Wende im Korea-Konflikt?
Zu Opas Geburtstag bleibt es friedlich

Eigentlich nutzt Nordkorea jede Gelegenheit für einen Aufmarsch des Militärs. Doch den Geburtstag des Großvaters feiert Kim Jong Un ganz ohne Paraden. Auch der Mittelstreckenraketentest bleibt bislang aus. Warum nur?
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TokioWar das jetzt schon die Wende im jüngsten Korea-Konflikt? Nordkoreas Führer Kim Jong Un verzichtete darauf, den 101. Geburtstag seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung mit riesigen Militärparaden zu begehen. Stattdessen versammelten sich Nordkoreaner in den mit Bannern und Fahnen geschmückten Straßen. Auch der vielfach im Ausland erwartete Test einer Mittelstreckenrakete fand bislang nicht statt.

Stattdessen besuchte Kim Jong Un am Montag, dem Tag der Sonne, den Kumusan-Palast der Sonne, um seinem Ahnen zu gedenken. Der Tag der Sonne wird nicht von ungefähr am Geburtstag des heiß verehrten Staatsgründers gefeiert. Kim Il Sung wird bis heute als fürsorglicher Führer geehrt, in dessen Schein das Land aufgeblüht ist.

Kim Junior habe Blumengestecke niedergelegt, beschreibt die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA den Staatsakt. Auf den Schleifen stand „Die großen Genossen Kim Il Sung und Kim Jong Il werden immer bei uns sein.“ Danach hätten sich Kim und die anderen Teilnehmer der Zeremonie tief vor den Statuen der großen Generallissmus verbeugt und seien in Halle der Unsterblichkeit weitergeschritten, wo Kims Leichnam liegt.

Das Ausland kann nun rätseln, warum Kim seine Eskalation nicht weiter auf die Spitze getrieben hat. Aber ganz unerwartet kommt die Wende nicht. Denn einige Experten haben bereits in den vergangenen Wochen Anzeichen dafür ausgemacht, dass Kim in dem nervenaufreibenden Poker von Provokationen auf zur Schau gestellte Gesprächsbereitschaft umgeschaltet hat.

Besonders der Verzicht auf einen Raketentest würde ihn nicht überraschen, meint Hajime Izumi, ein japanischer Nordkorea-Experte von der Shizuoka-Universität. Denn Kim benötige ihn nicht mehr.

Er habe vor seinem Volk schon die Fiktion aufbauen können, genug atomare Fähigkeiten zu besitzen, einen US-Angriff zurückschlagen zu können. Kims Propagandaabteilung habe dem Volk zu dem erklärt, dass die Militärmanöver der USA und Südkoreas der Invasion des Nordens gedient hätten. „Das ist zwar eine totale Erfindung, aber wenn die Manöver stoppen, wird er seinem Volk erklären, durch sein hartes Handeln den großen Sieg errungen zu haben.“

Gleichzeitig scheinen auch Kims Feinde das martialische Getöse über zu haben. Vorige Woche betonte zuerst Südkoreas Regierung, unter gewissen Bedingungen gesprächsbereit zu sein. Am Montag äußerte sich der US-Außenminister John Kerry auf der letzten Station seiner Ostasien-Reise ebenfalls in dieser Richtung.

Als Vermittler setzen allerdings auch die USA auf Nordkoreas verbündeten China. Der Weg zu neuen Gesprächen dürfte allerdings holprig werden. Kein Experte will ausschließen, dass Kim in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten nicht erneut mit militärischen Mitteln provoziert, um - aus seiner Sicht - seine Verhandlungsposition zu stärken.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

Kommentare zu " Wende im Korea-Konflikt?: Zu Opas Geburtstag bleibt es friedlich"

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  • Nachdem Kim sein Opa in der Hölle mit Gadaffi seine Zigaretten Pause hielt bis zum Hals in Exkrementen, gab Gadaffi den Rat, die Demokratischen Pussys entgegen zu kommen
    damit hat man viele Vorteile und kann sein Volk trotzdem weiter quälen. Bevor Opa noch was sagen konnte, kam die Aufforderung: Zigarettenpause beendet, bitte alle setzen.

    Trotzdem konnte eine Gruppe am runden Tisch die Nachricht von Gasaffi abhören und wird sie vermutlich mit Kim umsetzen.

  • "...Kims Propagandaabteilung habe dem Volk zu dem erklärt, dass die Militärmanöver der USA und Südkoreas der Invasion des Nordens gedient hätten. „Das ist zwar eine totale Erfindung, aber wenn die Manöver stoppen, ...."

    Das ist keine totale Erfindung!!!! siehe Irak. Kim, sei auf der Hut!!

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