Weltgesundheitsorganisation
Mugabe soll nun doch nicht WHO-Botschafter werden

Nach heftiger Kritik macht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Berufung von Simbabwes Präsident Robert Mugabe zum Sonderbotschafter für Afrika rückgängig. Für seinen Rückzieher erntet der WHO-Chef Lob.
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JohannesburgDie Weltgesundheitsorganisation hat die Ernennung des simbabwischen Langzeitpräsidenten Robert Mugabe zum „Botschafter des guten Willens“ nach anhaltender Kritik zurückgezogen. WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus teilte am Sonntag mit, er habe sich angesichts der Empörung und Bedenken etlicher internationaler Toppolitiker und Gesundheitsexperten zum Widerruf seiner Entscheidung entschlossen. Dies sei im besten Interesse der WHO geschehen.

Tedros hatte in dieser Woche in Uruguay bekanntgegeben, Mugabe zum „Botschafter des guten Willens“ für nicht übertragbare Krankheiten zu machen. Dafür hatte er viel Kritik geerntet. Kanadas Premierminister Justin Trudeau bezeichnete den Entschluss wie viele andere als absolut inakzeptabel. Trudeau sagte am Wochenende, sein erster Gedanke sei gewesen, dass es sich um einen „schlechten Aprilscherz“ handele.

Simbabwes politische Führung akzeptierte den Rückzug der WHO. Die Regierung respektiere die Entscheidung, sagte Außenminister Walter Mzembi dem staatlichen Fernsehsender ZBC. Die WHO habe immens von der ursprünglichen Entscheidung zur Benennung Mugabes profitiert, da sie weltweit für Aufsehen gesorgt habe. „Auf einer Skala der wiedererkennbaren Namen schlägt dieser Name alle, aber es ist unser Geschäft, seinen Markenwert vor unnötigem Beschmutzen zu schützen“, sagte der Minister. Deshalb sei es weiser, die Sache sein zu lassen.

Lob bekam Tedros für seinen Rückzieher von der britischen Wohltätigkeitsorganisation Wellcome Trust. Deren Direktor Jeremy Farrar erklärte, große Anführer ließen sich Zeit, um konstruktiv zu debattieren, zu reflektieren und schlechte Entscheidungen aufzuheben. Tedros verdiene deshalb alle Unterstützung seiner Organisation, um eine inklusive globale Gesundheitsbewegung aufzubauen. Über Mugabe hatte Farrar zuvor gesagt: „Robert Mugabe scheitert in jeder Art und Weise daran, die Werte zu repräsentieren, für die die WHO stehen sollte.“

Die Spitzen der UN-Behörden und der UN-Generalsekretär ernennen häufig prominente Persönlichkeiten zu Botschaftern, um damit die Aufmerksamkeit der Welt auf bestimmte Probleme zu richten. Schauspielerin Angelina Jolie ist beispielsweise UN-Flüchtlingssonderbotschafterin, Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai für das Thema Bildung eingespannt worden.

Die USA haben 2003 gezielte Sanktionen und ein Einreiseverbot gegen Mugabe und enge Vertraute verhängt, zudem wurde sein Vermögen in den Vereinigten Staaten eingefroren. Zur Begründung wurden Menschenrechtsverstöße und Hinweise auf Wahlbetrug genannt. Der 93-Jährige will bei der Präsidentenwahl im kommenden Jahr erneut antreten. Er ist seit 1980 an der Macht.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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