Weltwirtschaft
Chinas Boom-Industrie wird zur Bedrohung

Chinas gigantisches Konjunkturprogramm könnte weitreichenden und verheerenden Schaden in der globalen Wirtschaft anrichten, warnt die EU-Handelskammer in Peking. Der massive Aufbau von Produktionskapazitäten auf Schlüsselmärkten bedeute eine ernste Gefahr für die positiven Seiten der Globalisierung.
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PEKING. Die Folge seien ausufernde Handelsstreitigkeiten: „Ich erwarte im kommenden Jahr weit mehr Anti-Dumpingfälle als bisher“, sagte EU-Kammerpräsident Jörg Wuttke. China und die USA liefern sich bereits seit Monaten einen Handelskrieg. Dabei geht es um Strafzölle auf Reifen, Stahlrohre, Hühnerschenkel und Wärmedecken. Das Thema wurde auch beim Treffen von US-Präsident Barack Obama mit Chinas Führung in Peking besprochen – ohne Ergebnis.

Auch die EU-Kommission hat dieses Jahr Anti-Dumping-Zölle auf chinesische Produkte verhängt, etwa auf Walzdraht, Schrauben und Aluminiumfolie. Angesichts von Chinas Überkapazitäten drohe eine Überflutung der Weltmärkte mit Billigwaren, warnte Brüssel. Nach der Krise seien nicht mehr genug Abnehmer vorhanden, heißt es in einer aktuellen Studie der Kammer.

Überkapazitäten sind in Chinas Boom-Industrie nicht neu. Doch bislang fanden Autoreifen und Spielzeug im Ausland Abnehmer, vor allem in den USA. Dieses „Sicherheitsventil“ gegen Überkapazitäten funktioniere nun aber nicht mehr, warnt die EU-Handelskammer. Trotzdem pumpe Peking Milliarden in den Bau neuer Fabriken und baue unnötige Kapazitäten auf: „Als Ergebnis verschlimmert sich damit das Problem in vielen Industrien noch“, so die Studie.

Damit komme es auch zu einer Verschwendung von Rohstoffen. In vielen Betrieben würden der Umweltschutz und die Forschung zurückgeschraubt. „Chinas Überkapazitäten können darum nicht weiter ignoriert werden“, mahnt die EU-Kammer. Zu den besonders stark betroffenen Industrien gehören etwa Chinas Werften, nach den südkoreanischen die zweitgrößten Schiffsbauer der Welt. Auf sie komme ein „gigantisches Überkapazitäten-Problem“ zu, das sich bis 2011 noch verschärfen werde, stellt die Kammer fest.

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