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Weltwirtschaftsforum: Davos: USA fordern neues Verantwortungsbewusstsein

Valerie Jarrett, die engste persönliche Beraterin des neuen US-Präsidenten Barack Obama, hat Top-Manager und Politiker auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zu einem neuen Verantwortungsbewusstsein aufgefordert. Die Weltwirtschaftskrise, die den ganzen Erdball erfasst hat, sei aufgrund eines hohen Maßes an Verantwortungslosigkeit entstanden. Die neue US-Regierung sei entschlossen dafür zu sorgen, dass dies so in Zukunft nicht mehr geschehen könne.

Obama-beraterin Valerie Jarrett: "Wir haben wieder begonnen zu handeln und zu führen." Foto: ap Quelle: ap
Obama-beraterin Valerie Jarrett: "Wir haben wieder begonnen zu handeln und zu führen." Foto: ap Quelle: ap

DAVOS. Die Botschaft ist klar und griffig, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Optimismus: "Wir wollen eine neue Ära voller Transparenz, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein einleiten ." Valerie Jarrett, die Vertraute und Sondergesandte von US-Präsident Barack Obama" schlug auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos einen neuen Ton an. Und begeisterte die Manager. Denn das neue Amerika präsentierte sich als Partner. Aber als Partner mit Führungsanspruch: "Wir haben wieder begonnen zu handeln und zu führen."

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Von Amerika ist die Krise ausgegangen, von Amerika soll auch die Gesundung der Weltwirtschaft ausgehen. "Wir werden außergewöhnliche, aggressive Schritte unternehmen, um neue Jobs zu schaffen und die globale Wirtschaft zu stabilisieren", sagte Jarrett. Sie kündigte an, dass die USA sich für eine rasche Reform für die Überwachung der Finanzmärkte einsetzen werde, die Interessen von Investoren und Konsumenten schützen wollen und für eine globale Koordinierung eintreten.

"Wir werden es überleben", war zuvor schon die Botschaft des früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die USA die Wirtschaftskrise in den kommenden 15 Monaten bewältigen werden. Wichtig sei vor allem eine enge internationale Zusammenarbeit, betonte auch er. "Diese Krise beweist, dass wir nicht voreinander flüchten können. Eine Scheidung ist nicht drin, wir können uns nicht trennen", sagte Clinton.

Engere Absprache hatten am Mittwochabend schon der chinesische Regierungschef Wen Jiabao und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin gefordert, den Amerikanern gleichwohl erhebliche wirtschaftspolitische Fehler vorgehalten. Clinton räumte denn auch ein, dass die USA die Finanzkrise nicht nur ausgelöst, sondern bei der Bewältigung der Dotcom-Krise im Jahr 2001 schon die Saat für die Kreditblase gelegt hätten, die nun geplatzt sei. "Damals hatten wir keine Strategie. Also wurde der Häusermarkt aufgebläht, um Wachstum zu erzeugen."

Auf Amerikas Konsumenten kommen jetzt harte Zeiten zu, sie müssten den Gürtel enger schnallen. Für Ian Davis, Managing Director der Beratungsfirma McKinsey, sind die Konsequenzen klar: Die Amerikaner haben heute keine andere Wahl, sie müssten ihr Kaufverhalten ändern. Eine Einschätzung, die Richard Haythornthwaite, Chairman von Mastercard, unterstützt: Den US-Bürgern bliebe nicht viel anderes übrig als "smarter zu shoppen".

Während sich die Kaufkraft der privaten Konsumenten nach Davis' Auffassung allmählich von den USA nach Asien verlagert, werde die Phase der Zurückhaltung für die US-Bürger mindestens ein Jahrzehnt lang dauern. Die USA müssten schließlich zweierlei zugleich erreichen: die exzessiven, kreditfinanzierten Konsumausgaben zu senken und das Sparaufkommen deutlich zu erhöhen, sagte Davis. Auch für Clinton ist es Zeit, jetzt zu handeln: "Pessimismus ist eine Ausrede, nichts zu tun." Die USA müssten zwar die Führung bei der Gestaltung einer neuen Wirtschaftsordnung übernehmen. Aber sie könnten die Konjunkturpakete von Präsident Barack Obama nur finanzieren, wenn "andere Staaten weiter unsere Staatsanleihen kaufen". Dies sei ohne die Unterstützung Chinas nicht zu schaffen.

Wenig Neigung zeigen die USA offenbar, auf dem Höhepunkt der Krise handelspolitische Konzessionen zu machen. Bei aller Notwendigkeit für intensive Kooperation hält Clinton die Zeit nicht reif, um über neue Welthandelsabkommen zu reden. Genau das erwartet jedoch die Welthandelsorganisation (WTO). Neue Handelshindernisse würden die wirtschaftliche Lage noch verschlechtern, sagte der Generaldirektor der WTO, Pascal Lamy in Davos. Amerika müsse sein riesiges Leistungsbilanzdefizit abbauen, um den Welthandel wieder ins Gleichgewicht zu bringen, forderte er.

Die globale Schieflage im internationalen Handel gilt als eines der Haupthindernisse für einen erfolgreichen Abschluss der soge-nannten "Doha-Runde" zum Abbau von Handelsbeschränkungen. "Wir hoffen sehr, dass Amerika ein Vorkämpfer für den Frei-handel bleibt", sagte Lamy auch mit Blick auf die lauter werdenden Rufe, mit dem US-Konjunkturpaket ausschließlich die heimische Industrie zu unterstützen. Er räumte ein, dass sich das politische Handelsklima durch die Krise ver-schlechtert habe. Weder die USA noch China hätten ein ausreichend starkes sozia-les Netz, um aus ihrer Schieflage im Außenhandel herauszukommen.

Zhu Min, Vizepräsident der Bank of China, wies in Davos zudem auf ein Problem hin, das die wirtschaftliche Erholung in den USA weit über die aktuelle Krise hinaus belasten dürfte. Die USA seien ähnlich wie Japan und Europa eine alternde Gesellschaft, die Jahr für Jahr weniger konsumieren werde. "Wir erwarten, dass der private Konsum in den USA von 10 Bill. Dollar auf 9 Bill. Dollar jährlich abschmilzt." Diese Lücke könne China keinesfalls schließen, denn dafür seien die Konsumausgaben zu gering. "Wir brauchen ein neues Wachstumsmodell", sagt Zhu. "Das alte hat jetzt ausgedient."

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