Weltklimagipfel
DGB fordert „gerechten Strukturwandel“

Vor dem Klimagipfel in Paris fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Energiewende gerecht zu gestalten. Klimaschutz dürfe nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen. Nach dem Gipfel drohen harte Auseinandersetzungen.

BerlinVor Beginn des Weltklimagipfels in Paris fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), „Beschäftigung und die Entwicklung hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft miteinander in Einklang“ zu bringen. „Klimaschutz darf nicht zu einseitiger Belastung der Beschäftigen und zum unkontrollierten Abbau von Beschäftigung führen“, heißt es in einem Resolutionspapier des DGB, das dem Handelsblatt vorliegt.

„Dort, wo Arbeitsplätze wegfallen, müssen verbindliche Übergangsstrategien vereinbart werden“, heißt es weiter. Nur auf diese Art entstehe Akzeptanz und es bestehe die große Chance, den Wandel gemeinsam erfolgreich zu meistern.

Mittelfristig betroffen werden vor allem die deutschen Braunkohle-Abbaugebiete sein. Vor allem in der strukturschwachen Lausitz drohen harte Auseinandersetzungen. Nach der Rückkehr von der Klimakonferenz in Paris wolle sie sich dem Thema zuwenden, kündigte jetzt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) an.

Die Koalition müsse klären, „wie wir den Ausstieg aus der Kohle hinbekommen“. Ziel sei ein Ausstiegspfad über die nächsten 20 bis 25 Jahre, der den betroffenen Regionen – neben der Lausitz vor allem das Rheinland – Planungssicherheit gebe. „Das kann man gestalten.“

Dass die Erderwärmung auf möglichst zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden muss, daran hat der DGB indes keinerlei Zweifel. „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, sagte Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied, dem Handelsblatt.

Dafür sei weltweit eine schrittweise Dekarbonisierung der Wirtschaft notwendig, also eine Abkehr von fossilen Energien, genauso wie Innovationen und Investitionen in neue Technologien für mehr Energieeffizienz. Der Strukturwandel sei notwendig, nur so, meint Körzell, gebe es Chancen für nachhaltigen Wohlstand.

Der DGB will dafür sorgen, dass dieser Wandel sozial gerecht für die Beschäftigten abläuft. Die Qualität der Arbeitsplätze in vielen der neuen grünen Branchen sei vielfach noch weit von dem entfernt, was Gewerkschaften unter guter Arbeit verstünden, heißt es im Resolutionspapier.

Im Gegenteil: Schlechte Lohn- und Arbeitsbedingungen, fehlende soziale Absicherung und die Ausgrenzung von Gewerkschaften sind in den neuen, grünen Wirtschaftszweigen leider keine Seltenheit, so die Gewerkschaft. Um die Beschäftigten bei der Transformation mitzunehmen, müssten die neuen Arbeitsplätze auch gute Arbeitsplätze werden.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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