„Werdet erwachsen“ USA belächeln deutsche Reaktion auf NSA-Affäre

Die US-Regierung verstummt in der NSA-Affäre. Für manche ist Obama damit „genauso schlimm wie George W. Bush“. Doch viele Amerikaner unterstützen den Abhörskandal. Die Empörung der Deutschen empfinden sie als lächerlich.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama bei einem G8-Gipfel in 2012. Im Zuge der NSA-Affäre steht die Frage im Raum, wie lange der Obama die Kanzlerin schon belogen hat. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama bei einem G8-Gipfel in 2012. Im Zuge der NSA-Affäre steht die Frage im Raum, wie lange der Obama die Kanzlerin schon belogen hat.

(Foto: dpa)

WashingtonDa stand er damals - auf der Bühne an der Berliner Siegessäule - und lobte das deutsch-amerikanische Verhältnis in schillerndsten Farben. „Völker der Welt - schaut auf Berlin! Schaut auf Berlin, wo Deutsche und Amerikaner gelernt haben zusammenzuarbeiten und einander zu vertrauen“, rief der US-Senator und Präsidentschafts-Kandidat Barack Obama im Juli 2008 den Menschen zu. Die Menge jubelte frenetisch, denn nach den schwierigen Jahren mit George W. Bush wirkte Obama wie jemand, auf den man sich wieder verlassen kann.

Fünf Jahre später schauen die Völker der Welt auf Berlin und sehen eine düpierte Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren Handygespräche den Amerikanern wohl mehr als ein Jahrzehnt als Infoquelle dienten. Sie lesen Berichte über eine heimliche Hightech-Spionageeinrichtung auf dem Dach der US-Botschaft im Herzen der deutschen Hauptstadt. Und sie hören Hinhalteparolen und rhetorische Allgemeinplätze aus Washington über diesen gewaltigen internationalen Geheimdienstskandal.

Jüngstes Beispiel aus dem Phrasenfundus: „Die heutige Welt ist technisch stark miteinander verbunden, der Fluss von großen Datenmengen bisher einzigartig.“ Das sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden, in einer Reaktion auf Berichte, nach denen Obama nichts von den Spähangriffen auf 35 internationale Spitzenpolitiker wusste. Der entscheidende Satz ihrer E-Mail an die Presse war aber der letzte: „Ich werde keine Details über unsere internen Diskussion bekanntgeben.“ Das Weiße Haus verpasst sich selbst einen Maulkorb.

Obama selbst verliert kein Wort über die Affäre - bei öffentlichen Auftritten umschifft er das Thema. Selbst als er am Montag den neuen FBI-Direktor im Amt begrüßt und dabei über die „sich konstant ändernden Bedrohungen wie Terrorismus und Internetsicherheit“ spricht, kommt ihm die NSA nicht über die Lippen. Sein Sprecher Jay Carney referiert später minutenlang vor US-Reportern, wie die neue technische Welt auch eine ausgedehntere Geheimdienstarbeit notwendig macht. Die Frage, wie das Ausspähen des Handys der Bundeskanzlerin denn Terroranschläge verhindere, mochte er aber nicht beantworten.

Vieles von dem bleibt also im Dunklen, was die Obama-Regierung tut, um das Vertrauen zu ihren Partnern wieder herzustellen. „Wir sprechen bereits über diplomatische und geheimdienstliche Kanäle mit den Deutschen, Franzosen und Ländern rund um die Welt, wie Brasilien und Mexiko“, versichert Obamas stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes. Doch mit einem öffentlichen Eingeständnis von Schuld oder einer formellen Entschuldigung des Präsidenten sollte niemand rechnen. Denn Obama ist wegen der Affäre innenpolitisch nicht unter Druck. Es gibt viele Unterstützer für die NSA-Taktik.

