Welthandel
Brasilien schottet sich gegen die Krise ab

In der Weltwirtschaftskrise baut Brasilien eine Festung um seine Märkte. Für den südamerikanischen Riesen sind diese Maßnahmen überlebensnotwendig – aber schon mittelfristig bergen sie große Gefahren.
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Wohin will Brasilien in der kriselnden Weltwirtschaft? Die Frage stellen sich zunehmend mehr Staaten - nicht nur die Industrieländer, für die Brasilien als Rohstofflieferant, Absatzmarkt und Kreditgeber wichtig geworden ist. Auch die neuen Wachstumsländer wie Indonesien, Südkorea oder die Türkei beobachten genau, was sie von Brasilien kopieren könnten. Dabei besteht die Gefahr, dass Brasilien eine Lawine in Richtung Marktabschottung lostreten könnte. Denn betrachtet man die Entscheidungen Brasiliens der letzten Monate, dann kann man den Eindruck gewinnen: Dort soll eine Festung krisenfest gemacht werden.

Erst kritisiert Finanzminister Guido Mantega den "Währungskrieg" gegen Brasilien. Dabei würden Staaten wie Japan oder die USA durch Abwertung ihrer Währungen versuchen, ihre Probleme auf Kosten anderer Staaten wie Brasilien zu lösen. Dann folgten die zahlreichen Kapitalverkehrskontrollen und Steuern, um den Aufwertungsdruck des Reals zu mindern. Mit der Folge, dass die Regierung nun den weitgehend freien Geld- und Kapitalmarkt wieder kontrolliert. Dann kam die überraschende Zinssenkung, mit der Brasilien erstmals seit 15 Jahren Zweifel aufkommen lässt, ob es Wachstum auf Kosten der Geldstabilität schaffen will. Jetzt folgten die Importzölle für Pkw und andere Branchen.

Das klingt zusammen genommen ziemlich protektionistisch. Es erinnert auch in Brasilien an längst vergangene Zeiten: Als es für die Unternehmen wichtiger war, mit der Regierung Importzölle auszuhandeln, als konkurrenzfähig Autos zu produzieren. Als der Finanzminister den Haushalt mit einer hohen Inflation glattzog statt durch Sparmaßnahmen. Verschärfen ließe sich so ein Kurs problemlos: In Brasilien sind Forderungen nach "einer neuen Industriepolitik" weiterhin populär - in der Wirtschaft, in der Regierung und in der Gesellschaft. Daran haben auch eineinhalb Jahrzehnte erfolgreicher marktwirtschaftlicher Politik wenig geändert.
Wir sollten jedoch mit der Kritik vorsichtig sein: Heute wie früher stehen brasilianische Töchter deutscher Konzerne an der Spitze der Lobby, die für die Marktabschottung Brasiliens arbeitet, weil sie davon kräftig profitieren.

Trotzdem urteilt vorschnell, wer Brasilien schon auf dem Weg zurück zur geschlossenen Volkswirtschaft sieht. Die Maßnahmen machen nicht nur Sinn. Sie sind sogar überlebensnotwendig geworden für die brasilianische Wirtschaft.

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Die Abschottung könnte eine Welle des Protektionismus auslösen

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  • "Ich sitze hier in Rio de Janeiro und warte auf die nächste Hyperinflation."
    Ja, wenn man dasitzt und auf ein Ereignis wartet, dann übersieht man offensichtlich was in der Realität passiert.
    "und ich hab eihn schon drei mal mitgemacht." Und damit haben sie auch noch bestätigt dass sie offensichtlich schon lange dasitzen und warten. Ist ja nichts Schlimmes, wenn ein schon sehr betagter Rentner wartet, aber auf was denn?
    Das ist das Problem der deutschen Mentalität, sie sollten sich in anderen Ländern eigentlich nur zum Urlaub aufhalten und dann wieder dorthin zurück wo sie unter sich sind und mäkeln können, und abwarten bis ein "Führer" kommt und ihnen erklärt was sie zu tun haben. Dann aber los, mit Scheuklappen!
    Ich habe keine Lust mit jemanden zu diskutieren, der nicht im Wirtschaftsprozess steht und zu 100% dem Klische entspricht, das man von Deutschen meist zurecht im Ausland hat. Auch unterhalte ich mich nicht auf Stammtischniveau. Schönen Tag noch.

  • lowabras ist genau so blauäugig wie dei brasilianische Regierung. Er wohnt noch nicht lange genug in Brasilien und kennt deshalb die Mechanismen nicht. Wer drei Währungsreformen miterlebt hat weiß die Situation einzuschätzen. Und die kamen nicht, weil die brasilianischen Politiker intuitiv richtig handeln, sondern weil sie korrupt sind. Und daran hat sich nichts geändert.

  • Diesen Artikel hat offensichtlich ein schlechter Kenner der Szene verfasst. Ich sitze hier in Rio de Janeiro und warte auf die nächste Hyperinflation. Es ist immer der gleiche Weg, und ich hab eihn schon drei mal mitgemacht. Letztes Jahr hat die Regierung die Mindestlöhne indiziert, das heißt, diese wachsen automatisch mit der Inflation. Nun haben die großen Industrien die Regierung unter Druck gesetzt, weil sie ihre Löhne dadurch nicht mehr selbst bestimmen können. Die Regierung erhöht die Zölle, und die Autofirmen sofort die Preise. Und so weiter, und so weiter.

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