Weltwassertag
Auf dem Trockenen

Zum Weltwassertag zieht die Uno eine erschreckende Bilanz: Über einer Milliarde Menschen fehlt der Zugang zu sauberem Trinkwasser, die Gefahr von Verteilungskriegen steigt. Zudem erschweren Auflagen der Behörden das Geschäft der privaten Versorger.

MEXIKO-STADT. Mehr als eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Noch mehr Menschen, 2,6 Milliarden, sind von sanitären Einrichtungen abgeschnitten: keine Toilette, keine Dusche, kein Bad. Während die Welt am Mittwoch den Weltwassertag 2006 begeht, fordert das Drama um das kostbare Nass weitere Todesopfer: Zwischen 0.00 Uhr morgens und 24.00 Uhr abends werden 6 000 Menschen wegen Wassermangels gestorben sein – so viele wie an jedem anderen Tag auch. Killer Nummer eins ist dreckiges Wasser, das Durchfallkrankheiten provoziert.

Der Notstand schlägt auch wirtschaftlich voll durch: Uno-Experten beziffern den ökonomischen Schaden der Wasserknappheit allein durch ausgefallene Arbeits- und Schulstunden weltweit auf mehrere Milliarden Euro pro Tag.

„Der Wassermangel ist eines der schlimmsten Probleme unserer Zeit“, warnt deshalb Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Nur: Erfolg versprechende Strategien gegen den Wassermangel sind Mangelware. Schon jetzt gesteht die Uno ein, dass ein Millenniumsziel der Weltgemeinschaft kaum noch zu erreichen ist: Laut Uno-Plan soll bis zum Jahr 2015 die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen um die Hälfte verringert werden. Nirgends wurde die Hilflosigkeit deutlicher als auf dem Weltwasserforum in Mexiko. Bürgerinitiativen forderten etwa die globale Einführung eines verbindlichen „Menschenrechts auf Wasser“. Offen blieb jedoch eins: Wer soll so ein Recht etwa in der sudanesischen Krisenregion Darfur durchsetzen?

Auch erteilten Teilnehmer der privaten Wasserversorgung eine scharfe Abfuhr. „Allgemeiner Konsens heute ist, dass Wasser nicht als Privatgut behandelt werden kann, Wasser ist Gemeingut“, sagte etwa der designierte Direktor des Uno-Umweltprogramms Unep, Achim Steiner. Nur: Bisher konnten die öffentlichen Anbieter die Wassernot auch nicht verhindern – besonders in den Entwicklungsländern.

Dabei dürfte es noch viel schlimmer kommen: Bis zum Jahr 2030 werden laut Uno rund zwei Drittel aller Menschen in Städten leben. Die Mehrzahl von ihnen wird unter erbärmlichen hygienischen Umständen hausen. Die Folge: „Die Nachfrage nach Wasser wird drastisch steigen“, so die Uno. Gleichzeitig braucht die Menschheit bis zum Jahr 2030 rund 55 Prozent mehr Nahrungsmittel als heute. Der Hunger der Welt treibt die Nachfrage nach Wasser abermals an. Und die Knappheit droht zukünftig Kriege auszulösen: „Die große Nachfrage nach natürlichen Ressourcen wie Energie, Lebensmittel und Wasser dürfte militärische Konfrontation verursachen“, heißt es in einer Studie für das US-Verteidigungsministerium. Die Experten haben die potenziellen Konfliktregionen bereits geortet: vom Nahen Osten über Afrika bis zum südlichen Asien. Die Ressourcen-Kriege, so das Urteil, werden die alten Kriege wegen Ideologie, Religion und nationaler Ehre in den Schatten stellen. Vor allem in Afrika droht eine steigende Zahl von Wasserflüchtlingen.

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