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Weltgeschichte
Ein falsches Wort bedeutet Knast!

In wenigen Tagen wird Thailands König Bhumibol bestattet. Während das Volk trauert, geht die Junta immer härter gegen vermeintliche Majestätsbeleidigung vor. Ein neuer kurioser Fall sorgt für Aufsehen.
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BangkokEigentlich geht es hektisch in Bangkok zu. Ich wohne mitten in der Stadt, nicht weit von mir verläuft eine laute, mehrspurige Straße. Doch als ich Freitag auf meinem Balkon stand, war es so leise, dass ich die Hühner meines Nachbarn gackern hörte.

Die Hauptstadt ist in ruhiger Trauerstimmung: Andächtig feiern die Thais den einjährigen Todestag des hochgeschätzten Königs Bhumibols: Fast alle tragen schwarz oder weiß, in der Bahn erklingt Trauermusik und Partys sind erst einmal Tabu – das gilt auch für Touristen. Am 26. Oktober erreichen die Zeremonien mit der Einäscherung den Höhepunkt. Hunderttausende werden dafür in Bangkok erwartet.

Gleichzeitig ist in den vergangenen Monaten der Druck auf jene gestiegen, die die Monarchie angeblich zu wenig wertschätzen. Seit dem Militärputsch im Mai 2014 gab es doppelt so viele Ermittlungen wegen Majestätsbeleidigung wie in den zwölf Jahren zuvor, beklagen die Vereinten Nationen. Die Strafen werden dabei immer härter: Im Juni wurde ein Mann für 35 Jahre ins Gefängnis geschickt. Er soll die Monarchie auf Facebook beleidigt haben.

Jetzt sorgt ein weiterer Fall für Aufsehen: Gegen den prominenten Intellektuellen Sulak Sivaraksa läuft ein Verfahren, weil er die Geschichtsschreibung über eine historische Schlacht vor 400 Jahren in Frage stellte. Sulak bezweifelte, dass König Naresuan der Große den burmesischen Prinzen Mingyi Swa bei einem Zweikampf auf Elefanten besiegt hat. Im schlimmsten Fall drohen Sulak jetzt 15 Jahre Haft.

Sulak hat schon Erfahrungen, sich gegen den Vorwurf zu verteidigen. Bereits viermal wurde gegen ihn wegen Majestätsbeleidigung ermittelt. Bisher war er immer wieder davongekommen – was relativ ungewöhnlich ist. Sollte er tatsächlich verurteilt werden, wäre die internationale Kritik sicherlich groß. Denn schon zweimal wurde der Gelehrte für den Nobelpreis vorgeschlagen. Das Vorwort zu einem seiner Bücher hat der Dalai Lama geschrieben.

Andere Angeklagte erregen weniger Aufsehen. Erst in diesem Sommer wurde der junge Student Jatuphat Boonpattaraksa verurteilt. Ein Gericht schickte ihn für mehr als zwei Jahre ins Gefängnis, weil er einen thailändischen BBC-Artikel über den König auf Facebook geteilt hatte. Das hatten auch Tausende andere getan. Doch nur gegen Jatuphat wurde ermittelt. Kritiker sagen, weil der junge Aktivist schon mehrmals gegen die Militärregierung demonstriert hat.

Der Intellektuelle Sulak hatte sich noch für den Studenten eingesetzt. Am 7. Dezember muss er sich nun selbst vor einem Militärgericht verantworten. Vermutlich wird der neue König Vajiralongkorn dann schon offiziell gekrönt worden sein. Dass vermeintliche Majestätsbeleidigung künftig weniger scharf geahndet wird, ist erstmal nicht abzusehen.

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