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Thailand Der Eingang zum Paradies ist verstopft

Über Silvester in den Thailand-Urlaub? Klingt gut. Blöd nur, wenn man bis zu acht Stunden am Flughafen auf die Einreise warten muss. Kurz vor der Party warnen Beamte vor Chaos. Das Ferienziel wird überrannt.
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Silvester in Thailand: Der Eingang zum Paradies ist verstopft
Silvester in Thailand

Um den Besucheransturm bewerkstelligen zu können, sollen die Flughäfen massiv ausgebaut werden.

BangkokFlughafen des Lächelns – so nennt sich der Airport Suvarnabhumi in Bangkok gerne in der Werbung. Doch meistens ist die Stimmung dort mies – und dieses Wochenende wohl erst recht: Wenn in diesen Tagen Hunderttausende zum Silvesterurlaub nach Thailand einreisen, dann müssen sie sich vor dem Eintritt ins Ferienparadies sehr gedulden: Für ein „Visa on Arrival“ rechnen die Beamten mit einer Bearbeitungszeit von bis zu vier Stunden.

Dabei könnten die Fluggäste am Wochenende noch einigermaßen glimpflich davonkommen: Dieses Jahr mussten Reisende an dem kleineren Flughafen Don Mueang schon mal rund acht Stunden Schlange stehen, bis ihnen ein Beamter schließlich einen Stempel in den Pass drückte. Für Touristen aus Deutschland ist es nicht ganz so schlimm: Sie benötigen keine Visa und werden deswegen schneller abgefertigt. Dennoch müssen auch sie immer länger an der Passkontrolle warten.

Die Entschuldigungen der Behörden klingen in den Ohren der Passagiere wie Hohn: Es seien zu viele Flugzeuge auf einmal angekommen, heißt es oft, wenn im Internet und in der Presse mal wieder Bilder von endlosen Schlangen gezeigt werden. Das Problem ist nur, dass praktisch immer zu viele Flüge auf einmal kommen. Denn die Auslastung der beiden wichtigen Flughäfen von Bangkok liegt deutlich über ihrer Kapazität. Thailand erlebte in den vergangenen Jahren einen Besucheransturm. Vor allem Chinesen haben das Urlaubsziel für sich entdeckt und reisen in immer größerer Zahl ein. Die touristische Infrastruktur kommt nicht mehr hinterher.

Dabei ist der Tourismus einer der wenigen Glanzlichter der ansonsten schwächelnden Wirtschaft – und mit fast 20 Prozent Anteil an der Wirtschaftsleistung auch eine der wichtigsten Branchen. Entsprechend wird er staatlich gefördert: Selbstbewusst verkündete die thailändische Regierung, die Anzahl der Touristen in den kommenden zehn Jahren auf 70 Millionen zu verdoppeln.

Ein schöner Plan – wäre da nicht das Problem, dass der Eingang zum Paradies schon jetzt verstopft ist. So wird ausgerechnet Thailands Beliebtheit zu einer Gefahr für die Erfolgsgeschichte der Branche: Wer nach einem Interkontinentalflug erst einmal Stunden am Flughafen festgehalten wird, der zweifelt an der Gastfreundschaft des Landes – noch bevor der Urlaub überhaupt begonnen hat.

Um den Besucheransturm bewerkstelligen zu können, sollen die Flughäfen nun massiv ausgebaut werden. Die Kapazität des Suvarnabhumi soll auf 90 Millionen Fluggäste erhöht werden – derzeit fertigen nur die Airports von Peking und Atlanta mehr Passagiere ab. Auch der kleinere Don Mueang soll kräftig wachsen. Das Problem: Die Bauarbeiten dürften erst in rund fünf Jahren abgeschlossen sein.

So müssen schon jetzt andere Lösungen her: Derzeit wird der Militärflughafen U-Tapao immer weiter zu einem zivilen Airport ausgebaut. Der Flugplatz in der Nähe der Küstenstadt Pattaya wird damit drastisch umfunktioniert. Wo heute die Gäste aus der Volksrepublik China ihren Urlaub beginnen, starteten zur Zeit des Vietnamkrieges amerikanische B-52-Bomber, um Kommunisten in Indochina zu bombardieren.

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