Weltwirtschaftsforum: USA fehlen bei den Krisen-Debatten in Davos

Weltwirtschaftsforum
USA fehlen bei den Krisen-Debatten in Davos

Wenn Politiker und Manager am Mittwoch zur 38. Auflage des Weltwirtschaftsforums in den Schweizer Wintersportort Davos pilgern, ist der Rahmen zwar der gleiche, doch die Welt hat sich verändert. Der Zusammenbruch der Finanzmärkte hat nicht allein die USA schwer gebeutelt, doch sie ganz besonders.

DAVOS. Umso auffälliger ist die Abstinenz der neuen US-Regierung. Wenn die Managerelite mit der Politikprominenz über Wege aus der globalen Krise debattiert, wird die Stimme Washingtons fehlen. Selbst Lawrence Summers, Chef-Wirtschaftsberater des neuen Präsidenten Obama, sagte kurzfristig ab. Lediglich die Beraterin im Weißen Haus und Obama-Vertraute Valerie Jarrett hält die Fahne der USA hoch.

So geben andere den Ton an, wenn es darum geht, das diesjährige Motto "die Welt nach der Krise formen" mit Inhalten zu füllen. Wen Jiabao zum Beispiel. Erstmals reist ein chinesischer Premier nach Davos. Auch das ist ein Symbol für die Verschiebungen in der Welt. Während die USA vom hohen Ross heruntersteigen und sich wieder in Multilateralismus üben, ruhen viele Hoffnungen auf Peking. Doch als Lokomotive wird auch die chinesische Volkswirtschaft ausfallen. Die anfangs noch gehegten Hoffnungen, China könne sich der Rezession weitgehend unbeschadet entziehen, haben sich nicht bestätigt: Das chinesische Wachstum sank im letzten Quartal 2008 nur noch um 6,8 Prozent, das kommt für Chinesen einer Rezession schon sehr nahe.

Auch Wladimir Putin, der russische Ministerpräsident, sucht den Dialog in Davos, gleich am ersten Tag. Russland ist von der Krise in ganz besonderem Maße betroffen. Die Probleme, die sich über Haushalt und Wirtschaft nach dem Kollaps der Rohstoff- und Energiepreise zusammenbrauen, erinnern an das Szenario von 1998, als Russland kurz vor der Staatspleite stand. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premier Gordon Brown treten beim Forum auf. Vom britischen Premier, der mit mutigen Entscheidungen beim Ausbruch der Krise seine Managerqualitäten unter Beweis stellte, erhoffen sich viele Manager Orientierung.

Was der Staat bewirken kann, um die Finanzkrise zu bewältigen, dürfte eins der Kernthemen von Davos sein. "Das Pendel schwingt zurück. Jetzt kehrt die Macht zurück zu den Regierungen", sagt Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums. Er sprach im Vorfeld von der Chance, in Davos die Gesundung der angeschlagenen Systeme einzuleiten und eine neue ethische Ordnung zu entwerfen. Ein "Treffen im Sanatorium" sei das Forum in diesem Jahr zwar, jedoch angetan, um "eine neue Ära einzuleiten". Insgesamt 43 Staats- und Regierungschefs wollen sich diese Chance nicht entgehen lassen, ein klares Indiz dafür, dass sich Politiker als die tonangebende Gruppe unter den 2 500 Teilnehmern in Davos präsentieren werden.

Die Finanzwelt übt sich derweil in Demut: Weder Richard Fuld, ehemaliger Chef von Lehman Brothers, noch John Thain, gerade gefeuerter Chef von Merrill Lynch, Vikram Pandit von Citigroup oder Lloyd Blankfein von Goldman Sachs werden in Davos auftreten. Die Banken, die nur dank staatlicher Infusionen am Leben erhalten werden, entsenden ihre zweite Garnitur.

Nicht einmal Popmusiker Bono, sonst unermüdlicher Trommler für die Belange der Dritten Welt, findet Zeit für das Forum. Überhaupt fehlt die Glitzerprominenz. Die Stars und Sternchen, mit denen sich das Forum in den vergangenen Jahren auf rauschenden Parties schmückte, sind nicht mehr eingeladen. Die Manager wollen dem Ernst der Lage Rechnung tragen und weniger feiern, dafür intensiver beraten. Guido Westerwelle statt Naomi Campbell heißt denn auch der Stargast bei der Burda-Party in diesem Jahr.

So wenden sich die Manager den kritischen Themen zu. Wie sieht die Globalisierung in der Welt von morgen aus? Wie viel Staat will sich die Wirtschaft leisten? Wie ist es um die Banken bestellt? Und wie steht es um Klimaschutz und effiziente Energien, inwieweit schaffen es die Regierungen, globale Institutionen an die veränderten Machtverhältnisse in der Welt anzupassen? Droht ein neuer Protektionismus, der die Krisensymptome noch verschärfen könnte? Die Propheten des Untergangs dürften angesichts dieser Ausgangslage ein interessiertes Publikum finden. Nouriel Roubini von der New Yorker Universität etwa oder Robert Shiller, Professor in Yale. Beide haben rechtzeitig vor der Krise gewarnt.

Ein wichtiges Indiz, welche Weichen zur Bewältigung der Rezession gestellt werden, könnte von den informellen Treffen der G20-Staaten ausgehen. Davos ist für sie eine Zwischenetappe nach der Konferenz in Washington und vor dem Treffen im April in New York, wo die Eckpfeiler der neuen internationalen Finanzarchitektur eingeschlagen werden sollen. Dass die etablierten Industriestaaten es aus eigener Kraft nicht schaffen, die Weltwirtschaft wieder in Fahrt zu bringen, ist inzwischen anerkannte Tatsache. Insofern schält sich auch in Davos heraus, dass die Schwellenländer ein gewichtiges Wort bei der Neuordnung der Welt mitreden werden.

Allerdings zeigt die Tatsache, dass selbst Wachstumsstars wie China arg in die Bredouille geraten, dass die Theorie der Abkopplung von den USA ein Mythos ist. Die Bric-Staaten leiden ebenso unter der Krise wie die Industrienationen - Russland mehr, Brasilien weniger. Aber auch deswegen macht es Sinn, den Dialog auf jene Staaten auszuweiten, die die Welt von morgen prägen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%