Weltklimakonferenz
Minister Altmaier dämpft Erwartungen

Kein guter Start für die Klimakonferenz: Zu Beginn gab es viele Appelle, aber wenig Grund zur Hoffnung. Der Tagungsort Katar wird wegen des hohen CO2-Ausstoßes kritisiert. In zentralen Fragen ist keine Einigung in Sicht.
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Doha/BerlinMit einem Appell an die Staatengemeinschaft zu mehr Verantwortung und Kompromissbereitschaft angesichts der rapide ansteigenden Erderwärmung hat am Montag in Doha die Welt-Klimakonferenz begonnen. Es werde eine Vereinbarung benötigt, der sich alle verpflichtet fühlten und die wissenschaftlichen Erkenntnissen genüge tue, sagte die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, zum Auftakt des zweiwöchigen Treffens in Doha. In Katar gebe es die Chance, eine sichere und bessere Zukunft für alle Länder auf den Weg zu bringen, sagte sie. Kritik kam am Tagungsort auf: Das Emirat Katar weist weltweit den höchsten Ausstoß an Klimagasen pro Kopf auf.

Die rund 190 Staaten wollen einen Weltklimavertrag vorbereiten, der 2015 beschlossen und 2020 in Kraft treten soll. Allerdings liegen Industriestaaten sowie Schwellen- und Entwicklungsländer in allen zentralen Fragen weit auseinander. Ziel der Staatengemeinschaft ist, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dies gilt als gerade noch beherrschbar. Die erste Woche der Konferenz ist vor allem Umweltgruppen vorbehalten. In der zweiten Woche reisen die zuständigen Minister zur Konferenz an.

Umweltschützer kritisierten die Wahl des Tagungsortes. Katar habe nicht gezeigt, dass es den Klimawandel erst nehme, sagte Wael Hmaidan von Climate Action Network der Nachrichtenagentur Reuters. Der ehemalige Öl-Minister und Gastgeber des Treffens, Abdullah bin Hamad al-Attijah, wies die Kritik zurück. Der CO2-Ausstoß seines Landes gehe überwiegend auf den Energie-Sektor zurück, sagte er. "Ich halte nichts von dem Pro-Kopf-Ausstoß als Maßstab. Er wird meiner Meinung nach berechnet, um die kleinen Staaten als die Bösewichte darzustellen." Katar ist der weltgrößte Exporteur von flüssigem Erdgas und hat sich bislang keine konkreten Klima-Ziele auferlegt.

Bundesumweltminister Peter Altmaier mahnte, nicht zu viel von dem Treffen zu erwarten. "Ich glaube, es ist besser, wenn man die Erwartungen realistisch einschätzt", sagte der CDU-Politiker dem SWR. Die USA hätten gerade eine Wahl hinter sich, die Chinesen einen Regierungswechsel. "Ich kann nicht abschätzen, inwieweit zwei der wichtigsten Länder handlungsfähig sind." Er hoffe, dass wenigstens ein Fahrplan für die nächsten drei Jahre verabschiedet werde. China und die USA sind weltweit die größten Treibhausgas-Produzenten.

Deutschland müsse weiter Vorreiter beim Klimaschutz bleiben, betonte Altmaier. "Das hat moralischen, aber auch wirtschaftlichen Druck auf andere Länder ausgeübt." Der Minister setzte sich auch erneut für eine Reform des Handels mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten in der EU ein, der derzeit nicht funktioniere. In diesem Punkt trifft er aber ebenso auf Widerstand im Wirtschaftsministerium wie in der Frage einer Erhöhung des EU-Klimaziels.

Die Grünen warfen der Regierung daher vor, Deutschland sei kein Treiber, sondern ein Bremser beim Klimaschutz. "Mit Schwarz-Gelb ist nicht nur kein Staat, sondern auch keine verantwortliche Klimapolitik zu machen", sagte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck und beantragte eine aktuelle Stunde des Bundestages zur Klimakonferenz. Auch die Linken im Bundestag appellierten an die Regierung, Deutschland müsse sich bewegen, um den Weg zu einem Erfolg in Doha zu ebnen.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wann hört endlich diese Verarschung auf? Klimakiller nennt den Namen Al Gore. Dieser Mann verfügt über die kriminelle Energie eines Al Capone und setzt die auch zu seinem Vorteil um.

  • Rapide ansteigende Klimaerwärmung? Entschuldigung, aber in den letzten 2 Wintern war es hier in Kiel um längen kälter als zuvor.

    Und wenn ich dann lesen muss, das zu diesem Klimagipfel 20.000 Wichtigtuer aus aller Welt eingeflogen wurden... eine Videokonferenz ist deutlich umweltfreundlicher. Ja, okay, das Fresschen und die Unterbringung ist vermutlich weniger luxuriös.... aber das interessiert den gemeinen Bürger nicht!

  • Ich kann das Wort "Klimawandel" nicht mehr hören. Damit spreche ich vielen Bürgern aus dem Herzen. Ich kann auch das Wort "Euro-Krise" nicht mehr hören. Auch die Themen "Syrien" und "Ägypten" stehen einem bis zum Halse. Alles wird noch getoppt vom Thema "Betreuungsgeld" und und und.

    Fazit: Gehen wir Shoppen, denn Weihnachten naht, die Weihnachtsmärkte öffnen, drum laßt uns Spaß haben.

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