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06.01.2009 
Krieg im Gaza-Streifen

Wer gewinnt den Krieg der Bilder?

von Pierre Heumann

Im Krieg gegen den Terrorismus setzt Israel auf eine PR-Offensive. Wo immer es geht, zeigt sich die Armee von ihrer guten Seite, getötete Zivislisten tauchen in der Berichterstattung nicht auf. Doch mit dem arabischen Sender Al Jazeera gibt es auch eine israelkritische Gegenposition - der Wahrheitsfindung dient auch das nicht.

Während Israel via Fernsehen den sauberern Krieg verkauft, setzt der arabische Sender Al Jazeera auf israelkritische Töne. Foto: dpaLupe

Während Israel via Fernsehen den sauberern Krieg verkauft, setzt der arabische Sender Al Jazeera auf israelkritische Töne. Foto: dpa

TEL AVIV. "Chirurgische Eingriffe", "Kampf gegen Terroristen", "keine humanitäre Katastrophe": Mit solchen Schlagworten ziehen Israels PR-Strategen in den Kampf um die öffentliche Meinung der Welt. Auf dem virtuellen Schlachtfeld wollen sie beweisen, dass die israelische Armee nur Terroristen ins Visier nehme. So zeigen Videoaufnahmen zum Beispiel aus der Perspektive des Piloten, wie "terroristische Infrastrukturen" präzise aus der Luft ausgebombt werden, ohne links und rechts davon Schaden anzurichten. Denn "unanständige" Ziele gibt es in dieser virtuellen Kriegs-Welt nicht zu sehen. Wenn "aus Versehen" das Haus einer Familie getroffen wird, die dummerweise neben einem Waffenlager stand, bleibt die Szene ausgeblendet.

Man zeigt sich von der guten Seite: Die PR-Experten filmen Lastwagen mit Medikamenten und Nahrungsmitteln, die Israel zur Versorgung der 1,5 Millionen Palästinenser nach Gaza rollen lässt. Dass dort die Verteilung dann aber ein Problem ist, weil sich angesichts der Luftangriffe niemand auf die Straße wagt, bleibt unerwähnt. Verletzte Palästinenser werden auf den Clips nur gezeigt, wenn sie auf Bahren zur Behandlung in israelische Kliniken transportiert werden.

Die PR-Offensive zum Krieg gegen Gaza wurde systematisch vorbereitet. Israel setzt nicht nur auf moderne Waffen, sondern auch auf moderne Kommunikationsmittel. Blogs und die neuen Medien seien ein neues Kriegsgebiet, doziert eine israelische Armeesprecherin: "Dort müssen wir relevant sein." Israel ist einer der ersten Staaten, die für militärische Propaganda auf das Video-Portal You-Tube setzen. Die Armee hat einen eigenen You-Tube-Kanal eröffnet, auf dem Filme von Luftangriffen gezeigt werden. "Waffenlager in Gaza-Moschee von der Luftwaffe getroffen", hieß zum Beispiel ein Videobeitrag am 1. Januar. Warum der Angriff auf das Waffenlager im Gotteshaus ausgerechnet zur Gebetszeit stattfinden musste, ist im Video kein Thema.

Israel wird den PR-Vorteil nicht lange genießen können. Denn zumindest eine internationale Fernsehstation berichtet seit Beginn der israelischen Angriffe direkt aus Gaza, und das rund um die Uhr: der arabische Sender Al Jazeera. Ayman Mohyeldin, der Reporter in Gaza, beobachtet das Kampfgeschehen aus sicherer Entfernung, vom Dach eines Hochhauses. Wenn er mit Helm und blauer kugelsicherer Weste geschützt das Geschehen im Küstenstreifen kommentiert, widerspricht er oft und gerne Behauptungen der Israelis. So betont er immer wieder, dass Zivilisten getötet werden, wo Israel Terroristen treffen wollte.

Aber auch Al Jazeera zeigt nur die eine Seite der Realität. So wurde gestern weitgehend ausgeblendet, dass die Hamas einmal mehr israelische Städte mit Raketen beschossen hat. Und wenn der seit acht Jahren anhaltende Beschuss Israels mit Kassam-Raketen erwähnt wird, erfolgt immer der Zusatz, dass dabei kaum Menschen umgekommen seien.

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