Wenn Jobs im Westen locken
In Polen sorgt Abwanderung für Engpässe in Kliniken

Grazyna Mlynarska sucht händeringend Arbeit. „Am liebsten würde ich für einige Jahre nach England oder Irland gehen“, schwärmt sie. In Polen sei es wahnsinnig schwierig, einen guten Job zu finden, der auch noch einigermaßen bezahlt werde, lautet ihre Erfahrung.

WARSCHAU. Die junge Frau kann ein Prädikatsexamen in Mathematik vorweisen, ist Spezialistin für Informatik und spricht außerdem fast fehlerfrei Englisch. Vorerst schlägt sie sich mit Nachhilfestunden durch. Die Beschäftigung im Westen sucht sie per Internet und über eine einschlägige polnische Agentur.

Wie Grazyna geht es Hunderttausenden junger Leute in Polen. In einzelnen Regionen, besonders im Osten des Landes, beträgt die Arbeitslosenquote der Erwerbsfähigen unter 24 Jahren über 40 Prozent. Und es sind gerade auch qualifizierte Fachkräfte, die verzweifelt einen Job suchen. Auch viele Studenten schaffen es nur mit Mühe, ihr Studium durch Teilzeitarbeit zu finanzieren. Lediglich erfolgreiche Geschäftsleute und Bezieher von Einkommen, die weit über dem Durchschnitt liegen, können es sich leisten, ihre Söhne und Töchter zum Studium ins Ausland zu schicken.

Die Wanderung in Richtung Westen hat aber auch fatale Folgen vor allem für das polnische Gesundheitswesen. „Wir diskutieren täglich über Emigration“, sagt Krzysztof Terlecki. Der 38-Jährige ist Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen im städtischen Krankenhaus im Warschauer Stadtteil Grochow. Junge Ärzte, meint er, könnten sich beispielsweise in England viel leichter spezialisieren. „Außerdem verdienen sie mindestens das Fünffache dessen, was wir hier bekommen.“ Inzwischen gibt es landesweit etwa 60 Agenturen, die Ärzte an westliche Krankenhäuser und Praxen vermitteln.

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