Welthandelsabkommen
Indien stößt Handelsrunde neu an

Die neue indische Regierung will den Ruf ihres Landes als Blockierer bei den Verhandlungen über ein neues Welthandelsabkommen loswerden. Deshalb hat sie zu einem Ministertreffen am 3. und 4. September in Neu Delhi eingeladen.

NEU DELHI. Die 33 geladenen Staaten und Wirtschaftsräume, darunter die führenden Handelsmächte USA, EU, China und Brasilien, sollen die festgefahrene Doha-Liberalisierungsrunde wieder flottmachen und den Grundstein für ihren Abschluss im kommenden Jahr legen.

Es sei die richtige Zeit für einen neuen Anlauf, sagte Indiens Handelsminister Anand Sharma. Die globale Rezession könne nicht durch Protektionismus und den Blick nach innen beendet werden, sondern nur durch intensiveren Handel. Bei der Welthandelsorganisation (WTO) wird Sharmas Vorstoß als Zeichen eines indischen Kurswechsels in der Handelspolitik gewertet. Der letzte Versuch, ein neues Welthandelsabkommen abzuschließen, war 2008 vor allem an einem erbitterten Streit zwischen Indien und den USA gescheitert. Seitdem sind die 2001 in Katars Hauptstadt Doha gestarteten Verhandlungen völlig zum Stillstand gekommen. Handelsexperten der EU registrieren deshalb mit Interesse, dass ausgerechnet Indien jetzt versucht, den Prozess wiederzubeleben. Das Ministertreffen sei sehr willkommen, sagte ein Vertreter der EU-Kommission in Brüssel, die für die europäischen Staaten am Verhandlungstisch sitzt.

Indien erhofft sich als Ergebnis des Handelsgipfels ein neues Bekenntnis aller WTO-Mitglieder, die Doha-Runde doch noch zum Erfolg zu führen. Ziel sei ein politisches Signal, konkrete Verhandlungen über die noch strittigen Details des Abkommens seien nicht geplant, sagte Handelsstaatssekretär Rahul Khullar. Ferner gehe es darum, zwischen den Verhandlungsführern, von denen viele neu im Amt seien, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Indiens vormaliger Handelsminister Kamal Nath hatte mit seinem eisenharten Verhandlungsstil bei vielen Ländern für Unmut gesorgt.

Trotz der neuen Töne aus Delhi haben die USA als einziges Land ihre Teilnahme an dem Gipfel bisher nicht zugesagt. Nach Angaben von Handelspolitikern fordern sie die Zusicherung, dass Indien keinen Block aus Entwicklungsländern schmiedet, der Washington an den Pranger stellt. Denn zu den Knackpunkten, an denen die Gespräche vergangenes Jahr gescheitert waren, gehörte das kompromisslose Pochen der USA auf Subventionen für ihre Baumwollfarmer. huh

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