Weltwirtschaftsforum in Davos: Angst um Schwellenländer bremst Optimismus

Weltwirtschaftsforum in Davos
Angst um Schwellenländer bremst Optimismus

Die Weltwirtschaft befindet sich im Aufschwung. Wie fragil das System aber noch ist, zeigen die Währungsturbulenzen in den Schwellenländern, die bis nach Europa drangen. Ist der Optimismus verfrüht?
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Eigentlich war die Stimmung beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos so gut wie schon seit Jahren nicht mehr. Die schlimmsten Gefahren für den Euro sind abgewendet, das Finanzsystem mag noch nicht sicher sein, aber zumindest ist es sicherer geworden. Und die Konjunkturlokomotive USA macht Hoffnung für den Rest der Welt. Schließlich hat der Internationale Währungsfonds (IWF) gerade erst seine globale Wachstumsprognose auf 3,7 Prozent angehoben.

Aber wie wackelig die Wirtschaftslage noch immer ist, wurde den Bankern und Politikern, die sich in den vergangenen Tagen in den Graubündner Alpen versammelt haben, drastisch klar gemacht. Ein Ausverkauf der Schwellenländerwährungen schickte am vergangenen Freitag Schockwellen rund um den Globus. Kein Wunder, dass IWF-Chefin Christine Lagarde vor Gefahren für die noch immer fragile Erholung der Weltwirtschaft warnt: „Eine kritische Frage ist, wie beeinflusst die Aussicht auf eine striktere Geldpolitik in den USA die globalen Kapitalströme“, sagte sie.

Skeptiker befürchten, dass eine massive Flucht aus Anlagen der Schwellenländer droht, weil bei steigenden Renditen Geldanlagen in den USA wieder attraktiver werden. „Wir müssen uns wohl auf heftige Ausschläge an den Kapitalmärkten gefasst machen“, warnt ein prominenter europäischer Banker.

Zum Wochenende standen die Währungen großer Schwellenländer wie Indien, Südafrika und der Türkei unter starkem Druck. Auch der russische Rubel, der mexikanische Peso und der brasilianische Real werteten deutlich ab.

Als Auslöser der Verunsicherung gelten Wachstumssorgen, politische Unwägbarkeiten und die Furcht vor einer weiteren Drosselung des Billiggelds durch die US-Notenbank Fed. Anleger spekulieren seit längerem darüber, ob die US-Notenbank Fed bei ihrer Ratssitzung in der kommenden Woche eine weitere Drosselung der Wertpapierkäufe von derzeit 75 Milliarden Dollar monatlich beschließen wird. Einige Börsianer befürchten, dass ein solcher Schritt die Erholung der Weltwirtschaft abwürgen könnte.

Lagarde sieht noch ein weiteres Risiko für die Weltwirtschaft: Die anhaltend niedrige Inflation in der Eurozone berge die Gefahr einer lähmenden Deflation. Bereits zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums hatte der Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS, und  frühere Bundesbankpräsident Axel Weber gewarnt, Europa habe die Folgen der Finanzkrise noch lange nicht überwunden, die Wirtschaft sei noch immer zu schwach, um die hohe Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen.

Mario Draghi, der Chef der europäischen Zentralbank, hält die Deflationsängste allerdings für übertrieben. Er sieht keine unmittelbare Gefahr für einen Preisverfall auf breiter Front. Der Notenbanker meint, die geringe Inflation lasse sich zum großen Teil durch das Sinken der Erdölpreise erklären. Außerdem habe man nach großen Finanzkrisen regelmäßig Phasen niedriger Inflation erlebt. Draghi glaubt, dass die Teuerung nach einer längeren Schwächephase wieder in Richtung zwei Prozent anziehen wird. Sollte es anders kommen bekräftigte der EZB-Chef allerdings seine Entschlossenheit, „sämtliche vertraglich erlaubten Mittel“ zum Schutz des Euro und der Eurozone einzusetzen.

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