Westafrika
Rebellen in Nigeria greifen Ölhafen an

Der Konflikt in Nigeria zwischen der Regierung und den Rebellen im ölreichen Nigerdelta droht landesweit zu eskalieren. Die Rebellenorganisation "Bewegung für die Befreiung des Nigerdeltas" (Mend) hat die Verantwortung für den Anschlag auf eine strategisch wichtige Hafenanlage in der Wirtschaftsmetropole Lagos vom späten Sonntag übernommen.

KAPSTADT. Es war der erste größere Angriff der Rebellen jenseits ihres eigentlichen Operationsgebietes. Vertreter der Ölindustrie warnen bereits seit langem davor, dass die Milizen im Delta sowohl über die Waffen als auch die Logistik zur Durchführung solcher Anschläge verfügten.

Bei dem Angriff der Rebellen waren nach deren Angaben das lokale Öllager des strategisch wichtigen Tankeranlagestegs Atlas Cove und mehrere dort angedockte Tanker in Flammen aufgegangen. Der Steg ist eine wichtige Einfahrtsstelle für Öltanker. Bereits in den Vortagen hatten die Rebellen nach eigenen Angaben mehrere Ölpipelines im Nigerdelta detoniert und auch einige Geiseln genommen.

Über die Zahl der Getöteten herrschte gestern noch Unklarheit. Offenbar sind mindestens neun Matrosen der nigerianischen Marine, die den Komplex bewachten, verletzt oder getötet worden. Die Regierung wollte zunächst nur eine Explosion und ein Feuergefecht bestätigen.

Sollte es sich bei der Explosion tatsächlich um einen Angriff der Rebellen handeln - woran Beobachter wenig Zweifel haben - würde dies eine Eskalation der Lage in Nigeria bedeuten. Alle vorherigen Angriffe der Rebellen hatten sich auf die weiter im Südosten gelegenen Bundesstaaten Rivers und Delta States beschränkt. Die immer größere Zahl an Anschlägen auf Ölanlagen hatte bereits zur Folge, dass Nigerias Ölproduktion in den vergangenen drei Jahren um mehr als ein Viertel auf derzeit kaum noch zwei Millionen Barrel am Tag gesunken ist.

Angesichts der jüngsten Meldungen sind die Ölpreise an den Rohstoffmärkten deutlich gestiegen. Der Preis für US-Rohöl unterbrach die Talfahrt der vergangenen Handelstage und sprang über die Marke von 60 Dollar. Im Nachmittagshandel stand der Preis bei 60,47 Dollar, nachdem er zuvor noch zeitweise auf ein Tagestief bei 58,88 Dollar abrutschte.

Seit mehr als einem Jahrzehnt herrscht im Nigerdelta ein Bürgerkrieg. 2007 hatte sich die Lage durch die Bildung der Mend-Rebellen weiter verschärft. Seitdem sind mehr als 250 ausländische Ölarbeiter von Aufständischen entführt worden. Allerdings hatte sich die stark angespannte Lage mit dem Niedergang des Ölpreises im vergangenen Jahr für einige Zeit spürbar entspannt. Erst vor zwei Monaten waren die Kämpfe durch die Großoffensive der Regierung gegen die Rebellen neu aufgeflammt.

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