Welthungerindex
Warum niemand hungern müsste

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Mit unserem Hunger auf Fleisch nähren wir den Welthunger

Wir essen zu viel Fleisch. Noch so eine einfache Wahrheit. Komplizierter wird es, wenn es darum geht, warum – so die immer noch gern gewählte elterliche Argumentation – ein Kind im Sudan satt werden sollte, wenn hierzulande eine Bockwurst auf dem Teller bleibt.

Die Industrienationen fördern mit ihrem Hunger, besonders auf Fleisch, den weltweiten Hunger. Denn die Fleischproduktion ist teuer und verbraucht viele Ressourcen, die an anderer Ecke fehlen. So kostet die Produktion eines Steaks schon allein 10.000 Liter Wasser – und das nasse Element ist in vielen Zonen der Erde, etwa dem Nahen Osten bereits Auslöser von Konflikten. Fachleute nennen das Fußabdruck, in diesem Fall den Wasserfußabdruck, eines Nahrungsmittels.

Der Einfluss auf den Hunger ist also indirekt: über die erhöhten Preise und den Verbrauch von knappem Land und Wasser. „Langfristig wirkt sich das auch auf Degradation von Land und Verlusten an Ökosystemen in der Welt aus“, sagt von Braun.

Außerdem wird in den Industrienationen zu viel weggeworfen. Nach einer Studie des Instituts für Siedlungswasserbau, Wassergüter- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart wirft jeder Deutsche 82 Kilogramm Lebensmittel jährlich weg, Die industrielle Verschwendung mitgerechnet sind das insgesamt elf Millionen Tonnen.

Doch auch für den Endverbraucher in den Industrienationen gibt es keine einfachen Wahrheiten, wie er im Kleinen mithelfen kann im Kampf gegen den Hunger. Der Kauf von ausschließlich regionalen Produkten schädigt die lokalen Märkte, etwa in Afrika.

Kauft er Produkte von dort, heißt teuer nicht unbedingt, dass „der Sozialindikator miteingepreist ist“, sagt Ernährungsökonom Wesseler. Das heißt, trotz hoher Preise könnten die Arbeiter ausgebeutet und ihnen Hungerlöhne gezahlt werden. „Sie kommen nicht drum herum, sich zu informieren, welche Produkte dabei helfen können“, sagt Wesseler. Also diesmal keine einfache Wahrheit.

Kommentare zu " Welthungerindex: Warum niemand hungern müsste"

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  • Das ist zwar grundsätzlich richtig, aber die von Ihnen erwarteten Konsequenzen werden m.E. ausbleiben.

    Weshalb?
    Lesen Sie einmal unter den Stichwörtern: "kalte Fusion" oder "LENR" nach. M.E. wäre die aufsichtsrechtliche Genehimigung dieser Kleinstgeneratoren schon genehmigt, wüsste man, wie man den privaten Stromkunden die EEG-Umlage und den noch zu erwartenden Unsinn anders ans Bein heften könnte.

    Man kann ja von Börsenkursen galten was man will. Aber die Aktienhändler reflektieren dies schon bei den Versorgerpapieren.

  • Absolut richtig. Schuld sind vor allem die Kirchen...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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