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23.02.2006 
Umwelt in China

Werkbank der Welt verkommt im Müll

von Andreas Hoffbauer

Die Sonne über Peking ist an diesem Tag mal wieder nur hinter einem Dunstschleier zu ahnen. Die Luft hängt voller Staub und Benzingeschmack.

Die Serie von Chemie-Unfällen in China reißt nicht ab: Unser Archivbild vom 24.11.2005 zeigt den vergifteten Songhua-Fluss in Harbin.Lupe

Die Serie von Chemie-Unfällen in China reißt nicht ab: Unser Archivbild vom 24.11.2005 zeigt den vergifteten Songhua-Fluss in Harbin.

PEKING. Wer das Fenster öffnet, bekommt statt morgendlicher Frische eine Ladung Chemie ins Haus. Und zum Kaffeekochen darf man das Wasser aus dem Hahn nicht benutzen, es ist stark mit Schwermetallen belastet.

Chinas Umweltverschmutzung ist für mehr als eine Milliarde Menschen zur täglichen Lebensgefahr geworden. Ob Milch, Fisch oder Gemüse – alles ist mit Vorsicht zu genießen. Die Fische schwimmen in verseuchten Gewässern, die Kühe weiden auf vergifteten Wiesen, das Gemüse wächst auf überdüngten Feldern. „Chinas Umweltprobleme werden in 15 Jahren vier bis fünfmal schlimmer sein, wenn das Land seinen Energieverbrauch und die Verschmutzung weiter so fortsetzt“, warnt schon Zhang Jianyu von der Pekinger Tsinghua-Universität. Trübe Aussichten: Von den 20 Städten mit der größten Luftverschmutzung weltweit befinden sich bereits 16 in China.

Vor allem die Wasserversorgung wird im Reich der Mitte zum immer größeren Problem. Alle großen Flüsse sind vergiftet, von den 27 großen Seen nur zwei nicht völlig verseucht. Laut Weltbank haben 700 Millionen Chinesen keinen Zugang mehr zu sauberem Wasser – jeder zweite Bewohner im bevölkerungsreichsten Land der Welt.

Diese Woche wurden wieder 20 000 Menschen durch einen Chemieunfall von der Wasserversorgung abgeschnitten. Der Fluss Yuexi in der Provinz Sichuan war so verseucht, dass die Behörden die Versorgung für die Stadt Guanyin untersagten.

Es klingt paradox: Guanyin ist ein Fortschritt. Diesmal, so scheint es, wurden Behörden und Öffentlichkeit schnell informiert. Im November, als nach einem schweren Chemie-Unfall in Chinas Nordosten die Trinkwasser-Versorgung für Millionen Menschen unterbrochen wurde, verschwiegen Verursacher und Offizielle lange Zeit, dass Krebs erregende Substanzen in den Fluss gelangt waren. Viele Menschen tranken weiter die Giftbrühe.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Wir wollen faire Entscheidungsprozesse"

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