Kritik an Reaktionen der Europäer
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11 Kommentare zu "„Werdet erwachsen“: USA belächeln deutsche Reaktion auf NSA-Affäre"

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  • The Nation of the Brave hat hier wohl ihr wahres Gesicht gzeigt. Und in welch rüpelhafter Weise sich einige Politiker in den USA zu Wort melden, zeugt von dem noch immer vorherrschenden überheblichen Hegemonie-Anspruch.
    Es ist unverständlich, wsarum in Berlin beim Wissen um die Abhörversuche aus der US Botschaft nicht längst Störmöglichkeiten installiert wurden bzw. werden, damit diesem Treiben ein Ende bereitet wird. Wie moralisch kaputt die USA sind, zeigte sich spätestens seit G.W.Bush und Donald Rumsfeld. Diese Art von Selbstherrlichkeit sollte schnell zum ÄErliegen gebracht werden.

  • Da hat Max Boot schon recht, mit seiner Aussage, werdet endlich Erwachsen. was denkt ihr den was die Russen oder die Chinesen machen, mit ihrem Geheimdienst. Die Amerikaner haben sich einfach erwischen lassen und stehen jetzt mit herunter gelassener Hose da. In einer Sache kann ich die Amerikaner verstehen, wenn ich das Politische Theater in Italien sehe, müsste ich auch wissen woran ich bin, mit den Europäer. Den wenn man Weltpolitik betreiben will, langt Provinzpolitik nicht, wenn man auf gleicher Augenhöhe sein will.

  • "„Der Präsident sollte aufhören, sich zu entschuldigen und defensiv zu sein“, meint der republikanische Abgeordnete Peter King, einer der führenden US- Sicherheitspolitiker. „Die Wahrheit ist, dass die NSA Tausende Leben gerettet hat, nicht nur in den USA, sondern in Frankreich, Deutschland und ganz Europa.“"

    Alles klar und diese Leben wurden gerettet, weil man Merkels Handy abgehört hat! Das Problem der Amerikaner ist das, was es schon immer war: sie messen mit zweierlei Maß und sie sind eben nicht nur überparteilicher Anwalt von edelsten Menschheitsinteressen sondern auch ein rechthaberisch- egomanisch-eigennütziger Südstaatenpatriarch, der nicht wahrhaben will, dass er Gleicher unter Gleichen ist. Aber Hochmut kommt vor dem Fall.

    Warten wir mal ab, wie sich der Goldpreis entwickelt. Wenn es so weiter geht und die Herren des Papieres ihre Macht verlieren, bricht er dem Dollar das Genick und damit dem Hebel, mit dem die Amis sich ihren Übermut von der Welt finanzieren lassen. Ob wir dann wirklich in einer besseren Welt leben, wer weiss. Besser wäre es, Amerika käme zur Vernunft und wieder auf den Boden.

  • Sehr guter Kommentar!
    Klare und wahre Worte!

  • Glenn Greenwald:
    "Hier geht es eindeutig um politische Macht und Wirtschaftsspionage."
    Glenn Greenwald: "Ist Angela Merkel ein Terrorist? Sind 60 oder 70 Millionen spanische und französische Bürger Terroristen?"
    Glenn Greenwald: NSA-Spionage dient nicht dem Anti-Terror-Kampf. Nichts hiervon hat mit Terrorismus zu tun.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nur ein Narr belächelt ein Land, dass er im Grunde nicht kennt. "Die Amerikaner" haben allen Grund, sich selbst zu belächeln. Sind sie doch mit der schwachen Bildung eines Durchschnittsamerikaners im Grund nicht in der Lage ein anderes Land zu beurteilen. Der (Durchschnitts)-Amerikaner hat selbst nichts zu lachen, da er in der Regel nie aus seinen Vereinigten Staaten von Amerika herausgekommen ist. Er hat nie über den Tellerrand seiner Landesgrenzen hinausschauen können oder dürfen. Berichterstattung über Europa, geschweige über Deutschland findet für den Durchschnittsamerikaner in seinen Medien nur spärlich statt. Und für den Kurzreisende US-Bürger, der sich mit einem gerade mal 10Tagestrip in Europa aufhält, besteht Deutschland nach einem Tag in einer Stadt mit Fachwerkhäusern und der Stadt am nächsten Tag zB. Wien, nur aus einigen Stresserinnerungen. Mein Fazit: Der Amerikaner staunt im Grunde nur über seine Regierung, die ihm immer wieder neue, abenteuerliche Geschichten auftischt, er merkt es nur nicht.
    Zum Thema Freundschaft zwischen USA und Deutschland: Der ehemalige Botschafter in Berlin sagte vor ein paar Tagen im Deutschen Fernsehen: Die USA sind keine Freunde Deutschlands, sondern lediglich Partner (im Rahmen ihrer Interessen). Das war ehrlich und darauf sollte sich die Bundesregierung einstellen und nur darauf! Der Durchschnittsamerikaner wird auch diesen Satz nicht begreifen, da in der Regel keine Freunde ausserhalb seines Landes hat und im Verhältnis zu seiner Regierung und dem schnüffelnden Machtapparat der USA im Land schon gar nicht!

