Welthandelsgespräche
Thumann: Schwellenländer müssen sich bewegen

Die Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Industrie und der Vereinigung der Industrie- und Arbeitgeberverbände in Europa, Jürgen Thumann und Ernest-Antoine Seillière, verlangen ein größeres Entgegenkommen der Schwellenländer bei den Verhandlungen über ein neues Welthandelsabkommen. Die Wirtschaft habe "eine klare Zielvorstellung für die Runde.

HB DÜSSELDORF. "Unsere Ziele und unsere Unterstützung für die Doha-Runde sind klar. Aber wir werden keinen Blankoscheck unterschreiben, der jedes denkbare Ergebnis gutheißt", schreiben Thumann und Seillière in einem gemeinsamen Gastbeitrag im Handelsblatt. Die Gespräche der Welthandelsorganisation (WTO) gehen in diesen Tagen in eine entscheidende Phase.

Die Wirtschaft habe "eine klare Zielvorstellung für die Runde: ein faires Ergebnis, das der großen EU-Marktöffnung gerecht wird." Bislang, so stellen die beiden klar, hätten vor allem die Schwellenländer nicht ausreichend auf die Angebote der EU reagiert. Länder wie Brasilien, China, Indien seien bereits zu einigen der wichtigsten Exportnationen aufgestiegen oder hätten einen Wohlstand erreicht, der mit den ärmsten künftigen EU-Ländern vergleichbar sei. Dennoch nähmen sie für sich in Anspruch, ihre eigenen Märkte wie Entwicklungsländer zu schützen. "Wir müssen aber dort einen Trennstrich ziehen, wo es darum geht, den Schwellenländern zu viel Flexibilität zu bieten", kritisieren Thuman und Seillière.

Mit einer unverholenen Mahnung weisen die beiden Präsidenten auf das politische Gewicht der EU hin: "Größe spielt eine Rolle in Handelsverhandlungen, und die Europäische Union ist groß. Wir importieren jedes Jahr mehr als eine Billion Euro an Gütern. Das ist mehr als das Doppelte der Einfuhren Chinas und zehnmal so viel, wie Indien importiert."

Die europäische Wirtschaft verlange von den Schwellenländern nicht, "dass sie ihre Märkte so stark öffnen sollen, wie wir es unsererseits tun wollen, aber sie müssen schon im Gegenzug zu den neuen Möglichkeiten, die sie eingeräumt bekommen, eine wirkliche Marktöffnung unter Beweis stellen." Das gelte vor allem für Dienstleistungen: Hier müssten "wirkliche neue Geschäftsmöglichkeiten für Dienstleistungsunternehmen der EU geschaffen werden. Nur so kann der Zugang zu ihrem Markt von 450 Millionen Verbrauchern gerechtfertigt werden, den die EU bei Dienstleistungen, Industriegütern und Landwirtschaftsprodukten schaffen will."

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