Westerwelle beim Nato-Treffen

Der Außenminister als Außenseiter

Beim Nato-Treffen in Berlin steht Gastgeber Westerwelle massiv unter Druck. Seine widersprüchliche Libyen-Politik hat Deutschland das Vertrauen der westlichen Partner gekostet. Er muss es zurückgewinnen.
8 Kommentare
Bundesaußenminister Guido Westerwelle bei der Sitzung der Libyen-Kontaktgruppe. Quelle: dpa

Bundesaußenminister Guido Westerwelle bei der Sitzung der Libyen-Kontaktgruppe.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs mag Tage geben, an denen sich Guido Westerwelle eine Zeitmaschine wünscht. Dann würde er in die Zukunft reisen und sehen, welche Auswirkungen seine Politik hat. Heute könnte so ein Tag sein. Denn heute treffen sich die Außenminister der Nato-Staaten in Berlin und Westerwelle ist in der unangenehmen Position, als Gastgeber zugleich der Außenseiter zu sein.

Hätte er vor der Abstimmung im Uno-Sicherheitsrat am 17. März zur Libyen-Resolution also seine Zeitmaschine bestiegen, um einen Abstecher zum Abend der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (27. März) zu machen, ganz sicher hätte sich Deutschland bei der Abstimmung nicht der Stimme enthalten.

Wozu auch? Der außenpolitische Sündenfall, mit dem Kanzlerin Merkel und Westerwelle sich die Wählermehrheit im Ländle sichern wollten, hat innenpolitisch nichts gebracht. In Stuttgart regiert bald Grün-Rot. Und auf diplomatischem Parkett muss der Außenminister seit Wochen die Scherben dieser Entscheidung zusammenfegen.

Es ist also fast schon Ironie des Schicksals, dass der Kriegsverweigerer Westerwelle heute die Nato-Partner begrüßt, um mit ihnen über die weitere Strategie im Kampf gegen das Gaddafi-Regime in Libyen zu beraten. Als das Ereignis vor Monaten geplant wurde, gingen die Teilnehmer davon aus, dass der Afghanistan-Einsatz und die Abrüstung der Nuklearwaffen auf dem Tagesplan stehen würden.

Guido Westerwelle und sein französischer Amtskollege Alain Juppe beim Nato-Treffen in Berlin. Quelle: dapd

Guido Westerwelle und sein französischer Amtskollege Alain Juppe beim Nato-Treffen in Berlin.

(Foto: dapd)

Damals war Deutschland noch ein hoch angesehenes Mitglied im westlichen Verteidigungsbündnis und an der transatlantischen Bündnistreue gab es keinen Zweifel. Doch Westerwelle hat sein Land isoliert. Nun mischt sich Misstrauen in die Korrespondenz zwischen Berlin, Paris, London und Washington. Oder sogar Spott. Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet meldete sich am Dienstag zu Wort: Wenn sich Berlin jetzt bereit erkläre, an einem humanitären Hilfseinsatz in Libyen mitzuwirken, sei das wie eine "mündliche Nachprüfung".

Außenminister Alain Juppé muss diplomatischer sein. Er sagte nach dem Treffen mit Westerwelle heute Vormittag also auch:"Das Vertrauen ist nicht zerstört." Fügte aber noch hinzu: "Wir sind einig über das Ziel, es gibt Unterschiede über den Weg."

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Westerwelle beim Nato-Treffen - Der Außenminister als Außenseiter

8 Kommentare zu "Westerwelle beim Nato-Treffen: Der Außenminister als Außenseiter "

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich meine, Herr Westerwelle braucht keine Zeitmaschine. Wenn er bei der Abstimmung im SR der UNO die Entwicklung nicht vorsehen konnte, wie sie jetzt stattfand, dann ist er kein akzeptabler Minister. Er konnte mich fragen! Ich brauche keine Zeitmaschine um nicht zu sehen, dass seine Tage als Aussenminister bereits gezählt sind. So etwas kann sich kein vernünftiges Land auf Dauer leisten. Herr Westerwelle, bitte behindern Sie nicht die deutsche Politik und treten Sie als Aussenminister zurück !! Es ist keine Schande, nicht jedem ist es gegeben außenpolitisch fit zu sein. Ihre Einsicht wird Ihnen vieles verzeihen. Mit Sturheit kommt es noch dicker.

