Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Fremdenfeindlichkeit in den USA
Eine Frage der Rasse?

Die Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß sollten keine Rolle mehr spielen – doch sie bestimmen den Alltag in den USA. Rassismus, Polizeigewalt und Stereotype: Das Thema ist allgegenwärtig. Eine Weltgeschichte.
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New YorkNeulich sprach mich auf der Straße ein älterer, schwarzer Mann an. Mein erster Reflex war, ihn zu ignorieren. Dann habe ich gerade noch rechtzeitig gemerkt, dass er mich nach dem Weg fragte. Ich konnte ihm helfen, sein Ziel zu finden – viel mehr, mein Smartphone konnte ihm helfen.

Wieso war mein erster Reflex, den Mann zu ignorieren? Weil ich in Manhattan häufig von Leuten angesprochen werde, die um „Change“ bitten, also Kleingeld haben wollen. Manchmal gebe ich etwas, aber meistens nicht. Meistens bin ich genervt. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht jedem Bettler etwas geben kann, denn es gibt in New York eine Menge davon, gerade in meinem Viertel nahe dem Times Square, wo Armut und Reichtum sehr eng beieinander liegen. Deswegen neige ich dazu, sie zu ignorieren, ohne dass ich besonders stolz darauf wäre. Aber das ist nicht das eigentliche Thema.

Das Thema ist, dass einen mehr Männer als Frauen ansprechen und viel mehr schwarze als weiße Männer. Es gibt eben mehr Schwarze als Weiße mit Geldsorgen, ohne Job, vielleicht auch ohne Wohnung. Auf diese Weise prägt sich der Reflex ein: Schwarzer Mann spricht dich an – wahrscheinlich will er Geld. Ein übler Reflex. Bin ich deswegen ein Rassist? Das ist eine Frage der Definition.

Rasse, vor allem schwarze oder weiße Hautfarbe, spielt in den USA immer noch eine große Rolle – mehr als 200 Jahre, nachdem die Verfassung allen Bürger gleiche Rechte versprochen hat, rund 150 Jahre nach der Sklavenbefreiung, rund 50 Jahre nach dem Aufbruch der Bürgerrechtsbewegung. Es ist eine Art Tabu-Thema, man spricht nicht gerne offen darüber, aber zugleich wird in den Medien und der politischen Öffentlichkeit permanent, beinahe schon obsessiv darüber diskutiert.

Edith Cooper, die Personalchefin von Goldman Sachs, ermuntert ihre Leute ausdrücklich dazu, auch am Arbeitsplatz über Rassenprobleme zu sprechen. Sie hat Ende September in einem Beitrag auf Linkedin auch über ihre persönlichen Erfahrungen als schwarze Karriere-Frau berichtet: „Ich werde oft gefragt 'aus welchem Land kommen Sie' (ich bin in Brooklyn aufgewachsen). Man hat mich gefragt, ob ich tatsächlich in Harvard studiert habe (habe ich) und wie ich das geschafft habe (ich habe mich beworben). Man hat mich bei einem Treffen mit Kunden gebeten, den Kaffee zu bringen (obwohl ich das Meeting geleitet habe), und man hat mich in der Schule meines Sohns für die Garderobenfrau gehalten.“

Cooper hat trotzdem Karriere gemacht und damit den Traum ihrer Eltern erfüllt, die aus den Südstaaten nach New York, wie sie schreibt, „aus einem einzigen Grund gekommen waren: um ihre Kinder ohne den institutionalisierten Rassismus aufzuziehen, unter dem sie gelebt hatten“. Aber New York ist eben auch nicht farbenblind.

Kommentare zu " Fremdenfeindlichkeit in den USA: Eine Frage der Rasse?"

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  • Zoologie, sorry

  • Die Zoollogie kennt nur eine Rasse, die menschliche. Alle Versuche, die Menschen wissenschaftlich in Rassen zu unterscheiden, scheitern kläglich an den Fakten.
    Das Problem überall auf der Welt ist nicht eine ´Rasse´, sondern schlechtes Benehmen, schlechte Eltern, schlechte Erziehung, schlechte Ausbildung, schlechtes Umfeld, schlechte Arbeitsbedingungen, schlechtes Sozialverhalten.

  •  Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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