Weltwirtschaftsforum: Soros: „Die Welt braucht ein neues Finanzsystem“

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Soros: „Die Welt braucht ein neues Finanzsystem“

Der amerikanische Investor George Soros hat vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine dramatische Einschätzung der Lage abgegeben. Nach seiner Einschätzung hat das internationale Finanzsystem einen regelrechten "Kollaps "erlebt. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen hält er für nötig, um die Krise zu bewältigen.

DAVOS. Das internationale Finanzsystem hat nach Einschätzung des US-Investors George Soros einen regelrechten "Kollaps "erlebt. Ein ganzes Bündel von Maßnahmen hält er für nötig, um die Krise zu bewältigen. Ein unverzichtbarer Ansatz sei die Auslagerung aller Hochrisiko-Papiere in "Bad Banks", die allerdings mit dem kompletten Altkapital der betroffenen Institute ausgestattet werden sollten. Gleichzeitig müsse frisches Geld in neue "Good Banks" investiert werden. Allein in USA sieht Soros einen Rekapitalisierungsbedarf in Höhe von 1,5 Bill. US-Dollar. Das Geld müsse zum überwiegenden Teil vom Staat kommen. Bei seinem Modell der Good Banks, die wieder in vollem Umfang ins Kreditgeschäft einsteigen könnten, sei es aber auch für private Investoren interessant, in Banken zu investieren: "Ich würde sofort in eine Good einsteigen", sagte Soros vor der Presse beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

Nach Soros Einschätzung gab es zu den bisherigen Rettungsmaßnahmen für Banken und Konjunktur keine Alternative. Die Rettungspakete hätten aber nur bewirkt, dass das Finanzsystem "nun künstlich am Leben erhalten werde", mehr nicht. Jetzt gehe es darum, ein völlig neues Finanzsystem auf die Beine zu stellen. Die Unterscheidung zwischen Bad und Good Banks sei ein erster Schritt, der zur Normalisierung der Binnennachfrage führen könne. Das sei auch deswegen wichtig, weil selbst für die bisher gut durch die Krise laufenden Banken die nächste Problemwelle im Anmarsch sei: Der Abbruch der Konjunktur werde zu massiven Kreditausfällen führen, dies- und jenseits des Atlantiks.

Soros glaubt, dass die aktuelle Finanzkrise größere Ausmaße annehmen wird als die Weltwirtschaftskrise 1930. Wesentlicher Grund: Der Anteil der ausgegebenen Kredite am Bruttoinlandsprodukt sei heute um ein Vielfaches höher als damals. Wörtlich: "Das ist keine gewöhnliche Rezession oder Finanzkrise." Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers habe die Spielregeln des Marktes komplett verändert, das Finanzsystem und die gesamte Wirtschaft seien in einen tiefen Abgrund gefallen.

Als Rezept zur Lösung der Krise empfahl Soros "We have to create money - Wir müssen neues Geld schaffen", was er aber nicht konkretisierte. Was er damit meinte, war etwa die Bereitstellung frischen Kapitals für die Banken und zweitens die Vermeidunng von übertriebenen Einbrüchen bei den Immobilienpreisen durch die Unterstützung der Eigentümer und Banken. Drittens forderte er internationale Finanzhilfe für Schwellenländer, etwa in Lateinamerika und Osteuropa, wo die Exportverluste durch eine Stärkung der Binnennachfrage ausgeglichen werden müsse. Hierbei solle der IWF eine führende Rolle spielen.

Auf die Frage, ob er selbst in der Krise Geld verloren habe, sagte er: "Ich habe alles vorhergesehen, bis auf die Lehman-Pleite. Die bis Mitte 2007 eingefahreren Buchgewinne konnten geschützt werden, und für 2008 habe ich immerhin noch eine bescheidene Rendite erwirtschaftet."

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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