  • Also alle Kriege nach 1945 kann ich spontan nicht aufzählen, aber den Vietnam-Krieg (der Voluminöseste) haben die Nordvietnamesischen Kommunisten (mit der UdSSR im Rücken) gewonnen. Und die USA konnten ihn nicht verhindern, unabhängig von der "Kriegslüsternheit" der Medien. Also irgendwie stimmt nicht viel an Ihrem Beitrag.

  • Ja der Gute Westerwilli tut eben nicht so ganz so wie die es die Lobby gerne hätte. Er hat im Gegensatz zu anderen wenigstens einen Arsch in der Hose und falls der Herr Brandenburg noch im wehrfähigen Alter ist kann er ja dort unten freiwillig humanitäre Hilfe leisten.

    http://derhonigmannsagt.wordpress.com/2011/04/11/juden-sturzten-westerwelle/

  • Da gibt es für Westerwelle und Deutschland nichts zu retten. Wer sich vor Kampfeinsätzen drückt, obwohl das Ziel unstrittig ist, der ist nicht mehr ernst zu nehmen.

  • Es ist schon interessant, welche Kriegslüsternheit die Medien an den Tag legen. Mag darin liegen, daß man bei einer dt. Nichtteilnahme zunächst keine Hurra- und später keine Heulberichte bringen kann. Aber es ist nicht wichtig, was die Medien wollen, sondern nur der Wille der Bürger zählt. Und die wollen keine dt. Kriegsteilnahme, denn immer zahlt der Bürger die Zeche.
    Ganz nebenbei: Nenne mir einer einen Krieg seit 1945, der einen eindeutigen Sieger hatte! Die Franzosen haben in Indochina verloren genauso wie die Amis dort, im Irak und in Afghanistan und aus Afg. mußte auch der Russe abziehen. Tja, und beim Libyen-Einsatz der Willigen (Allianz der Länder die alle megapleite sind) ist doch jetzt schon zu sehen, daß da kein Blumentopf gewonnen werden kann. Westerwelles Nein war genauso richtig wie Schröders Nein. Aber, Journalisten, wenn ihr Krieg wollt, dann laßt euch doch als Söldner anheuern und lebt euere Todessehnsucht aus!

  • Ich finde es gut, Deutschland beteiligt sich nicht an einem weiteren Krieg mit Waffen.
    Wer trotsdem Krieg spielen möchte, der kann sich ja anwerben lassen ( als Privatperson ).
    Wir können ja dann wieder unter grün-rot unsere Kinder und Väter/Brüder erschießen lassen.
    Wacht auf...Krieg hilft nicht, er kann nur der letzte Ausweg sein !

  • Es wäre besser gewesen, Westerwelle wäre als Außenminister zurückgetreten und wäre FDP-Boss geblieben. Dann hätte er nur der FDP geschadet (was niemanden mehr sonderlich interessiert). So aber schadet er dem ganzen Land. Und Frau Unfähig lässt alles schleifen.

  • Eigentlich ist schon alles zu diesem "Außenseiter"-Minister gesagt. Dennoch muss ich noch etwas hinzu fügen. Normalerweise sollte ein Außenminister diplomatisches Geschick beherrschen. Aber von allen Politikern in der Regierung, gehört er in dieser Disziplin (und vielen anderen auch) zum absoluten Schlusslicht.
    Kann sich eine Regierung mit dem Stellenwert der Bundesrepublik Deutschland so einen peinlichen Außenminister überhaupt leisten? Ich sage nein! Und verlange den Rücktritt, bevor er noch mehr Unheil und Schaden in der Welt für Deutschland anrichtet!

    Neulich gab ein Minister (Namen vergessen) eines anderen Landes ein Kommentar zu Herrn Westerwelle in einem Interview ab. Er sagte sinngemäß, dass Herr W. kaum zuhört und schnell desinteressiert ist und meist sogar schnell wieder aus den Debatten verschwindet. Ich finde diese Aussage vernichtend für einen Außenminister!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%