"Westen verliert Kampf um Menschen der islamischen Welt"
El Kaida meldet sich blutig zurück

Dass islamischen Terroristen wieder zu Aktionen wie der jüngsten Anschlagserie in der Türkei fähig sind, gibt dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) August Hanning „Anlass zu großer Sorge“. Dies ist nach Ansicht von Sicherheitsexperten ein Beweis für das Wiedererstarken der Terrororganisation El Kaida von Osama bin Laden.

HB MÜNCHEN. Auch die Taliban in Afghanistan hätten sich nach ihrer militärischen Niederlage nicht nur regeneriert sondern auch restrukturiert, erklärte Hanning am Donnerstag in München beim BND-Symposium 2003 zum Thema „Naher und Mittlerer Osten“.

Die Terroristen nähmen bewusst auch den Tod von moslemischen Glaubensbrüdern in Kauf. Die Strategie bestehe nicht allein darin, mit ihren Anschlägen die „Kreuzritter“ zu treffen, sondern in den betreffenden Ländern die inneren Konflikte zuzuspitzen, sagte der Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, Ernst Uhrlau. Es sei nach wie vor das Ziel der Islamisten, Amerikaner und Israelis aus der Region zu vertreiben. Besondere Sorge bereite auch die Tatsache, dass in den islamischen Ländern der Anteil der jungen Bevölkerung rapide anwachse, diese aber wegen wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit von radikalen antiwestlichen Ideen vereinnahmt würden.

„Wir sind dabei, den Kampf um die Köpfe und Herzen der Menschen zu verlieren“, sagte Hanning bei dem internationalen Symposium. Auch der amerikanische Sicherheitsberater Rensselaer Lee betonte: „Wir müssen uns mehr Freunde schaffen gegen die Terroristen.“ Mit der gewaltsamen Invasion im Irak habe Al Kaida Zulauf und neues Leben erhalten.

Die Chancen eines Friedensprozesses im Nahen Osten bewertete der israelische Ex-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Dore Gold, skeptisch. Ein Frieden allein wäre noch nicht hinreichend, weil die Sicherheit Israels durch Terroranschläge stets in Gefahr sei, sagte er. Nach Auffassung von Sari Nusseibeh, von der Al-Quds Universität Jerusalem, hat Israel viele militärische Erfolge erzielt. „Aber es hat die falschen Kriege geführt, denn es hat das wichtigste Ziel, den Juden eine sichere Heimat zu geben, nicht verwirklicht.“



Nusseibeh sprach sich dafür aus, die betroffenen Bevölkerungen in die Friedensprozesse einzubeziehen um auf beiden Seiten wieder Vertrauen zu schaffen. Über die Menschen müsse dann Druck auf die Führungen ausgeübt werden, damit wieder nach politischen und nicht nach gewaltsamen Lösungen gesucht werde. Wenn es nicht zu einem Frieden im Nahen Osten komme, „dann bekommen wir hier ein Apartheidregime wie in Südafrika“, befürchtet der palästinensische Professor.



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