Weltweit verbesserte Rahmenbedingungen schieben eine neue Welle von Direktinvestitionen an
Kapital zieht nach Asien und Osteuropa

Der globale Wettbewerb um das wieder reichlicher fließende Kapital international agierender Unternehmen wird härter. Gerade Länder aus Asien und Osteuropa machen sich systematisch für Auslandskapital attraktiv und stellen etablierte Standorte in den Schatten. „Die Verbesserungen im Investitionsklima werden von durchgreifenden politischen Reformen begleitet“, sagt der Chefökonom der Asiatischen Entwicklungsbank, Ifzal Ali. „Das zahlt sich aus.“

DÜSSELDORF. Um knapp drei Prozent ist das globale Volumen der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) im vergangenen Jahr gewachsen – nach drei harten Minusjahren. Das berichtet die Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Der positive Trend dürfte sich in diesem Jahr verstärkt fortsetzen. Auch die deutschen Top-Unternehmen sind dabei. Nach einer Untersuchung der WestLB unter 37 Unternehmen aus Dax und MDax will die deutsche Industrie ihr Engagement vor allem in China, Polen, Tschechien und Ungarn vorantreiben. Kosteneinsparungen stehen für die deutschen Firmen dabei als Motiv nicht so sehr im Vordergrund wie die Erschließung neuer Märkte. Neben der Verlagerung von Produktionsstandorten konzentrieren sich die Unternehmen auf die Stärkung von Vertrieb und Kundendienst.

Die Rahmenbedingungen sind durchweg positiv. Die Weltwirtschaft wächst 2005 um mindestens vier Prozent, schätzt IWF-Chef Rodrigo Rato. Die Zinsen bleiben auf niedrigem Niveau, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen nimmt zu. Nach einschneidenden Umstrukturierungen schwimmen viele Konzerne in Geld. Die UNCTAD erwartet, dass der Anstieg der Börsenbewertung zahlreicher Unternehmen jetzt auch wieder grenzüberschreitende Übernahmen und Fusionen anregt.

Indien ist nach einer Analyse des Beratungsunternehmens A.T. Kearney, das einen jährlichen Attraktivitätsindex für Offshore-Standorte festlegt, der Standort mit dem größten Potenzial. Die Mischung aus gut ausgebildeten, aber preiswerten Arbeitskräften, dem Geschäftsklima und der Finanzstruktur verschafft dem „Elefanten“ in Südasien einen deutlichen Attraktivitätsvorsprung vor dem „Drachen“ China. Polen und Ungarn haben es 2004 erstmals unter die Top Ten des Index geschafft.

Der Status quo sieht allerdings noch anders aus. China übertraf 2003 mit FDI von 53 Mrd. Dollar Indien um das 14fache. Damit setzte sich die Volksrepublik erstmals vor den USA an die Spitze der Empfängerländer. 2004 dürfte China mehr als 60 Mrd. Dollar Investitionen ins Land holen. Insgesamt sind bereits 877 Mrd. Dollar im Land investiert worden. Dagegen wirkt Indien mit einem Zufluss von erstmals mehr als fünf Mrd. Dollar wie ein Zwerg. Man dürfe Indien eigentlich nicht mit China vergleichen, sagt Kamal Nath, Minister für Handel in Delhi. Im Gegensatz zu China erfolgen Investitionen in Indien nicht in exportorientierte Industriezweige. Dafür stehen Dienstleistungen in Indien im Mittelpunkt des Interesses.

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