Weltklimabericht
EU-Kommission warnt vor Kohlekraftwerken

Nach der Vorstellung des dritten Weltklimaberichts hat die EU-Kommission eindringlich vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke in Deutschland gewarnt.

HB BERLIN/NEW YORK. „Braunkohle ist, was die Treibhausgase angeht, die ungünstigste Wahl“, sagte EU- Umweltkommissar Stavros Dimas der „Bild am Sonntag“. „Wer heute noch neue Kohlekraftwerke baut, muss sich im Klaren sein, dass eine solche Politik uns alle langfristig teuer zu stehen kommt.“ UN- Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Weltgemeinschaft zu einem raschen und koordinierten Handeln auf.

In Deutschland sollen nach Plänen der Energiekonzerne in den kommenden Jahren mindestens 26 neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen. Dimas forderte die Bundesrepublik zu besonderen Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung auf. Als Wirtschaftsmacht sollte Deutschland „auch beim Klimaschutz seine Führungsrolle noch weiter ausbauen“, sagte der griechische Kommissar. Ban ließ am Freitag durch eine Sprecherin in New York erklären, der UN-Bericht bestätige, dass es in allen Lebensbereichen Möglichkeiten zu einer Entschärfung der Lage gebe. „Dringend nötig ist aber ein entschiedeneres Vorgehen der Regierungen und des privaten Sektors“, sagte er. Bei der UN-Klimakonferenz im Dezember im Bali müsse dringend ein umfassendes Maßnahmenpaket für eine Trendwende auf den Weg gebracht werden.

Ein weltweites Umsteuern in der Energiepolitik ist auch nach Auffassung des Kieler Wissenschaftlers Prof. Mojib Latif die Voraussetzung für die Vermeidung einer Klimakatastrophe. „Wenn wir die Entwicklung weg von den fossilen hin zu erneuerbaren Energien nicht bis 2030 schaffen, ist das Klimaproblem nicht mehr lösbar“, sagte er den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“ (Samstag). Nach Angaben des Klimaforschers ist seit 1970 der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen um 70 Prozent gestiegen, der energiebedingte Anteil daran jedoch um 145 Prozent. „Deshalb liegt in der Energiewirtschaft der Schlüssel für den Klimaschutz.“ Atomenergie werde in Zukunft nicht mehr als eine „Übergangstechnologie“ sein, sagte Latif. Der Verkehrsforscher Helmut Holzapfel warnte in der Klimadebatte vor Illusionen. Das häufig propagierte Drei-Liter-Auto beispielsweise bedeute in Anbetracht einer möglichen Verdreifachung der weltweit zugelassenen Autos bis 2050 keine Lösung, sagte Holzapfel der „Frankfurter Rundschau“.

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