Westen bedauert Versagen
Zehntausende gedenken der Opfer von Srebrenica

Zehn Jahre nach dem Massaker von Srebrenica haben am Montag zehntausende Angehörige und Politiker aus aller Welt der Opfer gedacht.

HB SREBRENICA. Die identifizierten sterblichen Überreste einiger hundert moslemischer Männer wurden bei einer zentralen Gedenkfeier in der ostbosnischen Gemeinde erneut bestattet. Die westliche Staatengemeinschaft bekräftigte ihr Bedauern, die schlimmste Gräueltat an Zivilisten in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nicht verhindert zu haben. Zugleich forderten sie erneut die Festnahme der zwei meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher, Ex-Serbenführer Radovan Karadzic und General Ratko Mladic. Trotz Kritik aus dem eigenen Lager kam auch der serbische Präsident Boris Tadic zu der Gedenkfeier nach Srebrenica. Viele Serben leugnen bis heute die Hinrichtungen und verweisen stattdessen auf ihre eigenen Opfer. Bei dem Massaker am Ende des Bosnien-Krieges waren vor zehn Jahren 8 000 moslemische Jungen und Männer von serbischen Soldaten erschossen worden.

Weinende Frauen in weißen Kopftüchern berührten bei der Gedenkfeier mit 40.000 bis 50.000 Teilnehmern die 610 in grüne Tücher eingehüllten Särge, die unter grau verhangenem Himmel auf dem Potocari-Friedhof in Srebrenica aufgestellt waren. Tausende Männer trugen die zylindrischen Boxen - auf jedem eine Nummer und ein Name - auf ihren Schultern zu den Gräbern. Jede Familie beerdigte ihre Angehörigen selbst.

„Unser Schmerz geht weiter, jedes Jahr kommen wir, um jemand anders zu beerdigen“, sagte ein Frau. Während ein Chor das „Srebrenica Inferno“ besang, suchten die trauernden Familien die frisch ausgehobenen Gräber nach den letzten Ruhestätten für ihre Väter, Ehemänner und Söhne ab. Die Moslems wendeten sich gen Mekka und beteten.

Die getöteten Moslems hatten jahrelang in Massengräbern gelegen, in denen sie von den bosnisch-serbischen Truppen nach dem Massaker im Juli 1995 verscharrt worden waren. Einige Gräber wurden erst vor kurzem ausgehoben. Derzeit warten noch etwa 7 000 Säcke mit Leichenteilen darauf, Opfern zugeordnet zu werden. Etwa 20 Massengräber um Srebrenica sind noch nicht ausgehoben.

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