Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Mahanakhon Tower in Bangkok
Der verbotene Turm

Der Mahanakhon Tower überragt alle anderen Gebäude in Bangkok. Experten feiern es als großes Kunstwerk. Aber weil es von einem Deutschen entworfen wurde, soll es auf einmal illegal sein.

BangkokDem Architekten wurde gesagt, er solle etwas schaffen, das heraussticht. Das ist keine einfache Aufgabe in einer Stadt, in der riesige Wolkenkratzer Elefanten, Robotern und pharaonischen Pyramiden nachempfunden sind. Bangkok wirkt manchmal, als sei es in einer Kreativtherapie für Wahnsinnige entworfen worden.

Der Mahanakhon Tower fällt in diesem Durcheinander tatsächlich auf, aber auf sehr elegante Art. An einigen Stellen sieht das über 300 Meter hohe Gebäude aus, als wurde es wie ein Zauberwürfel verdreht. Die pixelartige Struktur zieht sie in einer Helix über das gesamte Gebäude. Experten feiern es als großes Kunstwerk.

Vergangene Woche wurde das neue höchste Hochhaus der Stadt mit einer gigantischen Lichtshow eingeweiht. Doch der Stolz auf das Gebäude währte nur kurz. Eine nationalistische Organisation in Thailand behauptet, der Turm sei illegal errichtet worden: Architekt ist einer der 39 Berufe in Thailand, die nur Thais ausüben dürfen. Und der Planer des neuen Hochhauses heißt Ole Scheer – ein Deutscher. Schon ist eine Debatte darüber entbrannt, wie stark sich Thailand gegenüber dem Ausland öffnen soll.

Die Globalisierung ist noch nicht so weit ist, wie man meinen möchte. Man muss kein Architekt sein, um das zu merken. Europa lässt auch gut ausgebildete Asiaten erst gar nicht erst einreisen – in Asien wird Ausländern dagegen mit absurden Gesetzen das Leben schwer gemacht, nicht nur im Job.

Manche Regionen in Indien dürfen Ausländer nur mit einer Spezialgenehmigung betreten. In Thailand dürfen sie nicht nur keine Häuser entwerfen, sondern auch kein Land besitzen. In Laos ist für Fremde Geschlechtsverkehr mit Laoten verboten – es sei denn, sie heiraten.

Noch ist nicht bekannt, ob der Mahanakhon Tower ein juristisches Nachspiel haben wird oder ob der Gebäudeentwickler ein Schlupfloch gefunden hatte. Immerhin wurden zahlreiche bekannte Gebäude in Bangkok von Ausländern gebaut: Franzosen haben berühmte Einkaufszentren gezeichnet. Der Flughafen Suvarnabhumi ist vom deutschen Architekten Helmut Jahn geplant worden.

Man könnte meinen, das umstrittene Gesetz wäre bereits Jahrzehnte alt. Doch es wurde erst 2008 verabschiedet. Thailand war da schon einmal weiter. Die Anantasamakhom-Thronhalle, ein wichtiges offizielles Gebäude, hat der Italiener Ercole Manfredi maßgeblich entworfen. Das war vor mehr als 100 Jahren. Soweit ich weiß, hat sich noch niemand darüber beschwert.

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