Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Straßenverkauf in Bangkok
Feldzug gegen das Streetfood

Straßenstände sind eine der Attraktionen Bangkoks. Doch nun gehen die Behörden gegen die mobilen Küchen vor. Tausende Köche fürchten um ihre Existenz – und viele Bangkoker um den Charme ihrer Stadt. Eine Weltgeschichte.
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BangkokBürgersteige in Bangkok sind mehr als nur Gehwege: Sie sind Moped-Rennstrecke, weil vom Stau genervte Zweiradfahrer gerne darauf ausweichen. Zweitens sind die Trottoirs aber auch das größte Freiluft-Restaurant der Welt. Sie sind vollgestellt mit Plastikstühlen und Tischchen, direkt daneben dann die Garküche: Oft ist sie ein altes Moped montiert, um die gesamte Apparatur abends wieder nach Hause zu fahren.

Bangkok ist berühmt für seine Straßenküchen. Längst gibt es Touranbieter, die mit Gästen aus aller Welt die leckersten Stände abklappern. Der amerikanische TV-Sender CNN hat erst diesen Monat zum zweiten Mal in Folge Bangkoks Streetfood zum besten der Welt erklärt. Sie reichen von gerösteten Insekten, zu einfachen Reismahlzeiten und bis hin zu Leckerbissen wie Shrimp-Omelettes. Manche Gerichte werden bereits seit Jahrzehnten von den Familienbetrieben angeboten.

Doch jetzt werden die Straßenköche immer stärker aus der Stadt gedrängt. Diesmal soll ein ganzes Viertel leergefegt werden, und zwar die Gegend rund um die modernen Stadteile Ekkamai und Thong Lor. Bis zum 17. April haben die Betreiber der Stände, dann sollen sie verschwinden. Der Ton der Behörden ist rabiat: Entfernt euch oder Ihr werdet entfernt, heißt es aus dem Rathaus.

Tatsächlich hat die Kocherei am Straßenrand erhebliche Nachteile: Alles ist vollgestellt, es stinkt. Immer wieder läuft man durch eine Wolke Fischöl-Gestank oder durch eine Chilidampf-Schwade, die einem die Tränen in die Augen treibt. Nachts kommen die Ratten, um die Reste auf dem Boden zu vertilgen.

Da den Händlern bisher kein neuer Standort angeboten wurde, fürchten nun aber Tausende um ihre Existenz. Für viele Taxifahrer und Arbeiter dürfte es schwieriger werden, eine günstige Mahlzeit zu bekommen. Ein einfaches Reisgericht oder eine Suppe gibt es an den Straßenständen schon für umgerechnet einen Euro. Doch auch Büroarbeiter kommen gerne vorbei – es ist eine der wenigen Orte der Stadt, wo arm und reich noch beieinander sitzen.

Eine einfache Lösung wäre es, den zahlreichen Händlern neue, zentrale Plätze zur Verfügung zu stellen und so neue Essensmärkte zu schaffen – ähnlich, wie es vor Jahrzehnten Singapur gemacht hat. Doch mittlerweile sind die Grundstückspreise in der Gegend stark gestiegen. Die Fläche wird lieber für schicke Einkaufszentren oder teure Wohntürme verwendet.

Die Händler können sich so teure Mieten nicht leisten – und offenbar hat auch niemand Interesse daran, sie ihnen zu erlassen. Dabei weiß man in anderen staatlichen Stellen offenbar um die Bedeutung der Stände für das Flair der Stadt: Das Außenministerium hat erst diesen März eine App mit den bekanntesten Streetfood-Spots herausgebracht. Vielleicht hoffen dort auch einige Beamte, dass die angekündigten Regeln einfach nicht durchgesetzt werden. Es wäre nicht das erste Mal in Bangkok: Auf Gehwegen Moped zu fahren, ist in der Stadt offiziell schließlich auch verboten.

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