Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Asiens selbstverliebte Fotografen
Das letzte Selfie

In Asien steigt die Zahl der Selfie-Toten weiter an. Die Behörden ergreifen immer mehr Vorsichtsmaßnahmen – auch eine App soll die Sicherheit erhöhen. Eine Weltgeschichte.
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Der Befehl kommt von ganz oben: Kurz vor der Hauptsaison in Thailand hat Umweltminister Surasak Kanchanarat seinen Landsleuten sowie Touristen ein Selfie-Verbot auf hohen Meeresklippen und Steilhängen in Nationalparks erteilt. Seine Beamten wies er an, unverzüglich Verbotsschilder an gefährlichen Stellen zu aufzustellen.

Auch auf der Ferieninsel Phuket ist man alarmiert. Dort donnern kontinuierlich Passagiermaschinen direkt über einen Strand in Richtung Landebahn. Viele machten sich einen Spaß daraus, sich mit den landenden Flugzeugen im Hintergrund zu fotografieren. Doch mittlerweile befürchten die Betreiber, dass Schaulustigen von den Turbinen angesengt werden könnten – auch hier ist jetzt Schluss mit den Foto-Sessions.

Thailand folgt damit Indien und anderen asiatischen Ländern, die mit Verboten und Regeln gegen die wachsende Zahl von Selfie-Toten ankämpfen. Für eine diesen Herbst veröffentlichte Studie haben Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in Pittsburgh und dem Indraprastha Institute of Information in Delhi weltweit 127 Tote in den vergangenen zwei Jahren gezählt. Als besonders gefährlich identifizierten die Forscher Klippen und Gewässer. Die meisten der Opfer sind Asiaten, die Hälfte aller Unglücke passierte in Indien.

Dass glücklicherweise bisher noch kein Thailänder wegen eines Selfies sein Leben verlor, verwundert mich. Denn die Thais sind verrückt nach Selfies: Es gibt ganze Themen-Parks, die nur darauf ausgelegt sind, sich beispielsweise mit riesigen Erdbeeren im Hintergrund zu fotografieren. Selfies vor schicken Autos oder berühmten Urlaubszielen gehören zum guten Stil: Wenn man in ein teures Restaurant essen geht, macht man schon gerne mal ein Foto von sich samt Menü.

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