Weltklimakonferenz
Kein Grund zur Selbstzufriedenheit

Die Wunschliste der Weltklimakonferenz ist lang: Höhere Ziele für Europa, eine Wende bei Landwirtschaft und Verkehr. Während die globalen CO2-Emissionen 2017 wieder steigen, beginnt die heikle Phase.
  • 12

BerlinAuch in diesem Jahr wird der weltweite Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wieder steigen. Das ist die ernüchternde Nachricht, mit der die Weltklimakonferenz in die zweite und entscheidende Woche startet. Neue Berechnungen des globalen Forschungsverbundes „Global Carbon Project“ (GCP) zeigen ein Plus von zwei Prozent des globalen CO2-Ausstoßes. Dieser Anstieg macht deutlich, dass der Höchststand an Emissionen noch immer nicht erreicht ist. In den vergangenen drei Jahren hatten die Forscher eine Stagnation der Emissionen verzeichnet und als mögliches Zeichen einer Trendwende gedeutet.

Bis Ende des Jahres werden die weltweiten CO2-Emissionen etwa 41 Gigatonnen betragen. Bei diesem Rekordwert, heißt es mahnend bei GCP, sei das globale Kohlenstoffbudget innerhalb von 20 bis 30 Jahren aufgebraucht. Danach werde eine Temperaturbegrenzung auf unter zwei Grad nicht mehr zu erreichen sein. Vor zwei Jahren war auf der Weltklimakonferenz in Paris vereinbart worden, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzen zu wollen, besser auf 1,5 Grad. Im Moment befindet sich die Weltgemeinschaft aber eher auf einem Drei-Grad-Kurs.

Die Emissionen erhöhten sich wieder, obwohl der Einsatz erneuerbarer Energien in den vergangenen fünf Jahren weltweit um jährlich 14 Prozent gestiegen ist. Zwar sanken die Emissionen im Kohlebereich, die aus der Verbrennung von Öl und Gas stiegen aber dafür. Der Ländervergleich zeigt für 2017 steigende Emissionen in China (+ 3,5 Prozent) und Indien (+ 2 Prozent) sowie sinkende Werte für die USA (- 0,4 Prozent) und Europa (- 0,2 Prozent). Das ist indes zu langsam, um eine Trendwende zu erreichen.

1990 verursachten Industrieländer rund 60 Prozent der globalen Emissionen, heute ist es nur noch etwa ein Drittel. Schwellen- und Entwicklungsländer werden die neuen Klimasünder. Bereits 2030 werden sie für rund drei Viertel der globalen Emissionen verantwortlich sein. China allein steht beispielsweise heute schon für 28 Prozent der globalen Emissionen.

Im Zeitraum von 2014 bis 2016 waren die Emissionen weitgehend stabil geblieben – und das trotz eines weltweiten Wirtschaftswachstums. Vor allem die verringerte Kohlenutzung, eine verbesserte Energieeffizienz sowie ein Boom bei den erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie hätten maßgeblich dazu beigetragen. Als besonders erfreulich galt Experten vor allem die Entkopplung des Emissionsaufkommens vom Wachstum des Bruttoinlandprodukts. Das zeige, dass Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig zu einer Zunahme des Kohlendioxidausstoßes führen muss. Einige Experten hatten gehofft, dass der Höchststand der Emissionen vielleicht schon erreicht sei.

Auch für 2018 rechnen die Experten insgesamt mit einem Anstieg der Emissionen. „Verschiedene Faktoren deuten auf einen fortschreitenden Anstieg 2018“, sagte Robert Jackson von der Stanford University. „Das ist ein echter Anlass zur Sorge.“ Dabei nennen die Fachleute vor allem die Vorhersagen der Weltbank zum Wirtschaftswachstum: Die Finanzexperten sagen global einen Anstieg von 2,9 Prozent für 2018 vorher – den höchsten Wert seit 2011. Die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds liegen sogar noch höher.

In der jetzt beginnenden zweiten Woche der Klimakonferenz in Bonn, steigen die Erwartungen an die Bundeskanzlerin, Stellung zur klimapolitischen Situation in Deutschland zu beziehen – vor allem zum umstrittenen Kohleausstieg. Angela Merkel (CDU), bislang noch mit schwierigen Sondierungsgesprächen mit FDP und Grünen beschäftigt, wird am Mittwochnachmittag in Bonn erwartet. Merkel müsse den Kohleausstieg vor 2030 ankündigen, forderte der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Die Bundesregierung stehe als Ausrichter der Konferenz mehr denn je in der Pflicht, beim Klimaschutz endlich zu handeln. Eine glaubwürdige Klimaschutzpolitik beginne im eigenen Land.

Seite 1:

Kein Grund zur Selbstzufriedenheit

Seite 2:

Wo sich Angela Merkel selbstkritisch gibt

Kommentare zu " Weltklimakonferenz: Kein Grund zur Selbstzufriedenheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich sehe die Leute sich eher vor der Natur schützen .
    Kleidung , Heizung , Klimaanlagen !
    Eine kalte Nacht , kann unser gesamtes Verkehrssystem zum Stillstand bringen.
    Das ist Klimawandel den ich jetzt jeden Morgen unangenehm spüre und deswegen wieder bis März. 18 in wärmere Gefilde ausweiche !

  • Hallo Herr Klahrin, ich denke sie vermischen Umweltschutz und Klimaschwindel. Ersterer ist ein Vorteil für die Menschen wenn dieser verantwortungsvoll betrieben wird, letzterer ist eine sehr destruktive Religion.

    Zur Information..

    - Die Venus kreist zig - Millionen Km näher um die Sonne als die Erde, hat eine völlig andere Atmosphäre und kein Wasser das die Oberflächentemperatur der Erde bestimmt.
    - Der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre liegt bei ca. 21%...210.000ppm, CO2 ist ein Spurengas das mit etwa 400ppm in der Atmosphäre vertreten ist. Eine Verdoppelung des CO2 Gehalts hätte keine Auswirkung auf den Sauerstoffgehalt.
    - Den CO2 Gehalt in der Luft kann man seit 200 Jahren recht genau messen. Dieser schwankt regional, jahreszeitabhängig und auch mit dem EL NINO Effekt.

  • Ziemlich einseitg die Kommentare hier....
    Vielleicht hat man das ja auf der Venus auch irgendwann mal gesagt....
    Also der, der wirklich behaupten will, dass viel CO2 in der Atmosphäre völlig unschädlich und egal ist und erst recht nicht zu einem Klimawandel beiträgt, der sägt am Ast auf dem er sitzt. Wenn man schon nicht an den Klimwandel glaubt, dann sollte man doch zumindest zur Kenntnis nehmen, dass wir neben steigenden CO2 auch fallende Sauerstoffwerte haben. Denn Regenwälder werden gerodet... Der Natur schaden die Schadstoffe in der Luft und man muß nur mal in China die Gesundheitsstatistiken anschauen in den tollen boomenden Smog-Städten. Wir schaden uns allen selbst damit. Und wenn das kein Grund für Naturschutz und Luftreinhaltung ist, dann weiss ich auch nicht. Klar ist es schwer, fair zu messen und zu bewerten...da rechnen sich viele schön. Aber wo soll man den anfangen? Das konnte mir alternativ noch kein Meckerer beantworten. Und...es gibt ja mittlerweile Satelliten, die CO2 gehalt und O2 gehalt und viele weitere Luftbestandteile zuverlässig messen...soviel dazu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%