West-Mossul Irakische Regierungskräfte rücken weiter vor

Der Anti-IS-Offensive ist es gelungen weiter in den Westen Mossuls vorzudringen. Jedoch gestaltet sich der Kampf um die Westhälfte der Stadt im Vergleich zur Rückeroberung des Ostens als weitaus schwieriger.
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Was aus einem Ort wird, in dem der IS gewütet hat
Das letzte Mahl
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Auf dem Boden in der dreckigen Küche steht die wohl letzte Mahlzeit der IS-Bombenbastler von Baschika. Eine Kanne und zwei Töpfe, einer leer, im anderen ein verschimmelter Eintopf. Kelle und Löffel liegen unbenutzt daneben. Die Köche, Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat, sind wohl tot. Hinterlassen haben sie versteckte Sprengsätze, die überall in der nordirakischen Geisterstadt darauf lauern, zu töten.

Ausgeklügeltes Tunnelsystem
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Die Erde türmt sich überall in dem einst von Christen bewohnten Haus. Denn die Dschihadisten mischten im dunklen Badezimmer zwischen Eimern und Apparaten nicht nur die Chemikalien für Bomben. Sie gruben während ihrer Herrschaft über Baschika seit 2014 auch einige Tunnel. Wo die hinführen? Das weiß niemand. Die Kämpfer der Terrormiliz sollten in einem Haus verschwinden und an ganz anderen Orten wieder auftauchen können.

Geruch von Curry in der Luft
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Ismael Abdel Rahman lebte in Baschika und ist nun als Besucher wiedergekommen. Er will seiner Familie zeigen, was von ihrem Haus und dem Gewürzladen übrig geblieben ist. Niedergeschlagen steht er vor den verbogenen Türen. Es riecht immer noch nach Kurkuma und Curry, aber der Verkaufsraum ist durchwühlt und chaotisch. „Es war zu viel Schmerz, als ich kam und den Laden so gesehen habe“, sagt der Mann.

Geisterstadt
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Die Straße ist leer. Genau wie jeder Platz, jedes Haus und auch die Kirche des Ortes, deren Scheiben eingeschmissen sind, das Innere verwahrlost. Es herrscht absolute Stille, die nur zeitweise durch das Grollen des Himmels unterbrochen wird: Kampfjets, die Bomben auf das nahe Mossul werfen, in dem der IS noch immer einen Großteil des Stadtgebietes kontrolliert.

Bürokratie à la IS
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Sie beschmierten die Wände mit Filzstift: „Entweder der Sieg oder sterben mit Gottes Willen“ steht dort geschrieben. In einer Schublade findet sich ein Papier. „Erlaubniskarte“ steht drauf, und daneben „Islamischer Staat“. Ein Kämpfer reichte damit einen dreitägigen Urlaub ein. Ein Stempel zeigt an: Der Bitte wurde stattgegeben. Bürokratie à la IS.

Herrscher über eine leere Stadt
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Seit November ist die IS-Herrschaft vorbei. Mit der Offensive der irakischen Armee und seiner Verbündeten auf Mossul wurde auch das nahe Baschika von kurdischen Kämpfern eingekreist und schließlich erobert. Wohl mehr als 100 IS-Kämpfer wurden getötet. Sie hatten über eine leere Stadt geherrscht. Die Bewohner, vor allem Jesiden und Kurden, waren geflohen, kurz bevor die Extremisten die Stadt überrannten. Nun ist sie zerstört.

Explosives Vermächtnis
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0 bis 40 Prozent der Häuser seien zerstört, erzählt General Bahram Jasin von den kurdischen Peschmerga, die ihr Lager am Stadtrand aufgebaut haben. Und Gefahr bestehe weiterhin: „Wir haben eine Karte gefunden, die die Sprengfallen des IS zeigt. Auf dieser einzigen Karte sind 2010 Sprengsätze eingezeichnet.“ Die Räumung wird Monate dauern. Aber ob die ehemaligen Bewohner dann zurückzukehren wollen, ist fraglich.

MossulNach der Eroberung des Flughafens von Mossul sind regierungstreue Kräfte am Samstag weiter in den von IS-Milizen gehaltenen Westen der nordirakischen Stadt vorgedrungen. Soldaten seien in mehrere Wohngebiete im Süden eingerückt und stünden weniger als drei Kilometer vor der Moschee in der Altstadt, sagten Befehlshaber der von den USA unterstützen Regierungskräfte. In dieser Moschee hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi 2014 einen islamischen Gottesstaat ausgerufen. Rund Tausend Zivilisten, überwiegend Frauen und Kinder, passierten am Samstag die Frontlinie im Südwesten der Stadt und brachten sich in Sicherheit. Der Flughafen war am Donnerstag erobert worden.

An der Anti-IS-Offensive sind rund 100.000 Kämpfer beteiligt, darunter irakische Soldaten, sowie schiitische und sunnitische Milizen. Sie werden von westlichen Beratern unterstützt, die Luftangriffe koordinieren. Im vergangenen Monat hatten sie die Osthälfte der Stadt, die vom Tigris geteilt wird, unter ihre Kontrolle gebracht. Kommandeure gehen davon aus, dass der Kampf um die Westhälfte schwieriger wird. In den engen Gassen sei der Einsatz von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen nicht möglich.

  • rtr
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