„Weshalb schenkt die Welt den Atomwaffen des Irans so wenig Aufmerksamkeit?“: Iran übt sich in „aktiver Neutralität“

„Weshalb schenkt die Welt den Atomwaffen des Irans so wenig Aufmerksamkeit?“
Iran übt sich in „aktiver Neutralität“

Der vage Verdacht, Massenvernichtungswaffen zu besitzen und Terroristen zu unterstützen, reichte Washington als Begründung für den Irak-Krieg. Zwei Argumente, die noch viel stärker für Iran gelten, das US-Präsident George W. Bush schon vor mehr als einem Jahr zur „Achse des Bösen“ zählte.

hn/law/mzi DÜSSELDORF. Wenn der Krieg gegen Bagdad beendet sei, werden sich die USA auf Teheran konzentrieren und das iranische Programm zur Urananreicherung stoppen, sagt Gary Samor, Direktor des Internationalen Instituts für Strategische Studien (London).

Unverhohlen werden die USA in Jerusalem gedrängt, sich des Problems anzunehmen. „Weshalb schenkt die Welt den Atomwaffen des Irans so wenig Aufmerksamkeit?“ fragt Uzi Arad, Direktor des Instituts für Politik und Strategie, der bis 1999 wichtige Positionen im Geheimdienst Mossad bekleidete. Kein Wunder, dass sich Teheran in einer prekären Lage fühlt und sich auffallend in Neutralität übt. Zwar bemüht sich das Land, auch mit Hilfe der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA), um den Nachweis, dass sein Atomprogramm nur zivilen Zwecken diene. Doch gilt unter Experten als ausgemacht, dass die kürzlich bekannt gegebene Anreicherung von Uran für Atombomben genutzt werden kann – gerade weil Teheran sich so nach Nordkoreas Vorbild ein Abschreckungspotenzial aufbauen kann.

Teheran hält sich mit Kritik zurück

Selbst als zu Beginn des Irak- Kriegs Raketen versehentlich auf iranischem Gebiet niedergingen, hielt sich Teheran mit Kritik zurück. Iran hat in diesem Konflikt für sich eine Politik der „aktiven Neutralität“ definiert. Was bedeutet, dass Iran zwar das militärische Eingreifen der USA ablehnt, den Sturz von Saddam Hussein aber begrüßen würde. Parallelen zum Afghanistan-Krieg drängen sich auf: Mit stiller Diplomatie hatte Iran die USA unterstützt, sowohl bei der Reaktivierung des früheren afghanischen Königs Zahir Schah in Rom als auch bei der Durchsetzung von Hamid Karsai als Staatschef. Dabei war es Teheran, das die Mudschahedin auf Linie brachte.

„Als Dank dafür wurden wir in die Achse des Bösen eingereiht“, erregt sich Amir Mohebian, Chefredakteur der erzkonservativen Tageszeitung „Resalat“. Bei den Traditionalisten sitzt das Misstrauen über die USA tief. „Unser Land ist und bleibt von Amerika unabhängig“, sagt Mohebian. Auch dann, wenn mit dem Irak die US-Präsenz in der Region weiter wächst. Ob Afghanistan, Irak, Kuwait, die Türkei oder gar Usbekistan: Auf all diese iranischen Nachbarn nehmen die USA direkt oder indirekt Einfluss, politisch oder gar militärisch.

Auch in den USA wird anerkannt, dass sich Teheran um einen eigenen Weg zur Demokratie bemüht. „Es gibt einen großen Unterschied zwischen Nordkorea und dem Irak einerseits und Iran andererseits“, räumt Vizeaußenminister Richard Armitage ein: Während es sich bei den ersten beiden um Diktaturen handele, sei Irans Präsident Mohammed Chatami frei gewählt worden.

Doch Teherans Suche nach einem eigenen Weg zur Demokratie kann durch den Krieg im Irak empfindlich gestört werden. Denn das iranische Machtgefüge mit seinem ständigen Tauziehen zwischen Reformern und Konservativen ist zerbrechlich. Und es sind Publizisten wie der Resalat-Chefredakteur, die glauben, dass der Irak-Krieg Letzteren in die Hände spielt. Wenn eine äußere Bedrohung bestehe, wendeten sich die Menschen jenen zu, die das Land bewahren könnten, lautet seine These. Der Erfolg der Konservativen werde sich bald zeigen: bei den Parlamentswahlen 2004 und den Präsidentschaftswahlen 2005.

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