Weltmärkte
China kämpft um mehr Einfluss

Ob mit Computerspionage, Hackerangriffen oder knappen Rohstoffen – China kämpft mit allen Mitteln um einen besseren Platz auf den Weltmärkten. Mit den Exportkontrollen der Seltenen Erden nimmt das Reich der Mitte auch wirtschaftliche Nachteile für westliche Unternehmen in Kauf.
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BERLIN/PEKING. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes entfiel mehr als die Hälfte der identifizierbaren Hackerangriffe in diesem Jahr auf „staatliche Stellen in China“, teilte das Bundesinnenministerium mit. Auch bei Wirtschaftsspionage steht das Reich der Mitte nach Erkenntnissen deutscher Geheimdienste inzwischen ganz oben auf der Liste. Die Dunkelziffer sei hoch, sagen Insider. Der Grund: Die meisten Firmen scheuen Anzeigen, weil sie mit Blick auf ihre Kunden nicht als Opfer von Spionage bekannt werden möchten.

Mehr Einfluss sichert sich Peking nach Mitteilung des Handelsministeriums auch durch die Exportverknappung bei seltenen Erden um mehr als elf Prozent. Diese 17 Technikmetalle sind für die Herstellung vieler Produkte unentbehrlich. Das Element Indium etwa ist Bestandteil berührungsempfindlicher Bildschirme, wie sie heute bei vielen Handys üblich sind. Auch für die Herstellung von Batterien von Elektroautos, Energiesparlampen oder Generatoren von Windrädern sind die Metalle erforderlich.

China deckt 97 Prozent des Weltbedarfs aus seinen Minen. Da die Beschaffung in China selbst nicht von der Verknappung betroffen ist, entsteht so zusätzlicher Anreiz zur Produktionsverlagerung nach China. Schon 2009 war die Ausfuhr um 40 Prozent gesunken.

Das Reich der Mitte folgt mit den Exportkontrollen einem mittelfristigen Plan, der bis 2015 eine immer stärkere Drosselung vorsieht und wirtschaftliche Nachteile für Technikunternehmen im Westen in Kauf nimmt. Wenn Chinas Politik so weitermacht, dann treibt sie die Preise für Technikprodukte aus Japan, Amerika und Europa hoch; jetzt schon steigen die Preise für die unverzichtbaren Ausgangsmaterialien kräftig an. Experten sehen im Trend zur Verteurung der Strategiemetalle jedoch auch die Auflösung des Konflikts. „Chinas Monopol wird nicht ewig halten, weil es sich durch die höheren Preise jetzt für andere Anbieter lohnt, wieder einzusteigen“, sagt Analyst Akino Mitsushige von Ichiyoshi Investment in Tokio. Der US-Anbieter Molycorp etwa öffnet eine lange geschlossene Mine wieder. Auch die australische Lynas fährt ihre Produktion kräftig hoch.

Während die USA die Exportkontrolle für wichtige Rohstoffe als Teil eines künftigen Handelskonflikts mit China sehen, verweist Peking auf den Erhalt der eigenen Zukunftsfähigkeit. Mit nur 30 Prozent der weltweiten Vorräte liefere China den größten Anteil des Weltbedarfs an Seltenen Erden, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums. Die USA behielten dagegen ihre großen Vorkommen als strategische Reserve.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Weltmärkte: China kämpft um mehr Einfluss"

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  • Wenn es zutrifft daß China nur über 30% der Weltreserven Seltener Erden verfügt, dann wird auf diesem Markt keine Ruhe einkehren bevor nicht auch der chinesische Förderanteil auf annähernd diesen Wert sinkt. Alles andere wäre Ausplünderung und die Chinesen haben völlig recht, dies zu verhindern.

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