Westafrika
In Simbabwe wächst der Druck auf Mugabe

Im afrikanischen Krisenstaat Simbabwe hat Präsident Robert Mugabe nach Medienberichten vom Sonntag Militär und Polizei in Alarmbereitschaft versetzen lassen. Die Maßnahme erfolge mit Blick auf mangelnde Disziplin in den Reihen der Armee und angesichts des wachsenden internationalen Drucks auf Mugabe, von seinem Amt zurückzutreten.

HB JOHANNESBURG. Vergangenen Montag waren Soldaten erstmals plündernd und prügelnd durch die Hauptstadt Harare gezogen. Das UN- Kinderhilfswerk Unicef stellt sich unterdessen in den nächsten Wochen auf einen sprunghaften Anstieg der Cholera-Erkrankungen in Simbabwe ein. Angesichts der grassierenden Epidemie rief der britische Premierminister Gordon Brown die internationale Gemeinschaft am Samstag zu entschlossenem Handeln gegen Mugabe auf.

„Genug ist genug“, erklärte Brown in London. Das müsse die Welt Mugabe klarmachen. „Der Staat ist nicht fähig oder will seine Bürger nicht schützen. Das ist nun ein internationaler, kein nationaler Notfall mehr.“ Die Welt müsse zusammenstehen, „um Menschenrechte und Demokratie zu verteidigen“. Nach dem südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu forderte auch der Erzbischof von York, einer der höchsten Würdenträger der Anglikanischen Kirche, den Sturz Mugabes. Er und sein Regime müssten aus dem Amt gedrängt und vor den Haager Internationalen Strafgerichtshof gestellt werden, schrieb John Sentamu in der Sonntagszeitung „Observer“. „Die Zeit ist gekommen, in der sich Mugabe für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten muss.“ Die Welt könne nicht länger passiv zuschauen.

In Simbabwe, das politisch wie wirtschaftlich in der schlimmsten Krise seiner Geschichte steckt, ist das öffentliche Gesundheitssystem so gut wie zusammengebrochen. Auch die Wasserversorgung funktioniert nicht. Im Zentrum der Krise steht der Kampf des seit 28 Jahren regierenden Mugabe um den Erhalt seiner Macht.

Die staatlich kontrollierte Zeitung „The Herald“ berichtete am Samstag, dass einige der in Harare festgenommenen Soldaten vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollen. Im Nachbarland Südafrika meldeten Sonntagszeitungen dagegen, mehrere Soldaten seien bereits erschossen worden. Hintergrund der Ausschreitungen ist auch die Wirtschaftsmisere mit Hyperinflation und leer gefegten Geschäften.

Der Unicef-Chef in Harare, Roeland Monasch, sagte der BBC am Sonntag, die Zahl der Cholera-Fälle in Simbabwe könne möglicherweise auf 60 000 hochschnellen. Diese Prognose liege viermal höher als die Zahl, von der man bislang ausgehe. Sollte sich die Epidemie drastisch verschlimmern, müsse mit weiteren 2700 Todesopfern gerechnet werden, sagte Monasch. Bislang sind nach offiziellen Angaben knapp 600 Menschen an der durch verschmutztes Wasser übertragenen Krankheit gestorben. Die Krankheit hat sich mittlerweile auch in den Nachbarländern Südafrika und Botsuana ausgebreitet. In Südafrika hat es bisher insgesamt acht Cholera-Tote gegen, in Botsuana zwei.

Die südafrikanische Regierung hat Armee-Sanitäter in den Grenzort Musina beordert, um bei der Versorgung der über die Grenze strömenden erkrankten Simbabwer zu helfen. Südafrikas Regierung schickte am Sonntag eine Delegation ins Nachbarland, um den Hilfsbedarf auszuloten. Kommende Woche will sich auch der regionale Staatenbund SADC mit der Krise beschäftigen.

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