Weltweites Entsetzen
IS droht bereits mit der nächsten Enthauptung

Erneut kursiert ein Video, indem IS-Terroristen eine Geisel töten. Darin droht die Miliz bereits mit der nächsten Enthauptung. Politiker wie US-Präsident Obama und der britische Premier Cameron zeigen sich schockiert.
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Kairo/Brüssel/Washington/LondonDie vierte Enthauptung einer westlichen Geisel durch die Terrormiliz Islamischer Staat hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Der britische Premierminister David Cameron zeigte sich durch die „völlig unverzeihliche“ Ermordung seines Landsmanns Alan Henning bestärkt im internationalen Vorgehen gegen die sunnitischen Extremisten.

„Kein Niveau der Verderbtheit, auf das sie sich nicht herablassen. Alle Appelle haben nichts genützt“, sagte Cameron am Samstag nach einer Unterrichtung durch seine Sicherheitsexperten. Der einzige Weg, die Terrormiliz davor zu stoppen weitere Geiseln zu ermorden, sei durch militärische Angriffe, betonte Cameron, dessen Streitkräfte kürzlich erstmals den IS im Irak bombardiert hatten.

„Jeder, der noch Zweifel über diese Organisation hat, kann jetzt sehen, wie wahrhaft abstoßend und barbarisch sie ist.“ Ob Großbritannien eine Ausweitung seiner Angriffe auf den IS in Syrien – wo das Video mutmaßlich aufgenommen wurde – in Erwägung zieht, wollte Cameron nicht sagen.

Als „entsetzliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnete die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, die Hinrichtung. Sie sprach in einer am frühen Samstagmorgen in Brüssel veröffentlichten Mitteilung von barbarischer Propaganda. „Dies ist ein Angriff auf all jene, die unschuldigen Zivilisten helfen wollen, die im Wahnsinn eines furchtbaren Krieges gefangen sind“, sagte Georgiewa.

Die Täter wollten Menschlichkeit und Solidarität mit der leidenden syrischen Bevölkerung töten, erklärte Georgiewa. Zu Henning sagte sie: „Wir können diesem guten Mann am dauerhaftesten unsere Achtung bezeugen, indem wir weder unser Mitgefühl noch unsere Entschlossenheit aufgeben, Licht in die Dunkelheit zu bringen, die auf das Leben der Menschen gefallen ist, für die er sein eigenes Leben gab.“

Das Video von der Enthauptung des 47-jährigen Alan Henning wurde am Freitagabend in den üblichen Internet-Kanälen der IS-Terroristen veröffentlicht. Es ähnelte Aufnahmen von der Ermordung der US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff sowie des britischen Entwicklungshelfers David Haines. Das jüngste Video endet mit einer Drohung, eine weitere US-Geisel zu töten.

„Obama, du hast deine Luftangriffe auf Syrien gestartet, die unsere Leute treffen. Deshalb ist es nur richtig, dass wir damit weitermachen, die Hälse deiner Leute zu treffen“, sagte der vermummte Enthaupter in dem Henning-Video. Er sprach mit demselben britischen Akzent wie der Mörder in den vorherigen Videos.

Henning war im Dezember als Fahrer eines Ambulanzwagens mit einem Hilfskonvoi nach Syrien gekommen. Kurz hinter der türkischen Grenze wurde er entführt. Das von ihm gefahrene Auto war mit Lebensmitteln und Wasser beladen.

In Moscheen in ganz Großbritannien wurde zu Beginn des muslimischen Opferfestes am Samstag an Henning erinnert. „Millionen sollten heute für Alan Henning beten, einen guten und ehrhaften Mann“, sagte der muslimische Friedensaktivist Shaukat Warraich vor einer Moschee in Birmingham.

US-Präsident Barack Obama sprach von einem „brutalen Mord“. Das Bündnis gegen den IS werde dafür sorgen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Auch der UN-Sicherheitsrat und Frankreichs Präsident François Hollande verurteilten die Tat.

Als Nächstes will der IS nach eigenen Angaben einen 26-jährigen Amerikaner namens Peter Kassig töten, der 2007 als Soldat im Irak gekämpft hatte. Nach seinem ehrenhaften Ausscheiden aus dem Armeedienst aus medizinischen Gründen habe der Mann damit begonnen, Politikwissenschaft zu studieren, berichtete die Washington Post.

Während seiner Semesterferien sei er in den Nahen Osten gereist. Von der türkischen Grenzstadt Gaziantep aus habe er später unter anderem Erste-Hilfe-Lieferungen nach Syrien transportiert und in humanitären Projekten mitgearbeitet.

Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Caitlin Hayden, bestätigte am späten Freitagabend, dass sich Kassig in den Fängen der Milizen befinde. „Zu diesem Zeitpunkt haben wir keinen Grund, an der Echtheit des Videos zu zweifeln“, sagte Hayden.

Die Eltern des Gefangenen, Ed und Paula Kassig, baten in einer Erklärung darum, für ihren Sohn und auch für Henning zu beten. Seinen Eltern zufolge arbeitete Kassig für das Hilfswerk SERA. Er sei am 1. Oktober 2013 im Osten Syriens entführt worden. Während der Gefangennahme sei er zum Islam konvertiert.

Es wird davon ausgegangen, dass der IS noch weitere Ausländer in seiner Gewalt hat. Am Freitag hatte der Vater des britischen Fotojournalisten John Cantlie in einem Video darum gebeten, seinen Sohn freizulassen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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