Welthunger-Index 2017
Zwei Schritte vor, einer zurück

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Hauptursachen von Hunger: Schlechte Staatsführung und Kriege

Einen Fokus legt der diesjährige Bericht auf das Thema Ungleichheit, neben Kriegen und schlechter Staatsführung eine der Hauptursachen für Hunger. In Uganda etwa, das im Ländervergleich auf Platz 103 landet, zeigt sich: Hunger ist auch eine Frage des Geschlechts. So sind rund 37 Prozent der ugandischen Jungen wachstumsverzögert, bei den Mädchen sind es etwa 29 Prozent. Noch größer ist die Schere zwischen armen und reichen Familien – nämlich fast 15 Prozent.

Die Welthungerhilfe-Präsidentin Dieckmann kommentierte: „Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber in Ländern mit großer Ungleichheit haben wir auch großen Hunger.“ Eine große Rolle spiele dabei auch der Unterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung: „Drei von vier Hungernden leben in ländlichen Gebieten.“ Um die Differenzen auszugleichen, brauche es flächendeckend soziale Sicherungssysteme und gerechte Steuersysteme. „Sonst lässt sich das UN-Ziel ‚Zero Hunger‘ bis 2030 nicht erreichen.“

In einer Studie des Welternährungsprogramms (WFP) vom Juni 2017 gilt Hunger als Hauptursache für Fluchtbewegungen. Demnach korreliert die Zahl der von Hunger bedrohten Menschen mit der Zahl der weltweiten Flüchtlinge: Steigt erstere um einen Prozent, steigt die zweite sogar um 1,9 Prozent.

„Schon vor fünf Jahren haben wir gewarnt: Wenn in der Hungerbekämpfung in Afrika nichts passiert, werden die Menschen sich auf den Weg hierher machen“, sagte Dieckmann. „Wir brauchen für viele Krisenregionen wie etwa Syrien oder Jemen politische Lösungen.“ Ein konkretes Rezept dafür habe sie zwar nicht. „Aber es ist wichtig, dass wir diesen Appell immer wieder wiederholen.“ Das gelte auch für Länder wie die Zentralafrikanische Republik, deren politische Situation „uns gerade nicht auf den Nägeln brennt“, so Dieckmann.

Eine Rolle spiele auch der Klimawandel, der in den kommenden Jahren vermehrt zu extremen Wetterereignissen wie Dürren, Hurrikans oder Überschwemmungen führen könnte. Die Welthungerhilfe-Präsidentin forderte daher die Staatschefs vor der Bonner UN-Klimakonferenz im November auf, die Klimaziele des Pariser Abkommens einzuhalten. „Wenn eine wichtige Staatsmacht aus dem Abkommen aussteigt“, so Dieckmann mit Blick auf die USA, „dann müssen die anderen Länder umso mehr tun, um die Klimaziele zu erreichen.“

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Kevin Knitterscheidt
Kevin Knitterscheidt
Handelsblatt / Volontär

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