Noch widersprüchlicher erscheint die Debatte über den Kapitalismus. Auch hier gibt es nach der Finanz- und Schuldenkrise im Westen wachsende Zweifel daran, dass die kapitalistische Marktwirtschaft noch der geeignete Ordnungsrahmen für unsere Wirtschaft ist. Selbst Konservative wie Thatcher-Biograf Charles Moore oder FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher gehen von der Fahne. Stattdessen huldigt man einer neuen Staatsgläubigkeit und verdrängt dabei jahrzehntelange Erfahrungen mit staatlicher Misswirtschaft.
Die Frage der sozialen Gerechtigkeit wird dabei zum Lackmustest für die Akzeptanz der Wirtschaftsordnung. Und hier sorgen die zunehmenden Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich für wachsenden Unmut auf „die da oben“ und auf das System. Nach einer Studie der OECD ist in Deutschland die Ungleichheit in der Einkommensverteilung stärker gestiegen als in den meisten anderen Ländern. Die obersten zehn Prozent verdienten 2008 hierzulande durchschnittlich rund achtmal so viel wie das untere Zehntel. In den USA sind die Unterschiede noch krasser. Kein Wunder, dass die soziale Gerechtigkeit hier wie dort zum zentralen Wahlkampfthema wird.
Autoritäre Regime wie in China oder Russland hält die wachsende Ungleichheit im Westen jedoch nicht davon ab, mit einem staatlich gelenkten Kapitalismus ihre wirtschaftlichen Ziele zu erreichen. Dass dabei die Einkommensschere weitaus weiter auseinandergeht als im Westen, nehmen sie billigend in Kauf – auch wenn das ihrer kommunistischen Staatsideologie fundamental widerspricht.
Übersehen wird auf beiden Seiten die Interdependenz der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Ordnung, wie sie Walter Eucken aufgezeigt hat. Freiheit, Marktwirtschaft und Demokratie gehören jedoch zusammen und lassen sich, wie in China, allenfalls für eine begrenzte Zeit voneinander abkoppeln. Diese Tatsache ist der größte Stolperstein für das Reich der Mitte auf dem Weg nach oben. Sie gibt Amerika noch genug Halt, um sich auf dem Thron zu behaupten.
@ Buerge-r
Logisch - kein Fußballspiel könnte sich selbst regeln und ein Boxkampf ohne Schiedsrichter ist eine Schlägerei. Der Markt braucht Regeln und die muß die Politik - für alle gültig - verfassen und durchsetzen. Wer sonst?
@ Dr.NorbertLeineweber
Aber hallo - ich nehme meinen Kommentar, ein paar Absätze höher, zurück. Sie habe es begriffen. Die Politik, allen voran die FDP, leider nicht. Auch das stellen Sie klar.
Leider kann die Politik bei den Mächtigen am effizientesten Geld und Unterstützung einsammeln. Leichter als beim Mittelstand und beim kleinen Wähler. Das ist mühsam und wir deshalb kaum praktiziert. Trotzdem ist richtig was sie vorstehend schreiben und wir dürfen nicht aufgeben die Politk danach zu drängen.
@Dr.NorbertLeineweber
Wer 1000 Seiten braucht, um etwas zu beschreiben, hat es wohl selbst nicht begriffen, fürchte ich.
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