  • Wir ernten was wir säen. Eine europ. Armee ist keine Option weil wir es niemals zulassen werden, dass Brüssel über den Einsatz deutscher Soldaten entscheidet. Wir haben kein eigenes Satelliten-System, also sind wir auf das der USA angewiesen. Von den tecnischen und pol. Details mal abgesehen, haben wir nicht den Mumm unsere Souverenität unseren "Freunden und Verbündeten" gegenüber durchzusetzen. Nicht einmal im europ. Haus können wir für Ordnung sorgen- siehe die Reaktion von Herrn Cameron. Der findet das alles wunderbar und ganz normal und denkt nicht mal daran was zu ändern. Frau Merkel wollte das Thema aus dem Wahlkampf raushalten. Kann man nachvollziehen. Und dass sie sic entscieden hat es jetzt doch aufzugreifen hat mich (positiv) überrascht. Nur bin ich skeptisch was da bei rumkommt. Ein Stück Papier, das besagt wir spionieren uns nicht mehr aus- das höchste der Gefühle. Lächerlich. Wer seine Souverintät durchsetzen will muss das durch Taten machen und nicht in dem man 20 mal am Tag eingeschnappt "das geht gar nicht" murmelt. Das Abkommen wird kommen. Diesmal wird sich Frau Merkel höchstpersönlich auf die Seifenkiste stellen und das Ende des ganzen verkünden. Alles wird bleiben wie bisher. Selbst schuld BR Deutschland.

  • Nationale Interessen zu verteidigen hat gerade im angelsachsischen Raum noch nie Verteidigung im Kern der Sache gemeint, sondern schon immer eine Komponente der wirtschaftlichen Interessen mit bedeutet. Der NSA Chef hat schon zu Beginn des Jahrtausends gemeint, dass Europa keine Technologie hätte, die es sich zu stehlen lohnte.

    Allerdings wären die Angebotspreise von Airbus zu kennen, für Boing unbestreitbar ein bedeutender Wettbewerbsvorteil. Nationale Interessen eben. D.h., entweder Geld, Investitionen, Arbeitsplätze in Europa oder in Amerika.

    Investitionen in sichere Kommunikation ist eine Voraussetzung aber nicht ausreichend. Deutschland muss endlich wieder uneingeschränkt souverän über das eigene Territorium verfügen können. Es soll endlich das Besiegtenmäntelchen ablegen und alle Sonderrechte aller Aliierten einseitig, wenn es sein muss, kündigen.

    Die Aliierten werden genau so zurückhaltend reagieren, wie bei der Wiedervereinigung. Keinem wird es recht sein, aber niemand wird es verhindern (können). Gerade gegenüber den europäischen Aliierten ist Deutschland in einer so guten Position der Stärke, wie schon lange nicht mehr, oder vielleicht wie noch nie seit dem zweiten Weltkrieg.

    Es ist für mich ein Skandal, dass es überhapt so etwas gibt, wie ein geheimes Gesetz. Dass dadurch anderen Staaten gegenüber deutschen Bürgern Sonderrechte eingeräumt werden, die der deutsche Staat nicht ansatzweise gegenüber seinen Bürgern hat, macht das Ganze nur schlimmer.

    Ich bin schon neugierig, ob die große Koalition das Rückgrat hat seine Wähler vor den Aliierten Übergriffen zu schützen, oder ob sie es einfach aussitzt. Da die nächste Wahl geradezu ideal weit weg ist, wette ich auf die zweite Variante.

  • Interessant, dass die Amis durch sowas belustigt werden.

    Angelsächsischer Humor oder einfach nur - so wie immer - [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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