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Weltgeschichten
Freunde und Friends

Als ich vor über vier Jahren in die USA gegangen bin, sagte ein deutscher Freund zu mir: „In den USA gibt es doch keine Freunde, oder? Da gibt es nur ‚friends‘.“ Diesem Vorurteil bin ich auch bei Deutschen in den USA begegnet, oder zumindest der Klage darüber, Freundschaften mit Amerikanern seien oft sehr oberflächlich.
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New York CityAls ich vor über vier Jahren in die USA gegangen bin, sagte ein deutscher Freund zu mir: „In den USA gibt es doch keine Freunde, oder? Da gibt es doch nur ‚friends‘.“ Diesem Vorurteil bin ich auch bei Deutschen in den USA begegnet, oder zumindest der Klage darüber, Freundschaften mit Amerikanern seien oft sehr oberflächlich.

Ich kann das nicht bestätigen. Nach meiner Erfahrung gibt es in Amerika sehr gute und keineswegs oberflächliche Freundschaften. Aber richtig ist, dass Freundschaft in den USA etwas anders funktioniert. Hinzu kommt, dass die Worte „Freund“ und „friend“ ähnlich klingen, aber eine andere Bedeutung haben.

„Friends“ sind in Amerika häufig Leute, die wir als „Bekannte“ bezeichnen würden. Zumindest in der Generation, die noch kein amerikanisiertes Deutsch redet. Das ist so ähnlich, als wenn man im Deutschen von „Geschäftsfreunden“ oder „Parteifreunden“ spricht – also Leuten, die oft keine wirklichen Freunde sind. In den letzten Jahren sind die „Facebook-Freunde“ noch dazu gekommen, die ja manchmal sogar eher Unbekannte als Bekannte sind.

Amerikaner reden aber auch von „good friends“, „close friends“, „really good friends“, „true friends“, und so weiter. Und meinen damit echte Freundschaften, die in Amerika mindestens so wichtig sind wie in Deutschland. Auch zwischen Männern und Frauen, übrigens. Dabei gibt es nicht das Problem wie im Deutschen, dass befreundete Männer und Frauen betonen müssen, sie seien „nur“ Freunde, um klarzustellen, dass es keine Liebesbeziehung ist. Im Deutschen fehlt das direkte Äquivalent zu „boy friend“ und „girl friend“.

Ein anderer Punkt ist, dass der Weg zu einer echten Freundschaft in Amerika häufig etwas anders verläuft als in Deutschland, und das führt schnell zu Missverständnissen. Amerikaner sind in der Regel sehr höflich, sehr freundlich, das gehört einfach zu den Umgangsformen. Bei einer Party oder einem geschäftlichen Treffen plaudert man, macht Witze, versucht, sich von der besten Seite zu zeigen und dem anderen ein gutes Gefühl zu geben. Es ist selbst für einen Deutschen manchmal einfacher, in den USA mit jemandem ins Gespräch zu kommen als in Deutschland. Man steht nicht erst zehn Minuten nebeneinander und weiß, nicht was man sagen soll, sondern macht gleich netten Small Talk. Dazu kommt häufig eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft. New York ist so besehen eine offene Stadt, in der man sich sofort zu Hause fühlen kann.

Das alles ist sehr angenehm, vor allem, wenn man neu in dem Land ist. Dann sucht man nicht gleich dicke Freunde, sondern ist froh, überhaupt relativ schnell in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen. Das Missverständnis entsteht, wenn diese auf Freundlichkeit basierende Bekanntschaft gleich für eine Freundschaft gehalten wird. Dann kommt irgendwann die Enttäuschung: wenn man feststellt, dass der Amerikaner oder die Amerikanerin vielleicht doch kein tiefer gehendes Interesse hat.

Der Weg zu einer echten Freundschaft dauert länger – genauso wie in Deutschland. Man muss sich eine Weile kennen. Wichtig ist vor allem, sich für den anderen zu interessieren, zuzuhören, nachzufragen. Zur amerikanischen Höflichkeit gehört auch, den anderen nicht allzu sehr mit den eigenen Sorgen zu belasten. Der Amerikaner beschwert sich nicht fortwährend, dass die Welt ihn schlecht behandelt, sondern versteckt seinen Kummer häufig, lebt nicht mit der Einstellung, Anspruch auf Mitgefühl zu haben. Wer es dabei belässt, bleibt in der Phase der Höflichkeit hängen. Wer dagegen echtes Interesse zeigt, kann auch echte Freundschaften schließen. Viele Schauspieler oder Musiker, von denen es in New York Unzählige gibt, sind ganz gerührt, wenn man zu einer ihren kleinen Aufführungen kommt, statt in die Met oder in die Carnegie Hall zu gehen. Andere tauen plötzlich auf, wenn sie merken, dass man ihnen wirklich gerne und nicht nur aus Höflichkeit zuhört.

Kommentare zu " Weltgeschichten: Freunde und Friends"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    "Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
    Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

    es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel,Grande, Dirnberger,Trautmann....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    SPIEGEL

    Danke

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