Weltmachtpläne
Medwedjew liest Russlands Wirtschaft die Leviten

Russland will wieder eine Weltmacht werden. Dieses Ziel gab Präsident Dmitrij Medwedjew bei seiner zweiten Rede an die Nation im Kreml aus. Kurzfristig wird das aber wohl kaum erreichbar sein. Denn zunächst muss das Land, wie Medwedew sagte, seine "chronische Rückständigkeit" überwinden und "grundlegend modernisiert" werden.
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HB MOSKAU. Russland muss nach Worten von Staatspräsident Dmitri Medwedjew seine Abhängigkeit von Rohstoffexporten überwinden und neue Industriezweige erschließen. Bislang stütze sich das Land noch immer auf veraltete Industrien aus Zeiten der Sowjetunion und beziehe den größten Teil seiner Einnahmen aus der Ausfuhr von Rohstoffen und Energie, sagte Medwedjew am Donnerstag in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation im Kreml. „Wohlstand und Prestige der Nation können nicht für immer von vergangenen Erfolgen zehren.“

Die Abhängigkeit von Rohstoffen und die zuletzt hohen Weltmarktpreise für Energieträger hätten eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung behindert, sagte Medwedjew. „Wir können nicht mehr länger warten.“ Der Präsident forderte eine verstärkte wirtschaftliche Diversifikation und Investitionen in moderne Technologien, die Forschung zur Weiterentwicklung der Kernkraft sowie der Raumfahrt. Es bedürfe einer grundlegenden Modernisierung der industriellen Basis des Landes, mahnte Medwedjew. „Davon wird das Überleben unseres Landes abhängen.“

Die globale Wirtschaftskrise habe Russland schwerer getroffen als andere Staaten, sagte Medwedjew. Anders als Ministerpräsident Wladimir Putin wies er aber den USA keine Schuld daran zu. „Wir sollten nicht im Ausland nach Schuldigen suchen. Wir haben nicht genug getan“, sagte der Präsident. Auch in Bezug auf den staatlichen Anteil am Wirtschaftsgeschehen distanzierte sich Medwedjew indirekt von seinem Vorgänger und forderte einen Rückzug des Staates.

Große öffentliche Unternehmen hätten langfristig keine Zukunft und sollten aufgelöst oder privatisiert werden, forderte der Präsident. Zudem sollen sich die bestehenden Staatskonzerne laut Medwedjew künftig unabhängigen Buchprüfungen unterziehen müssen, um effizienter zu werden. Der Anteil des Staates am russischen Wirtschaftsgeschehen beträgt derzeit rund 40 Prozent.

Medwedjew forderte auch einen „offenen Wettbewerb“ der Ideen und Meinungen im Land. Er versprach, Nichtregierungsorganisationen zu unterstützen, vermied in diesem Zusammenhang jedoch Kritik an dem von Putin geschaffenen System starker politischer Kontrolle der Zivilgesellschaft.

Kommentare zu " Weltmachtpläne: Medwedjew liest Russlands Wirtschaft die Leviten"

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  • @Tom
    Aber was hat der "Ottonormal-Russe" davon?

    Schöne Worte Herr Medwedew aber die hören wir seit Jahren.

  • die weltmachtspläne russlands sind längst realität,große teile europas hängen an dessen rohstofftropf.die abhängigkeit dieser länder sind zur durchstzung politischer pläne russlands von vorteil.

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