„Westen darf sich nicht einschüchtern lassen“: Streit liefert Extremisten neue Munition

„Westen darf sich nicht einschüchtern lassen“
Streit liefert Extremisten neue Munition

Muslime gehen mit Vehemenz gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen vor und greifen allerorts europäische Botschaften an. Diese wollen sich nun mit diplomatischen Mitteln zur Wehr setzen. Eine Islamwissenschaftlerin rät: Der Westen solle sich „nicht einschüchtern“ lassen.

HB OSLO/STOCKHOLM/KAIRO. Die Empörung über die Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen könnte nach Einschätzung von Sicherheitsexperten Islamisten-Gruppen wie Al-Kaida einen Vorwand für neue Gewalt liefern.

„Verständnis und Respekt für religiöse Werte sind gut, aber einer politischen Instrumentalisierung und Inszenierung darf nicht nachgegeben werden“, sagte die Professorin und Leiterin des Instituts für Islamfragen der Evangelischen Allianz, Christine Schirrmacher, in Bonn. „Der Islamismus macht sich das zur Waffe.“

Der Streit spiele den Extremisten in die Hände, sagte Claude Moniquet, Leiter des Brüsseler European Strategic Intelligence Center. Zum einen bestehe die Gefahr, dass die gewaltsamen Proteste gegen westliche Einrichtungen in moslemischen Ländern weitergingen. Das größere Risiko sei aber, dass Al-Kaida oder eine andere Terror-Organisation diesen Streit zum Anlass nehme, Geiseln im Irak zu töten oder größere Anschläge zu verüben. „Das ist nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich“, sagte Moniquet.

Auch die Bundesregierung hatte zuletzt befürchtet, dass der Streit um die Karikaturen über den moslemischen Religionsstifter die Bemühungen um eine Freilassung der beiden im Irak entführten deutschen Ingenieure belasten könnte.

Mindestens drei deutsche Zeitungen hatten die Bilder abgedruckt, die erstmals im September in einem dänischen Blatt erschienen waren. Aber auch Zeitungen etwa in Frankreich, Spanien und Norwegen zogen nach. Eine Karikatur zeigt Mohammed mit einer Bombe als Turban.

Magnus Ranstorp, ein Sicherheitsberater von EU-Organisationen, warnte vor einem höheren Risiko für Europa, sollte die Empörung in der moslemischen Welt noch längere Zeit anhalten. Für Dänemark sei das Sicherheitsrisiko besonders hoch.

Nicht nur die 530 dänischen Soldaten im Irak sowie dänische Einrichtungen und Geschäfte im Ausland seien gefährdet, auch in Dänemark selbst sei die Gefahr, dass es zu Gewalt komme, gewachsen. Dies gelte vor allem für Regierungspolitiker oder die Zeitung „Jyllands-Posten“, die den Streit mit dem Abdruck der Karikaturen ausgelöst habe. Die Schwierigkeit für die Sicherheitsdienste liege dabei darin, dass eine bislang unbekannte Extremisten-Gruppe den Streit als Anlass für Gewalt nehmen könnte.

Moniquet verwies in diesem Zusammenhang auf die Ermordung des islam-kritischen Filmemachers Theo van Gogh in den Niederlanden durch einen Moslem-Extremisten im Jahr 2004. Der Karikaturenstreit folge „der gleichen Logik“ der Gewalt und diene der Idee Al-Kaidas, die einen grundsätzlichen Krieg zwischen dem Islam und dem Westen propagiert. Islamisten könnten den Streit nutzen, „um den Moslems vorzuführen, dass hinter dem Krieg gegen den Terrorismus ein Krieg gegen den Islam steckt, dass es keine Kompatibilität zwischen dem Islam und dem Westen gibt“, sagte Moniquet. Er fügte hinzu: „Und das ist zu ihrem Vorteil, und ich denke in der Tat, sie werden versuchen, diese Möglichkeit rasch zu nutzen.“

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