der tölpelhafte Bauernsohn, der letztlich im rauen Showbusiness betrogen wurde.

Doch dem dominanten Bild widersetzen sich immer mehr Kommentatoren. Soziologen haben sich in die Debatte eingeschaltet, die fordern, dass sich Nutzer im Internet aus den Privatangelegenheiten eines Liebespaares raushalten müssten. Auch wenn Wang den Streit öffentlich gemacht habe, gelte das Recht auf Privatsphäre trotzdem weiter für seine Noch-Frau Ma Rong.

Feministische Gruppen haben sich der Kritik angeschlossen. Für sie steht die Debatte für eine konservative Moralvorstellung. In der Auseinandersetzung kämen immer wieder Ansichten durch, nach denen sich die Frauen in der Ehe ihren Männern unterordnen müssten. Das sei jedoch längst überholt.

Die Debatte ist wichtig. Sie zeigt, wie viele Chinesen das Verhältnis von kollektiver Vorstellung und privater Wirklich neu verhandeln. In einem Land, in dem kommunistische Arbeitseinheiten noch bis vor 30 Jahren vorschreiben konnten, wer wen heiraten durfte, ist das ein riesiger Schritt. Und die Debatte hat gerade erst begonnen.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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