Welthunger-Index 2017 Zwei Schritte vor, einer zurück

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Hauptursachen von Hunger: Schlechte Staatsführung und Kriege
Wo der Kampf gegen Hunger erfolgreich ist – und wo nicht
Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück
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Die Zahl der Hunger leidenden Menschen nimmt erstmals seit zehn Jahren wieder zu. Laut der Welternährungsorganisation FAO stieg sie auf 815 Millionen im Vergleich zu 777 Millionen im Vorjahr. Als Ursache sieht die nichtstaatliche Welthungerhilfe, die jährlich den Welthunger-Index (WHI) berechnet, vor allem kriegerische Auseinandersetzungen. Fortschritte gibt es dabei zwar in einigen Ländern, andere allerdings kommen seit Jahrzehnten nicht vom Fleck. Im Folgenden werden die größten Erfolge und Misserfolge im Kampf gegen den Hunger nach Ländern dargestellt, basierend auf der Entwicklung der WHI-Werte zwischen dem Jahr 2000 und heute.

Kein Fortschritt: Zentralafrikanische Republik
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In der Zentralafrikanischen Republik toben seit Jahren religiöse Konflikte zwischen der christlichen Mehrheit und der muslimischen Minderheit. Das Land zählt zu den ärmsten der Welt.

WHI im Jahr 2000: 50,9
WHI im Jahr 2017: 50,9
Veränderung: keine

Kaum Fortschritt: Sri Lanka
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Im Mai 2009 endete in Sri Lanka der seit 1983 andauernde Bürgerkrieg, in dem tamilische Separatisten einen eigenen Staat forderten. Die Zahl der Opfer wird auf bis zu 100.000 geschätzt.

WHI im Jahr 2000: 26,8
WHI im Jahr 2017: 25,5
Veränderung: minus 1,3

Kaum Fortschritt: Madagaskar
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Immer wieder wird die afrikanische Insel Madagaskar von Ausbrüchen der Pest heimgesucht. Die Lebenserwartung der Bevölkerung liegt bei 67,4 Jahren für Frauen und 64,3 Jahren für Männer.

WHI im Jahr 2000: 43,6
WHI im Jahr 2017: 38,3
Veränderung: minus 5,3

Kaum Fortschritt: Irak
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Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ gilt als weitgehend geschlagen, doch wurden durch die jahrelangen Kämpfe im Irak weite Teile des Landes völlig zerstört.

WHI im Jahr 2000: 26,5
WHI im Jahr 2017: 22,9
Veränderung: minus 3,6

Kaum Fortschritte: Indonesien
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Der Inselstaat Indonesien wird regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht: Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis sorgen immer wieder für Tausende Todesopfer.

WHI im Jahr 2000: 25,5
WHI im Jahr 2017: 22,0
Veränderung: minus 3,5

Große Fortschritte: Mongolei
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Auch in der Mongolei sind Naturkatastrophen häufig. Der Binnenstaat liegt in einem seismisch sehr aktiven Gebiet, es kommt regelmäßig zu Erdbeben. Dennoch machte der Kampf gegen Hunger hier große Fortschritte.

WHI im Jahr 2000: 31,7
WHI im Jahr 2017: 13,4
Veränderung: minus 18,3

Einen Fokus legt der diesjährige Bericht auf das Thema Ungleichheit, neben Kriegen und schlechter Staatsführung eine der Hauptursachen für Hunger. In Uganda etwa, das im Ländervergleich auf Platz 103 landet, zeigt sich: Hunger ist auch eine Frage des Geschlechts. So sind rund 37 Prozent der ugandischen Jungen wachstumsverzögert, bei den Mädchen sind es etwa 29 Prozent. Noch größer ist die Schere zwischen armen und reichen Familien – nämlich fast 15 Prozent.

Die Welthungerhilfe-Präsidentin Dieckmann kommentierte: „Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber in Ländern mit großer Ungleichheit haben wir auch großen Hunger.“ Eine große Rolle spiele dabei auch der Unterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung: „Drei von vier Hungernden leben in ländlichen Gebieten.“ Um die Differenzen auszugleichen, brauche es flächendeckend soziale Sicherungssysteme und gerechte Steuersysteme. „Sonst lässt sich das UN-Ziel ‚Zero Hunger‘ bis 2030 nicht erreichen.“

In einer Studie des Welternährungsprogramms (WFP) vom Juni 2017 gilt Hunger als Hauptursache für Fluchtbewegungen. Demnach korreliert die Zahl der von Hunger bedrohten Menschen mit der Zahl der weltweiten Flüchtlinge: Steigt erstere um einen Prozent, steigt die zweite sogar um 1,9 Prozent.

„Schon vor fünf Jahren haben wir gewarnt: Wenn in der Hungerbekämpfung in Afrika nichts passiert, werden die Menschen sich auf den Weg hierher machen“, sagte Dieckmann. „Wir brauchen für viele Krisenregionen wie etwa Syrien oder Jemen politische Lösungen.“ Ein konkretes Rezept dafür habe sie zwar nicht. „Aber es ist wichtig, dass wir diesen Appell immer wieder wiederholen.“ Das gelte auch für Länder wie die Zentralafrikanische Republik, deren politische Situation „uns gerade nicht auf den Nägeln brennt“, so Dieckmann.

Eine Rolle spiele auch der Klimawandel, der in den kommenden Jahren vermehrt zu extremen Wetterereignissen wie Dürren, Hurrikans oder Überschwemmungen führen könnte. Die Welthungerhilfe-Präsidentin forderte daher die Staatschefs vor der Bonner UN-Klimakonferenz im November auf, die Klimaziele des Pariser Abkommens einzuhalten. „Wenn eine wichtige Staatsmacht aus dem Abkommen aussteigt“, so Dieckmann mit Blick auf die USA, „dann müssen die anderen Länder umso mehr tun, um die Klimaziele zu erreichen.“

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