Wende im syrischen Bürgerkrieg?
„Die Lage in Aleppo ist apokalyptisch“

Aleppo steht vor dem Fall, die Rebellen kurz vor der Kapitulation. Bis zum Frühjahr wollen Damaskus und Moskau unumkehrbare Fakten schaffen. Während die Zivilisten durch die Hölle gehen, ist die Diplomatie ohnmächtig.
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Syriens Diktator Bashar al-Assad triumphiert. Die Rückeroberung Aleppos sei ein „großer Schritt“, um den mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg zu beenden, jubelte er in einem Interview mit der Staatszeitung „Al-Watan“. Nach dieser Niederlage hätten die Opposition und ihre Unterstützer „keine Karten mehr in der Hand“. Bereits 80 Prozent des Rebellengebietes in der nordsyrischen Handelsmetropole haben Assads Truppen in den letzten drei Wochen zurückerobert, zuletzt auch die Altstadt am Fuße der Zitadelle.

Die Rebellen kontrollieren dagegen nur noch wenige Enklaven, ihre Einheiten befinden sich in chaotischer Auflösung und stehen kurz vor der Kapitulation. „Die Lage ist apokalyptisch“, erklärte ein Aktivist gegenüber CNN. Nach seinen Angaben drängen sich mittlerweile 200.000 Menschen in den noch verbliebenen Rebellenbezirken, weil sie fürchten, vom Regime festgenommen und gefoltert zu werden.

„Ich kenne Leute, die nichts getan haben in den letzten vier, fünf Jahren, die nur in ihren Wohnungen bleiben wollten und jetzt verhaftet werden“, sagte ein Lehrer der BBC. Nach Berichten von Augenzeugen durchkämmen syrische Truppen die zurückeroberten Stadtteile und führen reihenweise Männer im wehrfähigen Alter ab.

Etwa 30.000 Bewohner, die Hälfte von ihnen Kinder, konnten dagegen in den letzten beiden Wochen dem Inferno entkommen und sich im Westen Aleppos in Sicherheit bringen, entweder in den vom Regime oder den von Kurden kontrollierten Teilen. Die Überlebenden berichten von grauenhaften Zuständen. In den Straßenschluchten liegen die Leichen ganzer Familien, die mit ihren Koffern in den Händen vor den Bomben fliehen wollten. Komplette Häuserzeilen sind unbewohnbare Trümmerwüsten. Keines der Krankenhäuser in dem seit Mitte Juli umzingelten Osten ist noch intakt.

Verwundete liegen in den zerstörten Räumen, um die sich keiner mehr kümmert. Medikamente, Lebensmittel und selbst der Sprit für Krankenwagen sind aufgebraucht. „Wir sind total gelähmt und können niemanden mehr behandeln“, sagte einer der letzten noch verbliebenen Ärzte. „Die Leute sind verstört und in Panik, jeden Tag müssen Familien von einer Straße in die nächste fliehen“.

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Damaskus und Moskau nutzen politisches Vakuum

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • @ Herr Kersey
    <<Flüchtlinge suchen millionenfach Hilfe, natürlich in den westlichen Ländern, .....>>

    Wieso eigentlich "natürlich"?
    Natürlich wäre es, wenn sie Hilfe in den arabischen Nachbarländern suchen würden. Alles andere ist völlig fehlgeleitet.

  • @ Herr Schmidt

    Was hat denn Syrien maßgeblich mit der Masseneinwanderung nach Deutschland zu tun? Das stellen unsere Qualitätsmedien so da, ist aber Blödsinn.

    Der Grund dafür ist einzig und allein das Versprechen dieser CDU-Frau, jeden, der sich "Flüchtling" nennt, hier aufzunehmen und an den Segnungen des deutschen Sozialwesens teilhaben zu lassen.

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