Wenige Tage später als ursprünglich geplant
Iraker sollen am 30. Januar Parlament wählen

Trotz nicht abreißender Gewalt in den Rebellengebieten hat die irakische Wahlkommission mit dem 30. Januar einen Termin für die ersten demokratischen Wahlen des Landes seit Jahrzehnten festgesetzt.

HB BAGDAD. An diesem Termin werde ein Parlament gewählt, das über eine neue Regierung entscheide und eine Verfassung für den Golfstaat erarbeite, sagte ein Sprecher der Wahlkommission am Sonntag in Bagdad. Ob die irakischen und US-Truppen bis zum Wahltermin Sicherheit und Stabilität im Irak herstellen können, bleibt aber ungewiss: Am Wochenende wurden in Ramadi sieben Insassen eines unter Beschuss geratenen Busses getötet. In Mossul entdeckten US-Soldaten die Leichen von zwölf irakischen Soldaten.

Die Parlamentswahl gilt als wichtiger Schritt zum Aufbau der Demokratie in dem Golfstaat, ursprünglich hatte die Wahlkommission den 27. Januar als Termin anvisiert. Die unter dem früheren Präsidenten Saddam Hussein unterdrückte schiitische Mehrheit hofft, dass die Wahl ihre Position festigt und drängt auf Einhaltung des Wahltermins im Januar. Viele Sunniten, die die einstige Machtelite unter Saddam Hussein stellten, befürworten hingegen eine Verschiebung des Urnengangs und drohen andernfalls mit einen Wahlboykott. Die Hochburgen sunnitischer Rebellen wie Falludscha waren in den vergangenen Tagen Schauplätze erbitterter Kämpfe zwischen irakischen und US-Soldaten auf der einen und Aufständischen auf der anderen Seite.

Im westlich von Falludscha gelegenen Ramadi eröffneten US-Soldaten am Samstag nach Angaben von Polizeichef Dschasim al-Dulaimi das Feuer auf einen Bus. Dabei seien mindestens sieben Zivilisten getötet worden. Der Bus sei beschossen worden, als es an einem Regierungsgebäude im Stadtteil Hai al-Andalung passierte. Das US-Militär gab zunächst keine Stellungnahme ab. Fernsehbilder der Nachrichtenagentur zeigten den von Kugeln durchsiebten Bus. Einige Fenster des Fahrzeuges waren zersplittert, andere mit Blut bespritzt. Männer trugen Leichen aus dem Bus und verluden sie in Autos. Am Sonntag brachen Augenzeugen zufolge erneut Kämpfe in Ramadi aus. Mehrere laute Explosionen seien zu hören gewesen.

In der drittgrößten Stadt des Landes, Mossul, entdeckten US-Soldaten die Leichen von drei Männern nachdem sie am Vortag bereits neun tote irakische Soldaten gefunden hatten. Alle zwölf Männer wurden nach Angaben des US-Militärs mit Kopfschüssen getötet. Bereits vergangene Woche waren Leichen von vier Enthaupteten in der Stadt gefunden worden. Eine Gruppe des Extremistenführers Abu Mussab al-Sarkaui bekannte im Internet zur Tötung 17 irakischen Nationalgardisten. Es blieb aber zunächst unklar, ob sich das auf den 20. November datierte Bekennerschreiben auf die jüngst entdeckten Toten bezog.

Al-Sarkauis Gruppe hat sich zu zahlreichen Anschlägen sowie Enthauptungen von Geiseln im Irak bekannt. Um ihn zu fassen, hatten die US-Truppen die Militäroffensive auf Falludscha begonnen. Nach Angaben der US-Armee sind bei der Großoffensive etwa 1200 Aufständische getötet und mehr als 1000 gefangen genommen worden.

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