Wende in Libyen
Gaddafi darf bleiben

Bislang wollten die Rebellen Gaddafi aus dem Land jagen. Doch nun zeichnet sich eine Wende ab. Ein Anführer der Rebellen deutet an, dass Gaddafi in seiner Heimat bleiben könnte.
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London/Dubai/BenghasiDie libyschen Rebellen haben sich im Falle eines Machtverzichts von Muammar Gaddafi entgegen ihrer bisherigen Position offen für dessen Verbleib im Lande gezeigt. „Gaddafi kann in Libyen bleiben, aber es wird Bedingungen geben“, zitierte das „Wall Street Journal“ am Montag den Chef des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil. Die Rebellen würden festlegen, wo Gaddafi und seine Familie sich aufhalten dürften und wer sie überwache.

Bislang hatten die Aufständischen stets gefordert, dass der Machthaber Libyen verlassen müsse. Die neue Haltung liegt dagegen mehr auf einer Linie mit jüngsten Äußerungen westlicher Unterstützer der Rebellen. So hatte Frankreichs Außenminister Alain Juppe vergangene Woche gesagt, Gaddafi könne in Libyen bleiben, wenn er abdanke. Die USA und Italien hatten erklärt, Gaddafi müsse gestürzt werden. Über sein Schicksal solle jedoch das libyschen Volk entscheiden. Damit ließen auch sie die Möglichkeit offen, dass Gaddafi in seiner Heimat bleiben könnte.

Als weiteres Anzeichen für Bemühungen, die festgefahrenen Kämpfe durch eine politische Lösung zu beenden, werteten Beobachter ein Treffen eines UN-Vertreters mit den Aufständischen. Beide Seiten teilten mit, Vorschläge für eine friedliche Lösung diskutiert zu haben. Konkrete Vorschläge gebe es jedoch nicht. Um die Gunst der Bevölkerung zu sichern, sind die Rebellen dringend auf Hilfslieferungen aus dem Ausland angewiesen

Die Türkei entsandte zwei Öl-Tanker in das nordafrikanische Land, in dem der Bürgerkrieg die Anlagen zur Förderung und den Transport schwer beschädigt hat. Die Lieferungen sind nach Angaben aus Industriekreisen mindestens zehn Millionen Dollar wert und Teil von zugesagten Hilfsleistungen der Regierung in Ankara. 5000 Tonnen Diesel seien am Wochenende bereits angeliefert worden, weitere 5000 Tonnen auf dem Weg. Die Rebellen versuchen seit fünf Monaten, Gaddafi nach 41 Jahren an der Macht zu stürzen. Seit vier Monaten werden sie dabei durch die Nato unterstützt. Dennoch haben die Aufständischen keine entscheidenden Fortschritte machen können. Der Westen setzt deswegen inzwischen verstärkt auf eine Verhandlungslösung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wende in Libyen: Gaddafi darf bleiben"

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  • Ich bin immer wieder erstaunt über die unüberlegte Politik der EU und der NATO. Da versuchen sich Clans aus der Region Bengasi an die Macht zu putschen und Klein-Napoleon lässt Bomber fliegen. Mit Demokratie und Menschenrechten haben doch diese Rebellen nichts am Hut. Die wollen doch nur an die Fleischtöpfe der Gadaffis ran.
    Aber für den Austausch eines Diktators durch einen anderen Krieg führen? Seltsame Politik!

  • ...Ich glaube eher nicht, dass die sogen. "Rebellen" irgendwelche Bedingungen diktieren koennen. Ausser der bisher erfolglosen NATO-Unterstuetzung haben sie offensichtlich in der Bevoelkerung wohl nicht allzuviel Rueckenhalt...

  • "Gaddhafi darf bleiben"´:
    das klingt so nach Gnadenerweis für einen Unterdrücker.

    Offenkundig liebt der Westen Massenmörder.


    Die zivilisierte Welt jedoch weniger.



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