Westen Chinas
Mord an Wanderarbeitern löst Unruhen aus

Nach den Unruhen in Chinas Westen beschuldigen sich Regierung und Uiguren gegenseitig. Die Lage ist unübersichtlich, eine unabhängige Prüfung kaum möglich. Fest steht, die Krawalle begannen mit einer friedlichen Demonstration von 1 000 bis 3 000 Menschen, die die Aufklärung eines Mordes gefordert hatten.

PEKING. Am Tag nach den heftigen Unruhen herrschte am Montag in Urumqi gespannte Ruhe. Während im Staatsfernsehen noch immer die blutigen Bilder vom Vortag liefen, riegelten die Sicherheitskräfte mehrere Viertel der Hauptstadt der Provinz Xinjiang im äußerten Westen Chinas ab. Am Abend wurde eine Ausgangssperre verhängt. Die Regierung wolle „mit den stärksten Maßnahmen und Mitteln“ die Stabilität der Region sichern, drohte Regionalpräsident Nur Bekri nach Angaben der offiziellen Agentur Xinhua. Bereits in der Nacht war der Internetzugang in der Region behindert worden, zum Teil fielen auch die Handynetze aus.

Die kommunistische Regierung im rund 2 000 Kilometer entfernten Peking hat allen Grund, die Entwicklung an seiner strategisch wichtigen Westgrenze unter Kontrolle zu halten. Die Provinz Xinjiang gilt neben Tibet zu den größten ethnischen Krisenherden der Volksrepublik. Zudem ist Xinjiang Chinas größtes Gasfördergebiet und hat große Ölvorkommen. Und schließlich gehören viele der hier lebenden muslimischen Uiguren zu den Heerscharen von Wanderarbeitern, die in der Wirtschaftskrise immer häufiger arbeitslos und zu einer weiteren Konfliktquelle werden.

Wanderarbeiter scheinen auch bei den aktuellen Unruhen der Ausgangspunkt gewesen zu sein. Zwar blieb der Ablauf der Vorgänge vom Wochenende zunächst unklar. Wie bei den Unruhen in Tibet vor gut einem Jahr war eine unabhängige Prüfung kaum möglich. Doch begannen die Krawalle nach Angaben von Exil-Uiguren und westlichen Bericherstattern vor Ort als friedliche Demonstration von 1 000 bis 3 000 Menschen. Sie hätten eine Untersuchung einer Auseinandersetzung zwischen Uiguren und Han-Chinesen in einer Spielzeugfabrik in Südchina gefordert. Dabei waren in der vergangenen Woche zwei Uiguren getötet worden, nachdem Gerüchte kursierten, dass Angehörige der muslimischen Minderheit zwei Chinesinnen vergewaltigt hätten. Bislang wurde aber nur ein Mann festgenommen, der die Gerüchte im Internet verbreitet haben soll.

und chinesischen Sicherheitskräften in der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang ist die

In Urumqi schlug der Protest dagegen offenbar in Gewalt um, als sich die Teilnehmer weigerten, die Demonstration zu beenden. Von den Toten seien 75 auf der Straße gestorben, die restlichen Opfer erlagen nach den Worten von Liu Yaohua, Polizeichef der Region, ihren Verletzungen im Krankenhaus. Es habe Hunderte Festnahmen gegeben, so die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. 90 Demonstranten würden noch gesucht. Das chinesische Fernsehen zeigte Bilder der Zerstörung und blutende Menschen, die offensichtlich zu den Han-Chinesen gehören. Zu sehen waren auch in Brand gesetzte Autos, Busse und Geschäfte. Die Zahl der Todesopfer ist nach offiziellen Angaben auf 156 gestiegen.

Die Provinzregierung von Xinjiang warf der im Exil lebenden Uiguren-Anführerin Rebiya Kadeer vor, die Unruhen ferngesteuert zu haben. Dagegen wies Kadeers in München beheimateter Weltkongress der Uiguren Peking die Schuld zu. Polizisten hätten in Urumqi mit Polizeifahrzeugen gezielt Demonstranten überfahren und wahllos auf Protestierer geschossen, sagte der Vize-Chef des Weltkongresses, Asgar Can. Dies hätten Uiguren am Sonntag der Exilvertretung berichtet, bevor Peking die Leitungen ins Ausland habe lahmlegen können.

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