Wenn die Frau des Bürgermeisters baut
Moskau wandelt sich zur Metropole der Wolkenkratzer

Schneller, höher, breiter. Dieses fast schon olympische Prinzip hat sich Europas größte Stadt zu eigen gemacht, seit der erwachte Riese den Tiefschlaf des Kommunismus aus seinem Pelz geschüttelt hat. Wo früher nur vereinzelt dunkle Werbetafeln die Einfallstraßen säumten, leuchten heute grelle Neonreklamen.

MOSKAU. Prada, Bentley oder Givenchy lassen die Boulevards auch nachts taghell erstrahlen. Shopping-Malls illuminieren die russische Hauptstadt wie einen Großflughafen. Aus der grauen Maus an der Moskwa ist eine helle Mega-Metropole geworden.

Mit 180 Stundenkilometern rasen die Motorräder nachts über den neuen Innenstadtring. Tagsüber herrscht dagegen stundenlang Dauerstau. Wenn Wladimir Putin zur Arbeit in den Kreml eilt – mit je einer Polizeieskorte vorweg und hintendran sowie einem Dutzend Wagen in der Kolonne – werden alle Spuren gesperrt. Würde man die 27 500 Autos, die dann warten müssen, in drei Reihen aufstellen, wäre der Rückstau 46 Kilometer lang. Weil Arbeitsstunden ausfallen und Benzin verpulvert wird, wenn 50 000 Menschen in ihren Autos festsitzen, entsteht Russland laut dem Magazin „Kommersant Wlast“ ein volkswirtschaftlicher Schaden von gut 56 Mill. Dollar.

Nirgends auf dem alten Kontinent drehen sich die Baukräne derzeit schneller. Nirgends ziehen die Baufirmen beeindruckendere Wolkenkratzer in die Höhe. 340 Meter hoch soll sich der „Federazija“-Büroturm in den trüben Moskauer Himmel recken. Daneben streckt bereits ein 240-Meter-Pendant ein gläsernes Segel aus Beton und Stahl in die Winde der „Moscow City“, dem mit zwölf Mrd. Dollar Investitionskosten auf 110 Hektar größten Bauprojekt Europas. Diese zwei Wolkenkratzer – hier auch Twin Tower genannt – beherbergen Restaurants, ein Luxushotel, Wohnungen, Büros und ein 20 Meter hohes Aquarium. Später soll noch der „Rossija“-Turm seine Nadelform 398 Meter zu den Wolken ragen lassen. Eigentlich sollte er sich auf 648 Meter und damit auf Platz eins der Weltrangliste hochstrecken, doch der Terrorangst fielen zahlreiche Etagen zum Opfer. Aber der „Triumph Palace“ ist heute schon mit 264 Metern Höhe Europas höchstes Wohnhaus.

Mit zehn Spuren ziehen sich die Magistralen ins Herz der Millionen-Metropole – plus einer Spur für die Regierung, die für Normalsterbliche verboten ist. Und wohl nur in einer Stadt wie Moskau können Immobilienfirmen Werbebanner über die gesamte Pistenbreite spannen: Vom kommenden Monat an werden die Wohnungen noch teurer verkauft. Aus dem ganzen Riesenreich kommen Kunden auf der Suche nach Moskauer Quadratmetern.

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